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 Betreff des Beitrags: Geschichten....
BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:45 
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So, ich eröffne eine Geschichtensammlung... ein paar werdet ihr vielleicht noch kennen :wink: , die stelle ich hier wieder rein... viel Spaß... 8)

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Von einem Jungen, dessen größte Schwäche
zugleich auch seine größte Stärke war


Manchmal kann unsere größte Schwäche auch unsere größte Stärke sein. So etwa bei jenem Jungen, der im Alter von 10 Jahren beschloss, Judo zu lernen ­ obwohl er bei einem Verkehrsunfall seinen linken Arm verloren hatte.

Der Junge nahm Judo-Unterricht bei einem Judo-Meister. Er lernte schnell, verstand aber nicht, warum ihm der Meister nach 3 Monaten nur einen einzigen Griff beigebracht hatte.

"Meister", sagte er, "sollte ich nicht mehr Griffe lernen?"
Der Meister antwortete: "Das ist der einzige Griff, den du kennen musst". Der Junge verstand den Meister nicht, aber er trainierte diesen einen Griff weiter.

Monate später nahm der Junge das erste Mal an einem Turnier teil. Zu seinem Erstaunen gewann er die ersten beiden Kämpfe ohne große Mühe. Beim dritten Kampf hatte er etwas mehr Mühe, aber schließlich gewann er auch diesen mit seinem einzigen Griff, den er kannte. Er hatte es bis in die Endrunde geschafft.

Hier traf er auf einen Gegner, der sehr viel größer, stärker und erfahrener war als er. Zunächst schien es, als habe er keine Chance. Der Schiedsrichter hatte sogar Angst, dass sich der Junge verletzen könnte und wollte den Kampf absagen. Der Meister aber beharrte darauf, dass der Junge weiterkämpfen sollte.

Kurz nach Wiederaufnahme des Kampfes machte der Gegner einen Fehler, den der Junge nutzte, um seinen Griff anzubringen. Der Junge gewann das Turnier.

Auf dem Nachhauseweg gingen der Meister und der Junge nochmals alle Kämpfe durch und analysierten sie. Der Junge nahm all seinen Mut zusammen und fragte den Meister:
"Meister, wie konnte ich das Turnier nur mit einem einzigen Griff gewinnen?"
"Aus 2 Gründen" antwortete der Meister. "Erstens beherrscht du einen der schwierigsten Würfe des Judo meisterhaft. Und zweitens besteht die einzige Verteidigung gegen diesen Griff darin, dass dein Gegner deinen linken Arm fassen kann".

Die größte Schwäche des Jungen war zugleich
seine größte Stärke.

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Menschen sind wie Musikinstrumente; ihre Resonanz hängt davon ab, wer sie berührt.
(C.C. Virgil)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:45 
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"Vom Mut, das Leben zu nehmen, wie es kommt........."

Auf dem Land lebte eine Frau mit ihren Kindern, sie war seit einiger Zeit allein, denn ihr Mann hatte sie verlassen. Die Trennung war hart gewesen und schwer die Zeit, danach. Nun hatte sie ihr Leben neu aufgebaut und war zufrieden.
Sie liebte ihre Kinder und das Leben von Herzen und ging offen und freundlich auf alle Leute zu, sie pflegte viele Freundschaften, war sehr hilfsbereit und gut angesehen. Viele Leute suchten ihren Rat und ihre Hilfe und sie gab gern.
So verging die Zeit und es kamen auch andere Männer, die sie ansahen und sie gefiel ihnen sehr. Der ein oder andere versuchte schon sein Glück, aber sie wies sie alle freundlich und bestimmt ab und blieb für sich allein. Trotzdem war ihr keiner der Männer böse und ein jeder half ihr gern, wenn sie es zuließ, was aber selten vorkam.
Eines Tages machte sie einen Spaziergang, sie kam am Ende zu einer uralten Eiche und ließ sich in ihrem Schatten nieder, um auszuruhen. Und weil sie so müde war, schlief sie ein und träumte:

„Von einem jungen Mädchen, das so offen und frei aufwuchs, das an das Gute im Menschen glaubte und vertraute und das immer wieder, immer wieder enttäuscht wurde, geprüft wurde und vieles erlebte, das manch anderen für immer darnieder geworfen hätte........ aber das Mädchen stand immer wieder auf, lächelte und ging seinen Weg weiter. Es wurde vorsichtiger aber tief in sich, behielt es den Glauben an das Gute im Menschen. Es vertraute nicht mehr so sehr und zog sich zurück. Aber wenn jemand sein Herz berührte, was selten vorkam, dann öffnete es sein Herz und eine unglaubliche Liebe strömte hervor und schenkte sich........ Dann aber geschah es das sich das Mädchen sich verliebte und heiratete, es war ihrem Man von Herzen zugetan und schenkte ihm ihr ganzes Ich.
Er nahm es auch und behielt es, ehrte es aber nicht und betrog und belog sie weitaus
schlimmer, als es jemals jemand zuvor gewagt hatte. Lange glaubte sie nicht, was ihre Augen doch sahen, lange glaubte sie nicht, was ihre Ohren doch hörten....... und dann eines Tages, wusste sie, das sie entweder brechen würde oder gehen musste.
Und sie ging.......... aber ihr Schmerz war tief, tiefer als je zuvor und ihr Herz schloss sich, fester als je zuvor.
So lebte sie viele Jahre, fand ihren Weg und war doch nicht glücklich, bis sie eines Tages eine alte Frau traf und mit ihr im Gespräch versank. Die Alte hörte sich die ganze Geschichte an und sagte dann „Und wenn Du jetzt zurück schaust auf das was Du erlebt hast, so ist alles was hinter Dir liegt Vergangenheit........Deine Vergangenheit, die Dich lehren sollte, Deine Zukunft zu achten und zu lieben, weil Du um den Schmerz und die Tränen weißt und um die Hoffnung und die Liebe...... weißt Du mein Kind, ich verstehe Deine Angst vor neuem Schmerz, aber willst Du aus Angst nicht mehr Dein Leben leben, willst Du aus Angst auf das größte Geschenk Deines Lebens verzichten? Willst Du aus Angst sterben?“ Das Mädchen sah die alte Frau verschreckt an und sagte „nein, natürlich will ich das nicht.“ Die Frau strich ihr übers Haar und sagte dann „mein Kind, dann erhebe Dich und tritt mutig in die Welt hinaus, Du kannst nur durch Mühsal ernten, Du kannst nur durch Deinen Einsatz einen Gewinn erzielen und nur wenn Du handelst, wirst Du etwas ändern.......“ Das Mädchen sah die alte Frau an und Tränen traten in ihre Augen „aber ich kann nicht mehr.....vertrauen oder lieben, ich fürchte mich so sehr.“ „Ja“ nickte die Alte, „ich weiß. Aber Du musst es tun, nur so wirst Du heraus finden, ob Du noch lebst........ nur so wirst Du überhaupt leben, wirklich leben und auch wieder lieben, denn ohne Liebe......... kannst Du zwar zufrieden werden aber Du bleibst allein, ohne Träume, ohne Glück.“ Das Mädchen schluckte und die Tränen rollten ihre Wangen hinunter, die Alte aber lächelte und sagte, „wie kannst Du Dich denn fürchten, vor der Liebe......... das was Du erlebt hast war doch keine Liebe.......es war Blendwerk und nun ist es vorbei, geh hinaus in die Welt, Tochter und liebe......“ Damit erhob sie sich und setzte ihren Weg fort.
Das Mädchen saß noch eine Weile da und dann ging auch sie ihren Weg weiter. Aber die Worte der alten Frau hatte ihr Herz getroffen und sie begann es wieder zu öffnen und öfter spürte sie wieder ein Lied auf den Lippen und ihr Lachen erreichte wieder ihr Herz, ihre Augen begannen zu leuchten und ihre Gedanken zu fliegen und eines Tages traf sie einen anderen Mann, ganz zufällig und sie kamen ins Gespräch und trafen sich wieder und sie sprachen von der Liebe, da sagte er eines Tages „Die wirklich wichtigsten Dinge im Leben sind alle unbezahlbar, das Einzige was zählt, kannst Du niemals kaufen, denn das ist die Liebe................. jedes Unheil lässt sich durch sie mildern und ertragen, keine Last ist für sie zu schwer und kein Schmerz zu groß, sie überwindet alle Zeit und alle Grenzen, sie wird größer, je mehr Du davon gibst...... unendlich.“ Und sie sah ihn an und fühlte sich verstanden und sie antwortete „Und am Himmel leuchten in klaren Nächten unendliche viele Sterne, ein jeder ein Zeichen von Hoffnung und Zuversicht. Hast Du einmal versucht, die Sterne zu zählen? Nein? Schau, so ist es mit der wahren Liebe, sie ist so unendlich.... wie es die Sterne am Himmel sind.“ Und sie nahmen einander in den Arm und hatten sich gefunden“

Aus diesem Traum erwachte die junge Frau unter der Eiche und rieb sich die Augen. „Großmutter Eiche“ sagte sie, „ich danke Dir für Deine Gedanken und für Deine Worte“, sie neigte den Kopf und ging in Gedanken versunken heim.

Ja, sie hatte einfach Angst, Angst sich einzulassen, Angst wieder verletzt zu werden, Angst sich zu geben, Furcht wieder einmal enttäuscht zu werden. Das war nicht recht, merkte sie bei sich, denn ich nehme mir mein Glück selbst........ was habe ich denn zu verlieren? Nichts mehr, denn ich bin ja allein, ich kann doch nur gewinnen, und wenn nicht, auch davon wird die Welt nicht untergehen, aber wenn ich nichts tue, dann werde ich auch nichts gewinnen können, und lohnt sich nicht jeder Einsatz für die wahre Liebe? Das waren Gedanken, die sie sich lange nicht getraut hatte zu denken und so kam sie heim.

Und siehe, die Gedanken bewegten ihr Herz und plötzlich fielen die Fesseln, die sie sich auferlegt hatte, langsam eine, nach der anderen, auch ihre Augen begannen zu leuchten und ihr Lächeln wurde inniger und fröhlicher und sie begegnete der Welt um sich herum wieder mit Freude und Zuversicht und dem Glauben daran, das alles einen tiefen Sinn hatte.

Und als einige Zeit vergangen war, da traf auch sie einen Mann, einen, der auch seine Geschichte mit sich trug und seine Verletzungen pflegte und sie hatte die heitere Gelassenheit, ihn zu trösten und sagte zu ihm „Weine wenn es an der Zeit für Tränen ist, weine, so lang Du magst und soviel, wie Du brauchst, alle Tränen dieser Welt sind einmal zu Ende geweint und dann schlafe eine lange Weile, denn Weinen macht unendlich müde. Und dann, wenn der neue Morgen heran gekommen ist, wirst Du auch die Kraft haben, Deinen Kopf wieder zu erheben und Dein Blick wird klar und hell sein und die Schönheit des neuen Tages sehen und voll Hoffnung auf das sehen, was vor Dir liegt und sich Dir bietet.... und dann kommt auch wieder die Zeit für die Liebe.“

Er sah sie an und sagte „wirklich, ich fühle mich verstanden von Dir und ich habe das Gefühl, Du willst gar nichts von mir?“ „Was soll ich von Dir wollen“ fragte sie staunend, „alles ist gut, so wie es ist, oder?“ Und er nahm sie in den Arm, sah ihr in die Augen und sagte, „ich will schon etwas, Dich lachen und weinen sehen, Dich glücklich machen und immer bei Dir sein, Dich will ich, so wie Du bist.“ Sie lachte wieder und sagte „Ja, das will ich auch, aber all das kann ich Dir nur geben und schenken, ich kann es nicht fordern, genauso wenig wie Du es fordern kannst, Du kannst es mir nur schenken, mehr nicht.“ Und er wusste, sie hatte recht, es gab keine Forderungen, nur Gaben aneinander und beide spürten, das sie jetzt, so viele Jahre später in ihrem Leben, nach so langen Jahren der Suche, die wirkliche Liebe gefunden hatten, und darüber waren sie unendlich glücklich.

Noch oft dachte die junge Frau an den Traum unter der alten Eiche und behielt ihn für immer in ihren Gedanken, denn er hatte sie aufgeweckt und ihr den Mut gegeben, sich wieder fallen zu lassen und zu glauben........ denn das muss ein jeder tun, Mut haben und sich fallen lassen in der Gewissheit, fehl zu landen, oder die Liebe zu treffen........und glauben.

Und jedes Mal, wenn sie in einer sternenklaren Nacht den Himmel ansah, dann hörte sie die Worte aus ihrem Traum : „Und am Himmel leuchten in klaren Nächten unendliche viele Sterne, ein jeder ein Zeichen von Hoffnung und Zuversicht..........“ sie versuchte nie sie zu zählen, aber sie wusste, es waren unendlich viele..........Sterne der Liebe.


Saja

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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:46 
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„Von Muscheln"

Mann lebte seit vielen Jahren halbwegs glücklich und zufrieden sein Leben. Er arbeitet hart und konnte sich so seinen Feierabend in Ruhe und Zufriedenheit gönnen und auch den ein oder anderen Wunsch erfüllen.

Er dachte sehr viel über das Leben nach, über Sein und über Schein, über das was ihn bewegte und über das, was er sich wünschte. So vergingen die Jahre und, obwohl er suchte und oft auch fand, seinen größten Wunsch, nach einer Frau an seiner Seite, die so war, wie er sie sich erträumte, der erfüllte sich nicht.

Er war zwar selten allein und seine Seite zierten schöne und reizvolle Frauen, nach denen sich andere oftmals bewundernd umschauten und die immer etwas besonderes waren, aber keine von ihnen berührte wirklich sein Herz.

Eines Tages, als er wieder einmal allein am Meer unterwegs war und darüber sinnierte, das er zwar oft um die Frau an seiner Seite beneidet wurde und warum er denn nicht klar erfassen konnte, was ihm so sehr fehlte, da sah er unter einer Palme eine alte Frau sitzen. Sie lächelte ihn an und winkte ihn zu sich.

Ihre Augen leuchteten in einem strahlenden Blau und es war ihm, als wenn er in die Augen dieser Welt blickte. Sämtliche Vorbehalte waren vergessen und er setzte sich zu ihr. Sie lächelte ihn an und sagte, „Mein Sohn, seit vielen Jahren beobachte ich Dich und ich sehe, das Du unermüdlich an Dir arbeitest und viel Gutes in der Welt tust, das Du freundlich bist und Werte und Ziele hast, die heute nicht mehr selbstverständlich sind.“ Er sah sie an und erkannte sich in ihrem Worten wieder.

Da saß er fern der Heimat und wunderte sich nicht einmal, das die alte Frau seine Sprache sprach, alles schien so unendlich vertraut. „Mein Sohn“, fuhr sie fort, „Du hast seit vielen Jahren einen großen Wunsch, der sich nicht erfüllt hat, bisher....“ „Ja,“ sagte er „und ich habe ihn beinahe aufgegeben, schon so lang suche ich die Frau, die mein Herz berührt und in deren Augen, ich mich wiederfinden kann.......“

„Ich weiß,“ sprach die alte Frau „und sie ist die ganze Zeit um Dich, aber Du siehst sie nicht.“
Erschrocken sah er sie an und fragte „wie, ich sehe sie nicht? Ich bin mit so unendlich vielen Frauen ausgegangen und manche hat mich kurzfristig tief berührt, aber wenn ich sie dann näher kannte, dann war alles nur Schaum und Traum.“ „Oh ja,“ nickte die Alte, „ich weiß, denn ich habe es gesehen.“

Schweigend saßen sie eine Weile da und dann fasste er Mut und fragte, „Mutter, wie kann ich sie finden.........und wie erkenne ich sie?“ Sie blickte ihn an und sagte, ich darf Dir nicht helfen, denn auch ich darf nicht in den Kreislauf des Lebens eingreifen, aber ich will Dir eine Geschichte erzählen.“

„Es waren einmal zwei kleine Kinder, die hier am Meer lebten, ein Kind reicher Eltern, wohlbehütet und verwöhnt, aber ohne Freunde und ein Kind armer Fischer, oft sich selbst überlassen und ebenso einsam. Eines Tages trafen sich die Kinder und ein jeder erkannte in den Blicken seines Gegenübers die eigene Einsamkeit und so begann eine wunderbare Freundschaft. Der reiche Junge musste sich oft aus dem Palast stehlen um den armen Jungen zu besuchen, er lernte von ihm all die wilden Spiele der Fischerskinder und merkte, das Leben war schön und das arme Kind bekam einen Hauch, vom Glanz des Reichtums und so gaben sie sich Beide, sehr viel.

Eines Tages aber gingen sie an den Strand und sammelten Muscheln. Es hatte zuvor einen Sturm gegeben und dieser hatte so unendlich viele Muscheln an den Strand getragen, wie selten zuvor. Ein jeder sammelte und sammelte und legte seine Muscheln auf einen Haufen. Am Abend saßen sie beieinander und verglichen ihre „Schätze“.

Eine war schöner als die andere, die eine hatte wundervolle Farben, die andere schöne Formen und wieder ein flüsterte am Ohr von der Sehnsucht der Freiheit. Sie tauschten hin und her und erfreuten sich an der Vielfalt der Muscheln. Ganz unten, unter dem Haufen des armen Jungen aber lag eine dunkle Muschel, ohne Glanz, fest geschlossen, von Pocken bedeckt, still und unansehlich.

„Hey, was willst Du mit diesem hässlichen Ding“ fragte der reiche Junge und nahm die dunkle Muschel in die Hand und wollte sie fortwerfen......... „Nein“, rief der Arme und nahm sie ihm fort, „gerade diese ist mir besonders lieb, denn sie ist so anders, ich kann es Dir nicht erklären, aber ich möchte genau diese Muschel am meisten behalten, alle Muscheln sind schön, nur diese nicht, sie muss ein Geheimnis haben.“ Der reiche Junge lachte, ob dieser Worte und verspottete seinen Freund.

So trennten sich die Beide das erste Mal im Zwiespalt und dann musste der reiche Junge fort und sie sahen sich viele Jahre lang nicht wieder. Er ging zu Schulen in aller Welt und lernte viel, den Freund aus seinen Kindertagen aber vergaß er nicht. Der arme Junge wurde Fischer, wie sein Vater und auch er vergaß seinen Freund nicht. Alle Muscheln lagen längst wieder im Meer, nur die dunkle, die geheimnisvolle, die lag neben seinem Bett, denn oft träumte er davon, eines Tages ihr Geheimnis zu ergründen.......

Und so vergingen noch mehr Jahre und eines Tages erhielt der junge Mann Besuch. Sein reicher Freund von früher war nach vielen Jahren heimgekehrt, er brachte eine wunderbare schöne junge Frau mit, die er seinem Freund vorstellen wollte. Auch dieser war inzwischen verheiratet, mit einer liebevollen, fleißigen, arbeitsamen Frau, die er tief liebte und achtete,
sie achtete auch die dunkle Muschel, die ihrem Mann so viel bedeutete.

Nun also trafen diese Vier in der Hütte des jungen Fischers zusammen, die reiche junge Frau fühlte sich sichtlich unwohl und betrachtete alles um sich verachtungsvoll und hochmütig. Es war sehr viel Zeit vergangen und auch die jungen Männer hatte Schwierigkeiten einander zu verstehen, ihr Leben war zu unterschiedlich gelaufen. Die junge Fischersfrau kümmerte das alles nicht, sie bewirtete die Gäste, als wären es Könige und sie lachte und scherzte und schaffte es endlich, die Spannungen zu lockern und der reiche junge Mann schaute sie immer öfter verlangend an........ Das bemerkte sie auch und bekannte sich mit Gesten eindeutig zu ihrem Mann und zeigte dem anderen, das es für sie niemand anderen geben würde.

Als die Zeit des Abschieds gekommen war, seufzte die reiche junge Frau erleichtert auf, denn niemand hatte es geschafft, ob aller Herzlichkeit, das sie sich wohlfühlen mochte, nein nicht hier, das war ihr nicht angemessen und ihr Mann hatte in ihren Augen einiges an Achtung verloren, ob solcher Freunde.... ihr Herz war schon zu sehr verhärtet.

Das merkte ihr Mann wohl und als er seinen Freund dort so stehen sah, still in seinem Glück, da wurde ihm wehmütig und er dachte daran, das dessen Frau, zwar nicht so schön und begehrenswert war wie seine eigene, aber er spürte auch, das sie seiner Frau weit überlegen war, was Klugheit, Güte und Herzenswärme betraf und er war ein wenig neidisch auf seinen Freund und ein wenig traurig.

Und dann sah er im letzten Gehen die dunkle Muschel neben dem Bett der Beiden liegen. „Ist das die selbe von damals“, fragte er. Der Fischer nickte und er fragte weiter „hast Du ihr Geheimnis der verborgenen Schönheit ergründen können?“ „Nein“ sagte der Fischer, nahm die dunkel Muschel in die Hand und reichte sie seinem Freund. Dieser nahm sie und plötzlich fiel sie ihm aus der Hand und zerbrach am Boden.......... und aus den dunklen, unansehnlichen
Splittern der Muschelschale rollte eine so wunderbare leuchtende Perle hervor, wie sie sie noch nie gesehen hatte, von seltener Größe und Schönheit und alle standen in völligem Erstaunen um sie herum.

Der Fischer kniete nieder und hob sie auf, eine solche Perle hatte er noch nie gesehen, sie schien im, wie ein Glanz des Mondes auf seiner Hand. Seine Frau schaute ehrfurchtsvoll auf sie und sagte leise „wie wunderschön sie ist........“ Der reiche junge Mann staunte sehr, da fiel sein Blick auf seine junge Frau, die völlig im Bann der schönen Perle eine unverholene Gier nicht unterdrücken konnte und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Du hattest immer Recht“ sagte er zu seinem Freund, „das ist die größte Schönheit, die ich je erblickt habe und sie ruhte lange unerkannt im Verborgenen. Du hast ihr damals ins Herz geschaut und ich habe immer nur die Schale gesehen, wie blind ich war............“ er seufzte, zog seine Frau aus der Hütte und ging heim.

Sie trafen sich nicht wieder, aber ein jeder von Ihnen behielt die Muschel und die Perle in seiner Erinnerung und beide wurden glücklich in ihrem Leben......... der reiche Mann, weil er aufhörte auf Äußerlichkeiten zu achten und der arme Mann, weil er so weiterlebte, wie bisher. Die Perle aber, die ein unermesslicher Schatz war, die lag im kleinen Fischerhaus, glänzend und leuchtend neben dem Bett und diente den Kindern als Spielzeug und den Eheleuten als Glücksbringer......... das war das Geheimnis der dunkeln Muschel.“

Die alte Frau schwieg und der Mann zu ihren Füssen war in tiefen Gedanken versunken...... Sie erhob sich und legte ihm die Hand auf die Stirn „ich segne Dich, mein Sohn, behalte meine Worte in Deinem Herzen und sieh auf das, was verborgen ist........ nicht der Glanz des Äußeren ist das, worauf es im Leben ankommt.“ Leicht spürte er ihre Berührung und als er aufblickte um ihr zu danken, da war sie fort und niemand war zu sehen. Keine Spuren im Sand, nichts, es war so, als habe er geträumt.

Einzig eine dunkel schwarze Muschel lag vor ihm im Sand, er hob sie ehrfürchtig auf und nahm sie an sich. Dann erhob er sich und ging heim. Die dunkle Muschel legte er neben sein Bett und jeden Abend erinnerte sie ihn wieder daran, was die alte Frau ihm erzählt hatte und auch ihm fiel es wie Schuppen von den Augen, das Äußere spielte keine Rolle, das war es, was er immer vergessen hatte, was ihn geblendet hatte und ihm den Blick vor dem wahren Wert verschlossen hatte.

So dauerte es dann nicht sehr lange, das er eines Tages eine Frau traf, die so ganz anders war, wie alle, die vorher getroffen hatte. Er nahm sie erst auf den zweiten Blick wahr und nur weil er an die Worte der alten Frau dachte, sah er sie sich näher an und als er in ihre Augen sah, das sah er zum aller ersten Mal das Spiegelbild seines Selbst und wusste, er hatte gefunden, wonach er sich so lang gesehnt hatte. Und er dankte der alten Frau in Gedanken und tat alles dafür, diesen „Schatz“ zu bewahren, was nicht schwer war, denn sie war die wirkliche Liebe, die nur aus sich selbst gibt, lebt und liebt........................

Saja


Ich mag Märchen, sie enthalten so oft einen wahren Kern und stecken meist voll Liebe und Wissen um das Leben, so anders als theoretische Abhandlungen, denen einfach das Gefühl für das "leben" fehlt und die sich erheben und auf Wahrheit pochen und doch nur eine Seite beleuchten, die, die sie sehen wollen......

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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:47 
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"Vom fehlenden leben.........."

Nah am Wald lebte eine alte Frau in einem kleinen Haus. Sie war freundlich und ein jeder kam gut mit ihr aus. Da sie vieles wusste konnte sie oft den Leuten einen Rat geben und ihnen helfen, wenn sie darum gebeten wurde und besonders die Kinder waren ihr nah. Sie hatte für jedes Kind immer ein offenes Ohr und ein liebes Wort.
Wer sie eigentlich wirklich war, das wusste niemand so ganz genau, vor vielen Jahren war sie hierher gezogen, ganz allein mit ihrem Hund. Der Hund lebte schon lang nicht mehr, an seiner Stelle war ein anderer Hund getreten und so nahm das Leben seinen Lauf.
Nun war es so, das der Ruf der alten Frau, recht weise zu sein sich immer mehr ausbreitete und manchmal kamen von weit her Leute, um sie um Rat zu fragen. Sie nahm alle freundlich auf und hörte ihnen zu und wenn ihr etwas dazu einfiel, dann sagte sie auch etwas. Ein jeder ging getröstet von ihr fort und fand eine Antwort auf seine Frage.

Nun lebte in einer weit entfernten Stadt ein andere alte Frau, sie hatte ein schönes Leben gehabt, Eltern, die sie sehr liebten. Sie war das einzige Kind und jeder Wunsch wurde ihr von den Augen abgelesen, sie hatte eine Nanny, als sie klein war und einen Hauslehrer, als sie größer war, denn ihre Eltern wollten sie vor allem Unbill der Welt bewahren.
Sie war ein hübsches Mädchen gewesen und hatte das Glück, nach ihrem Studium, das sie mehr oder weniger arbeitseifrig absolviert hatte, einen jungen Mann zu treffen, der sich in sie verliebte und ihr alles bot, was sie sich wünschte und so bekam sie zwei Kinder, die sie durch eine Kinderfrau erziehen ließ und lebte ihr Leben im Kreis ihrer Freunde und hatte, eigentlich nichts wirkliches zu tun, außer die Dinge, die ihr Spaß und Freude machten. Da sie nichts anderes kannte und kaum einen Wunsch aussprach, der sich nicht erfüllte, vermisste sei in ihrem Leben auch nichts.

Nach langer Ehe verstarb ihr Mann und plötzlich stand sie allein, ihre hübschen Kinder gingen eigene Wege, sie waren groß. Sie hatte auch nie so wirklich eine tiefe Liebe zu ihnen empfunden, nein, sie waren mühsam und plagten sie sehr, jetzt im Alter da begann sie sich Sorgen zu machen. Das Personal wurde immer launischer und kündigte oft, dann kam ihr Sohn und eines Tages sagte er zu ihr, er würde nach einem schönen Platz in einem Heim für sie suchen, denn es gehe nicht, das er alle 4 Wochen eine neue Hausfrau für sie suchen müsste. Sie klagte sehr, über die schlechten Zeiten und jammerte in einem fort.......... Ihr Sohn redete ihr ins Gewissen und sagte Dinge zu ihr, die sie kaum hören mochte, von Eigensinn und Dickköpfigkeit, von schlechtem Benehmen und überhaupt, lauter Dinge, die sie gar nicht glauben mochte. Er stelle eine neue Zugehfrau ein und sagte auch dazu, wenn sie sie wieder fortgraulen würde, dann könnte er ihr nicht mehr helfen und sie müsse ausziehen und sich versorgen lassen.

Die neue Zugehfrau war tüchtig und fleißig und sie sprach wenig mit ihr, denn sie hatte doch Angst bekommen und eines Tages hörte sie von der Frau am Wald und beschloss sie zu besuchen. Sie machte sich auf den Weg und der Weg war lang und mühsam, es fiel ihr sehr schwer und sie ging und ging. Sie jammerte und klagte in einem fort, erst über die Sonne, dann über die Länge des Weges, dann über den Wind und dann über den Staub, der ihre Schuhe überzog und so ging es unentwegt weiter.

Die Waldfrau hörte sie schon viel eher, als sie Sie sehen konnte. „Oh,“ sagte sie zu ihrem Hund „da kommt jemand, der dringend unsere Hilfe braucht.“ Sie nahm ihre Schürze ab, füllte einen kühlen Trunk ins Glas und ging ans Tor. „Tritt herein,“ sagte sie freundlich, setzt Dich und erfrische Dich, willkommen“. Die Frau aus der Stadt ließ sich nieder, trank das Glas in einem Zug leer und jammerte und jammerte.
„oh, dieser lange Weg, so staubig und so steinig, ihr würden die Füße weh tun und die Sonne sei so heiß gewesen und die Schuhe, ach, wie ihre Schuhe nun aussehen würden und sie fühle sich so müde, und oh der Weg sei so unendlich lang gewesen und die Füße schmerzten, ob der vielen Steine und...............“ Die Waldfrau saß gelassen in ihrem Stuhl und hörte dem Klagen zu. Plötzlich sagte ihr Gast „aber sie sagen ja nichts.......“ Sie lächelte und sagte dann heiter„was soll ich denn sagen, es gibt doch nichts zu sagen, sie erzählen mir ja grade, wie mühsam es Ihnen war, zu mir zu finden.......“ „oh, und der Weg“, begann die Frau aus der Stadt zum wiederholten Male und wurde unterbrochen „ja, der Weg zu manchen Dingen ist mühsam, nur mühsame Wege führen an ein wirkliches Ziel und sie sind ja angekommen, das war doch der Mühe wert.“

Die Frau aus der Stadt schwieg vollkommen verblüfft, „wie, der lange Weg war das Ankommen wert.........“ „Nun“ sagte die Waldfrau „sie wollten zu mir kommen und nun sind sie am Ziel, ist nicht dies das Einzige, was zählt?“

Die Frau sah sie an und erinnerte sich, das sie ja etwas gewollt hatte von der weisen Frau und sah sie zum ersten Mal bewusst an. Das saß ein Mütterchen vor ihr, unbestimmten Alters, mit weißem Haar, einem heiteren Lächeln um die Lippen und zarten, langen schlanken Fingern, die von der vielen Arbeit rauh waren, aber sauber. Sie trug ein einfaches aber gutes Kleid und hatte feste, aber sehr ordentliche Schuhe an den Füssen. Sie trug eine schöne Brille, die ihre klaren blaugrauen Augen unterstrich, aber keinen Schmuck. „Welch einfache Frau“ dachte die Frau aus der Stadt „was soll sie schon erlebt haben, vermutlich wohnt sie seit Jahren hier und arbeitet vor sich hin, wie soll sie mir Rat geben......... ich glaube, ich gehe wieder.“ Sie wollte gerade etwas sagen, das begann die Waldfrau mit leiser Stimme „lassen sie sich Zeit, meine Liebe, manche Frage braucht Raum um sich gestellt zu werden und sie werden ihre Antwort auf jede Frage bekommen, aber lassen sie sich Zeit.“

Das machte die Frau aus der Stadt nun neugierig und sie dachte eine Weile nach und sagte dann, „ich bemerke, das mein Leben irgendwie unglücklich ist, ich habe alles was ich brauche, ein schönes Haus, gutes Essen, jemanden, der für mich putzt, einkauft und kocht, der meinen Garten versorgt und mir den Sonnenschirm aufstellt, jemand, der mich fährt und ab und an kommen meine Kinder und werden genauso versorgt, wie ich. Ich habe Freunde, mit denen ich plaudere und Kaffee trinke, ab und an ausgehe und trotzdem, es fehlt mir etwas, ich weiß nicht was es ist.“ Und sie erzählte noch eine Menge, jammerte und klagte, alles sei so schwer und sie habe es eigentlich so schön, aber irgendwie, nein, sie wisse nicht was........ das ging eine lange Zeit.

Die Waldfrau hörte zu und schwieg. Nach eine langen Zeit des Überlegens sagte sie, „nun, das ist einfach, Ihnen fehlt das leben..........“ „Oh nein,“ widersprach die Frau aus der Stadt, „mein Leben habe ich, ich bin gesund und es geht mir gut.“ Da lachte die Waldfrau und sagte, „nein, nicht das Leben fehlt ihnen, sondern das gelebt haben........“

Die Frau aus der Stadt sah die Waldfrau an und schüttelte den Kopf und dachte bei sich „für solche Worte habe ich diese Mühen auf mich genommen und nun verstehe ich nicht mal, was diese Frau sagt...............

Mittlerweile war es spät geworden und die Waldfrau sagte freundlich, „kommen Sie, sie können bei mir übernachten, der Weg zurück ist für heute zu weit. Ich biete ihnen ein Nachtlager und etwas gutes zu Essen und morgen können sie sich erholt auf den Heimweg machen.“ Die Stadtfrau schaute erschrocken hoch, das stimmt und nun sollte sie in diesem Häuschen, in ihrem Alter, oh je.......... aber sie hatte keine andere Wahl.

Und wie staunte sie, als sie in das vermeintlich einfache Häuschen trat. Eine wunderschöne helle und lichte Küche blitzte sie an, mit einer gemütlichen Sitzecke und vielen Blumen in den Fenstern, es standen Kerzen herum und viele Ziergegenstände lagen in einer Vitrine an der Wand. Die Stadtfrau besah sich einen roten, unförmigen Kopf mit vielen blauen Punkten, es irritierte sie etwas, diese Farben.... „ja“ sagte die Waldfrau, „das sind Dinge, die mir die Kinder schenken und auch Dinge aus meinem Leben. Das dort ist ein Blauschnauzenerdbeerhund, den hat mir meine älteste Tochter einmal zum Muttertag geschenkt, als sie sieben war, sie hat ihn ganz allein gemacht...........“ Die Stadtfrau sah sie an und wurde neugierig, sie setzte sich auf das schöne Sofa und sah zu, wie die Waldfrau schnell ein einfaches Reisgericht zubereitete und nebenbei den Tisch deckte, mit Tischtuch und einem schönen Geschirr und feinem Besteck. Die Stadtfrau wunderte sich immer mehr. Und das Essen schmeckte ihr so gut, wie lang nichts mehr und sie brachte es über sich, das auch zu sagen..... Die Waldfrau bedankte sich und kochte dann noch eine Kanne Tee.

„Lassen sie uns ins Wohnzimmer gehen“, sagte sie und bat sie einen Raum weiter. Wie staunte die Waldfrau als sie diesen Raum betrat. Zwei Wände voller Bücher sahen sie an und sie erkannte auf einen schnellen Blick, das es Bücher waren, die sie selbst nicht lesen mochte, weil ihr die Themen zu trocken waren. Sie sah sich um, schön Möbel zierten den Raum und sehr geschmackvolle Gegenstände standen schön arrangiert herum. Sie betrachtete sie und die Waldfrau sagte, „oh, das sind alles Erinnerungen aus meinem Leben....... ab und an tausche ich sie aus, um all denen, die sie mir schenkten und weit von her an mich dachten Ehre anzutun.“ Die Stadtfrau dachte über diese Worte nach, Ehre antun, Geschenken von Freunden, nicht nur nehmen, sondern ehren? Hatte sie das je getan und wenn, wieso eigentlich nicht......... sie begann zu grübeln.

Dort saßen nun die beiden unterschiedlichen Frauen und betrachteten sich, „wie schade,“ dachte die Waldfrau, „sie hat alles in ihrem Leben gehabt, was andere sich wünschen und sie hat nie gelebt.......“ „erstaunlich“ dachte die Stadtfrau, „es ist hier gepflegt und niveauvoll und dabei ist sie so einfach.........“ Irgendwann wies sie auf die Bücher und fragte „haben sie die alle gelesen?“ „Oh ja, jedes einzelne, manche sogar mehr wie einmal und ich liebe all meine Bücher sehr. In ihnen steht das Wissen dieser Welt und so bleibt es denen, die nach uns kommen erhalten.“ Wieder wunderte sich die Stadtfrau über diese Worte, sie hatte Bücher bisher nur zum Vergnügen gelesen und nicht besonders geschätzt.

Nach einer Weile zeigte die Waldfrau ihr ein kleines, liebevoll eingerichtetes Zimmer, legte ihr ein Nachthemd heraus und gab ihr alles, was sie brauchte, dann wünschte sie ihr eine Gute Nacht und lies sie allein. Die Stadtfrau besah sich das Zimmer, an den Wänden hingen Bilder, die so fein gestickt waren, das es auf den ersten Blick wie gemalt aussah, kostbare Bilder, wie kamen sie hierher? Auch die Gegenstände hier im Raum, alles von Rang und Namen, wer war diese Waldfrau? Keinesfalls konnte sie so arm sein, wie es schien und keinesfalls so einfach....

Lange lag sie wach und dachte darüber nach, das die Waldfrau gesagt hatte, sie habe nie gelebt............... und über diesen Gedanken schlief sie ein. Am Morgen weckte sie der Duft von frischem Brot und Kaffee, sie machte sich fertig und ging langsam die Treppe hinab.
„Guten Morgen, ich hoffe, sie haben schön geschlafen“ wurde sie begrüßt und „bitte kommen sie doch, das Frühstück ist schon fertig.“ Sie sah einen liebvoll gedeckten Tisch mit allerlei Köstlichkeiten. Die Waldfrau bat sie Platz zu nehmen und bot ihr an, warme Brötchen und allerlei Marmeladen, selbst gekocht, wie sie sagte, aus dem, was die Natur mir schenkt und ihr was so, als wenn sie selten etwas so Köstliches gegessen hatte.

Nach dem Frühstück ging sie nach draußen und setzte sich in die Sonne, nach einer Weile kam die Waldfrau dazu. Sie lächelte und fragte, „nun worüber denken sie nach?“ „wie sie das meinten, gestern, mit dem nicht leben.......“

„Oh,“ sagte die Waldfrau leise, „aber das ist ganz einfach. So wie ihr Leben war, so haben es immer andere für sie gelebt und entschieden und geplant, oder? Haben sie einmal selbst Früchte angebaut und gepflegt, gegossen und die Käfer von den Blättern entfernt, geerntet und verarbeitet und dem Herrn gedankt, für seine Gaben? Haben sie einmal Mehl genommen und geknetet, ein Brot geformt und gebacken? Haben sie einmal Stoff genommen und verarbeitet, zu etwas, das sie ehrten und nutzen? Haben sie einmal ihre Dinge, die sie daheim haben, selbst abgestaubt und in die Hand genommen und dabei an die gedacht, die sie ihnen schenkten und sie geschätzt und geehrt? Haben sie einmal einen kleinen Hund genommen und aufgezogen und ihm die Familie ersetzt? Oder ihre Kinder, haben sie ihnen die Hände gewaschen und die Tränen getrocknet, wenn sie weinten? Haben sie ihre Beruf, den sie erlernten ausgeübt und ihr Wissen, das sie von andern erhalten haben, weitergegeben? Haben sie einmal ihrem Mann zu Seite gestanden und ihm einen Teil seiner täglichen Last abgenommen?“

Die Stadtfrau sah sie an und sagte leicht verdrossen „Nein, das waren auch nicht meine Aufgaben!“ „nun“ antwortete die Waldfrau, „das verstehe ich durchaus, aber wie können sie dann die Dinge schätzen, die ihnen gehören, wenn sie sie nicht durch die Mühsal und die Last des Erwerbes und des Erhaltes bekommen haben? Nein, sie wissen nicht um das langsame Wachsens des Apfel am Ast, hindurch durch Regen, Wind und Sonne, gewärmt und geliebt, bis hin zum Zeitpunkt der Ernte, wo er golden leuchtend beinah von allein in ihre Hand fällt, um sich ihnen zu schenken, eine Leben nur für einen Moment des Genusses. Und ein jeder Apfel tut es gern, denn das ist seine Bestimmung und nur wenn sie den Baum gut pflegen und ihn lieben, werden sie schöne klare und leuchtende Äpfel bekommen.“

„Aber, Äpfel wachsen einfach so,“ sagte die Stadtfrau „und alles andere habe ich immer so bekommen und gemacht bekommen, wie ich es wollte.“ „Ja“, sagte die Waldfrau „Äpfel wachsen einfach so......... aber die schönen Dinge des Lebens nicht, denn sie wollen geehrt werden und geschätzt und in Liebe und Ehrfurcht erworben werden. Kein Apfel wird ihnen besser schmecken, als der, den sie schon als Blüte am Baum bewundert haben und den sie als Äpfelchen grün und hart durch ein Jahr begleitet haben und der am Ende in Ruhe reift um dann golden und süß in ihre Hand zu fallen.......“

„Sie reden gar nicht von den Äpfeln“ erkannte die Stadtfrau und dann schwieg sie still, denn plötzlich taten sich Gedanken auf und sie erkannte Dinge in Leben und die sie nie erkannt hatte, unzählige Situationen brachen hervor und sie verstand, was die Waldfrau ihr sagen wollte. Sie versank tief in Gedanken und merkte nicht, das die Waldfrau sie allein ließ um ihrem Tagesgeschäft nach zu gehen.

Plötzlich hörte sie Kinderstimmen und merkte, das es schon spät war, beinahe Mittag. Um die Ecke kam ein kleines Mädchen und sagte „ich soll sie zum Mittagessen holen, bitte folgen sie mir“ und schwups war die Kleine wieder davon......... Erstaunt folgte sie dem Kind um die Ecke und unter einem schönen alten Nussbaum erwartete sie ein einfaches Mahl, das ihr aber gut mundete. Zum ersten Mal in ihrem Leben verspürte sie nicht den Wunsch, sich zu beklagen, das war ein ganz neues Gefühl für sie. Sie saß in Gedanken versunken und um sie herum tobten die Kinder, lachten und machten ihre Späße. Die Waldfrau sah ihrem Treiben zu und lächelte sanft. „Was sind das für Kinder“ fragte sie nach einer Weile? „Oh sie kommen aus dem Ort, es sind Ferien und sie sind oftmals bei mir und ich kümmere mich um sie, weil ihre Eltern arbeiten gehen.“ „Kinder anderer Leute?“ fragte sie erstaunt „Kinder, einfach Kinder, sie brauchen jemanden, der sie liebt und der ihnen den Weg ins Leben weist“ antwortete die Waldfrau, „welcher Leute ist doch vollkommen egal“

Die Stadtfrau sah sie an und schluckte, „es sind Kinder“ fuhr die Waldfrau fort, „Kinder, die Zukunft unseres Lebens, sie werden es sein, die den Weg weitergehen, wenn wir lang nicht mehr hier sind, sie werden es eines Tages sein, die über unsere Welt entscheiden, sie werden das tun und leben, was wir ihnen beibringen, vorleben und was wir ihnen geben. Sie werden Liebe geben, wenn sie sie erfahren haben und sie werden Mitgefühl zeigen, wenn sie es erlebt haben und sie werden hilfsbereit sein, wenn ihnen geholfen worden ist. Sie sind die Zukunft dieser Welt und weitaus wichtiger und wertvoller, als jeder Besitz.........“

„Das habe ich nie so gesehen“ sagte die Frau aus der Stadt, „ich empfand die Kinder immer ein wenig, als, na ja lästig, mit all ihren Fragen und ihrem Benehmen und ihrem Tun.“ „Ja,“ seufzte die Waldfrau, „das tun viele und dabei haben es die Kinder so schwer, sie lernen in allem was sie tun für ihr Leben, egal ob sie sich streiten oder versöhnen, so wie sie es lernen, werden sie es weitergeben und so wie jeder mit seinen Kindern umgeht, so wird auch eines Tages mit ihm umgegangen, denn die Kinder sind das Spiegelbild unserer Gesellschaft. So wie es unseren Kindern geht, so geht es dem Land.“

Sie schwiegen und die Stadtfrau dachte wohl, das die Waldfrau Recht hatte, hier, wie in den anderen Dingen auch und sie überlegte lange und sann über ihr Leben nach. Nach einer Weile fragte sie dann doch „und wie war ihr Leben, früher, bevor sie hierher gekommen sind?“

„Oh,“ sagte die Waldfrau, „mein Leben? Das war nichts besonderes, so, wie viele Leben sind und sein werden.“ Und sie lächelte, „aber, ich würde doch gern alles wieder so erleben, wie es war, jeden Schmerz und jede Träne und jedes Lachen und liebe Wort und jede Liebe...........“ sie seufzte. „Nein“ sagte sie „ich war nicht immer allein, ich habe Kinder, die in der Welt verstreut sind und die mir regelmäßig von weit her schreiben und ich habe Enkel, die ich ab und an sehe, ein Familie, die mich liebt und alle Drei meiner Kinder möchten gern, das ich zu ihnen ziehe und bei ihnen lebe, aber ich denke, ich lebe lieber hier für mich, denn Jung und Alt gehören nicht zusammen unter ein Dach. Ich schätze meine Freiheit zu sehr.“

„Und der Vater ihrer Kinder?“ „Ach der Vater meiner Kinder; er schreibt auch ab und an, nach so vielen Jahren noch, das er mich vermisst und das es schön wäre, wenn damals alles anders gekommen wäre, wenn er mich nicht verlassen hätte und mich nicht so tief verletzte hätte, wir leben schon viele viele Jahre getrennt, mehr, als wir zusammen lebten. Aber er sehnt sich immer noch nach mir.“ „Haben sie ihn denn nicht vermisst?“ fragte die Frau aus der Stadt. „Nicht sehr,“ erwiderte die Waldfrau, „es gibt Dinge, die darf man sich nicht gefallen lassen, wenn einer vor der Frage steht, brechen oder gehen, dann muss die Entscheidung einfach „Gehen“ sein. Aber das ist eine lange Geschichte.“ „und dann, waren sie immer allein?“ „oh nein, es gab viele Männer, die mich wollten, auch mit den Kindern, aber es gab nur einen, den ich wollte. Ich traf ihn bald nach meiner Trennung und noch bevor ich überhaupt wusste, wie mir geschah, liebte ich ihn....... tiefer und tiefer, als er es jemals ahnte.“ „Nun, aber das ist doch nicht so schlimm,“ meinte die Stadtfrau. „Nein, es war eine wundervolle Zeit, wir verbrachten einige Tage wie im Traum und ich liebte wieder, nach so langer Zeit, mit der ganzen Kraft meines Herzens und dann wurde ich schwanger....... Ich fuhr zu ihm, um ihm davon zu erzählen, aber als ich plötzlich vor ihm stand, unangemeldet, da erschrak er sehr und alles war sehr merkwürdig. Da merkte ich, das er mich zwar liebte, aber nicht so sehr, wie ich ihn und das er sich nicht trauen würde, zu mir zu stehen, so wie ich zu ihm und das konnte ich verstehen und deshalb umarmte ich ihn, liebte ihn eine letzte Nacht und ging am anderen Morgen noch fort, als er schlief......... er hat nie mehr nach mir gefragt.“

„Aber das Kind?“ „ich habe es verloren, leider, ich habe mich so sehr auf es gefreut, aber es war mir nicht vergönnt.“ Die Stadtfrau sah sie an und sagte „und sie haben nie mehr von ihm gehört?“ „Nein, doch, ich weiß das er noch lebt, irgendwo in einer großen Stadt, es hat Frauen gegeben in seinem Leben, eine länger eine kürzer, wie es ihm heute geht, das weiß ich nicht.“ „Und danach gab es keinen anderen mehr für sie?“ wunderte sich die Stadtfrau. „Nein, nie mehr, denn ich liebe ihn immer noch, mein Herz ist nie mehr frei geworden. Aber ich weiß, er wäre mit mir nicht so glücklich geworden, wie er es verdient hatte. Die Zeiten waren zu schwierig.“

„Aber sie müssen der unglücklichste Mensch unter der Sonne sein“ rief die Stadtfrau erschüttert, „warum weinen und klagen sie denn nicht, sie habe ja so viel Leid erfahren, wie können sie da lachen?“ Die Waldfrau sah sie an „das Leben ist unendlich schön“ sagte sei, ich habe alles was ich brauche, ich werde geachtet und geschätzt und ich habe geliebt, wahrhaftig geliebt, das ist das größte Glück, besser einmal geliebt zu haben, unendlich geliebt zu haben und dann durch die Liebe gebrochen zu werden, als niemals geliebt zu haben, denn das ist die wahre Armut,“ sagte sie.

„Armut?“ „Oh ja, nie geliebt zu haben macht einen wahrhaftig arm und keine Träume mehr zu haben, das bedeutet das Ende des Lebens.“ „Sie haben noch Träume“ die Stadtfrau war bald mehr als erschüttert. „Vergiss nie die Tränen Deiner Kindheit und nie die Träume aus jener Zeit, denn dies sind die Wünsche Deiner Seele, und denke daran, wenn Deine Seele weint, kann nichts und niemand sie trösten......... wer nicht mehr träumt, der steht am Ende seines Lebens.“ Antwortete ihr die Waldfrau „sicher habe ich noch Träume, ich möchte in Frieden sterben und all meine Kinder noch einmal sehen, meine Enkel und vielleicht auch den Mann, dem mein Herz gehört, noch nach so vielen Jahren....“ sie seufzte und ging davon.

Die Stadtfrau saß noch lange auf der Bank und bewegte diese Worte alle in ihrem Herzen,
in ihr arbeitete es und es bewegte sich etwas und sie erkannte, wie fehl ihr Leben bis zum heutigen Tag war, sie hatte nie etwas geschafft, nie etwas bewegt, sie hatte nicht gelebt, ja, sie hatte es nicht, das Leben...........leben gelebt. Und dann weinte sie, viele traurige, bittere Tränen, unendliche Tränen. Eine lange Zeit und plötzlich spürte sie eine kleine weiche Kinderhand, die ihr tröstend über den Kopf strich und eine helle Stimme sagte, „so weine, wenn Du traurig bist, das tut Deinem Herzen gut und heilt viele Wunden, und nachher, geht es Dir wieder besser und Du wirst wieder lachen und fröhlich sein.“ Und das kleine Mädchen setzte sich zu ihr auf die Bank und sagte weiter „ich bleibe bei Dir, denn jemand der weint, der sollte nicht allein sein.“ Und sie lehnte sich an sie und sprach kein einziges Wort mehr.

Spät am Abend kam die Waldfrau zurück und holte die Stadtfrau zum Essen und lud sie auf eine weitere Nacht ein. Diese war ganz in Gedanken, dankte nur und sprach sehr wenig, die Waldfrau respektierte die Gedanken ihres Gastes, brachte ihr noch einen Schlummertrunk ans Bett und sagte dann „Und wenn Du jetzt zurück schaust auf das was Du erlebt hast, so ist alles was hinter Dir liegt Vergangenheit........Deine Vergangenheit, die Dich lehren sollte, Deine Zukunft zu achten und zu lieben, weil Du um den Schmerz und die Tränen weißt und um die Hoffnung und die Liebe...... und es ist niemals zu spät für einen Neubeginn.“ Damit ging sie und begab sich zur Ruhe.

Eine Weile dachte sie noch an ihre verlorene Liebe, die sie so tief in sich trug, sah noch das Lachen seiner Augen, spürte die letzte Umarmung, die Nähe ihrer letzten Nacht und sah noch sein Gesicht, schlafend in den zerwühlten Kissen, als sie ging. Und sie wusste so war es gut.

Am nächsten Morgen bedankte sich die Frau aus der Stadt sehr und machte sich auf den langen Weg nach Hause. Sie ging langsam in Gedanken und als sie heim kam, das war sie erstaunt darüber, das der Weg so kurz gewesen war und sie murrte nicht über Steine und über Staub und über Schuhe, sie lachte und freute sich über die Sonnenblumen an ihrer Hauswand. „haben sie denn schon immer dort gestanden“ fragte sie sich. Freudig begrüßte sie ihre Hauswirtschafterin und fragte, wie es ihr denn gehen würde. Die Frau sah sie erschrocken an, noch nie war ihr eine persönliche Frage gestellt worden und sie überlegte kurz. „Oh,“ fragte die Stadtfrau gleich weiter „haben sie Sorgen? Erzählen sie doch.“

Und so änderte sie ihr Leben und begann aus dem Haus zu gehen und aufzuhören sich zu beklagen und sie tat viel Gutes und half wo immer sie konnte. Sie kümmerte sich um die Kinder in der Straße und buk zum ersten Mal in ihrem Leben mit ihnen zusammen Kekse und nie, hatte ihr etwas besser geschmeckt als diese und sie wusste, die Waldfrau, sie hatte so recht gehabt. Und die Liebe der Kinder, die weichte ihr Herz auf und machte sie Reich. Reich im Herzen und glücklich, nach so vielen Jahren endlich glücklich.

Einmal im Jahr besuchte sie die Waldfrau und blieb eine Nacht bei ihr. Ihre Worte bewegte sie tief in ihrem Herzen und auch den gestickten Spruch über ihrem Bett im Gästezimmer, den vergaß sie nie mehr:

„Aber wisse, am Ende der Zeit warte ich auf Dich und ich werde richten über Dich und Dich nicht fragen, wer oder was bist Du, sondern ich werde in die Herzen Deiner Mitmenschen schauen und dort werde ich lesen, wer oder was Du bist, dort sehe ich all ihre Tränen und all ihr Lachen, das sie durch Dich erhalten haben und dann......... mach ich mir ein Bild von Dir.“

In ihrer ersten Nacht hatte sie ihn nicht verstanden, aber jetzt bewegte er täglich ihr Herz und als sie eines Tages starb, da weinten doch viele um sie, auch ihre Kinder, denn auch ihren Kindern war sie im Alter noch eine wirkliche Mutter geworden. Und sie wusste sehr wohl, das sie ihr spätes Glück nur der Waldfrau verdankte und sich selbst, denn die Fähigkeit, sich zu ändern, die trägt ein jeder allein mit sich. Sie macht wahre Größe aus und wahren Mut, denn das trauen sich nicht viele.

Ja und die Waldfrau? Sie lebte noch viele Jahre ihr liebevolles Leben und eines Tages, da klopfte ein Mann an ihre Tür. Älter als sie und er sagte kein einziges Wort, sah ihr nur in die Augen und fand nichts, außer sich selbst. „Wie viele Jahre, meine Liebste........“ murmelte er und hielt sie ganz fest. „So viele Jahre, wie Du brauchtest, ich habe immer auf Dich gewartet,“ sagte sie leise. „Ich liebe Dich so sehr“ sagte er. „Ja“ sagte sie, „ich weiß und ich habe niemals jemand anderen geliebt als Dich. Ich liebe Dich so sehr....“ und dann gingen sie leise hinaus in den Garten und sprachen, von Sehnsucht und Liebe, vom Leben und von Wünschen und Träumen und als sie des Nachts dicht beieinander lagen, ein jeder still mit seinem späten Glück und ein jeder erfüllt von der einzigen wahren Liebe, da erfüllte das Schicksal beiden ihren Wunsch, nach einem würdigen Ende und holte sie zu sich, in Frieden und in dem Wissen, das am Ende alles Gut wird..........

Saja

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Vom Adler, der nicht fliegen wollte.........."

Ein Mann ging in den Wald, um einen Vogel zu fangen, den er mit nach Hause nehmen konnte. Er fing einen jungen Adler, brachte ihn heim und steckte ihn in den Hühnerhof zu den Hennen, Enten und Truthühnern und er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er ein Adler war, der König der Vögel.
Nach fünf Jahren erhielt er den Besuch eine naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte dieser „der Vogel dort ist kein Huhn. Er ist ein Adler!“ „ja“ sagte der Mann, „das stimmt, aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel 3 Meter breit sind.“ „nein“ sagte der Andere: „er ist immer noch ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch auffliegen lassen in die Lüfte.“ „nein, nein“ sagte der Mann, „er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals fliegen“.
Daraufhin beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: “Der Du ein Adler bist, der Du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde: breite Deine Schwingen aus und fliege.“

Der Adler saß auf der hochgereckten Faust und blickte um sich.

Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter. Der Mann sagte: „ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn!“ „nein“ sagte der andere, „ er ist ein Adler, ich versuche es morgen noch einmal!“

Am anderen Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: „Adler, der Du ein Adler bist, breite Deine Schwingen aus und fliege!“ Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hof erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinunter und scharrte mit ihnen. Da sagte der Mann wieder: „ich habe Dir gesagt, er ist ein Huhn!“ „nein“ sagte der andere, „er ist ein Adler und er hat immer noch das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein einziges Mal versuchen; Morgen werde ich ihn fliegen lassen!“

Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg, von den Häusern, an den Fuß eines hohen Berges. Die Sonne stieg gerade auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinner erstrahlte in der Freude eines wundervollen Morgens.
Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: „Adler, Du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde. Breite Deine Schwingen aus und fliege.“

Der Adler blickte umher, zitterte, als erfülle ihn neues Leben – aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen und plötzlich breitete er seine gewaltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.

- Ende –

*********************************************************

Diese Geschichte hat James Aggrey aus Ghana geschrieben. Sie endet eigentlich mit den Sätzen: „Völker Afrikas“ Wir sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, aber Menschen haben uns beigebracht, wie Hühner zu denken und noch denken wir, wir seien wirklich Hühner. Aber wir sind Adler. Darum breitet Eure Schwingen aus und fliegt! Und seid niemals zufrieden mit den hingeworfenen Körnern.“
Als er diese Geschichte schrieb, waren noch alle afrikanischen Länder unter europäischer Herrschaft. Und viele dieser Europäer hielten die Schwarzen für minderwertig und dumm und sagten dies auch offen.
Viele Afrikaner glaubten das auch, weil sie nicht so mächtig waren und eine andere Hautfarbe hatten. Eigentlich hatten sie keinen Grund, sich minderwertig zu fühlen, denn sie hatten eine wunderbare eigene Kultur, eine großartige Geschichte und viele Kunstwerke in allen Teilen des Kontinents.

Aber das geriet in der Zeit der Herrschaft des weißen Mannes in Vergessenheit.

Solchen vergesslichen Afrikanern hat James Aggrey diese Geschichte erzählt. Damit sie sich an das wirkliche Afrika erinnern und wieder an die Zukunft glauben.
Aber die Geschichte gilt auch für andere Völker und für alle Menschen, die in der Gefahr sind, zu vergessen, das sie nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurden, das sie Adler sind und keine Hühner.
James Aggrey ist 1927 gestorben.

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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:49 
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Wir verlieren nie unseren Wert

Ein Erfolgstrainer begann sein Seminar damit, dass er einen 50 EURO-Schein hochhielt und die Teilnehmer fragte: "Wer möchte die 50 EURO haben?". Fast alle Teilnehmer hoben die Hand.
Er knüllte den Schein zu einer Kugel zusammen und fragte wieder: "Wer möchte immer noch die 50 EURO?" Und wieder meldeten sich fast alle.
Nun ließ er den zusammengeknüllten Schein auf den Boden fallen und trat mit den Füßen ein paar Mal auf ihn. Er hob den schmutzigen und völlig zerknitterten Schein auf und fragte: "Und wer will jetzt immer noch die 50 EURO?" Und wieder meldeten sich fast alle Teilnehmer. Schließlich hatte der Schein ja seinen Wert behalten, auch wenn er vielleicht etwas unansehnlich geworden war.

Manchmal geht es uns wie diesem 50 EURO-Schein. Wir werden fallengelassen, man will uns herabsetzen oder erniedrigen oder durch den Schmutz ziehen. Und manchmal machen wir Fehler, die uns zusetzen oder es sind Umstände, die uns zusetzen und die wir nicht verhindern konnten.
Was auch immer jedoch geschieht, wir verlieren nie unseren Wert als Mensch. So lange wir uns selbst nicht fallen lassen, indem wir an unserem Wert zweifeln, solange kann nichts und niemand uns etwas anhaben.

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Ein Zaun gibt eine Lektion in Sachen Wut


Es war einmal ein kleiner Junge, der schnell ausrastete und ärgerlich wurde. Sein Vater gab ihm einen Hammer und eine große Tüte voller Nägel. Jedes Mal, wenn er ausrastete, sollte er lieber einen Nagel in den Zaun hinter dem Haus schlagen, als seine Wut an anderen auszulassen.

Am ersten Tag schlug der Junge 30 Nägel in den Zaun. Die Tage vergingen und mit ihnen nahm auch die Zahl der Nägel ab, die der Junge in den Zaun schlagen musste. Er fand heraus, dass es einfacher war, nicht auszurasten, als Nägel in den Zaun zu schlagen.

Schließlich kam der Tag, an dem der Junge überhaupt nicht mehr ausrastete. Er sagte dies seinem Vater und der riet ihm nun, für jeden Tag, an dem er nicht mehr ausrastete, einen Nagel wieder herauszuziehen. Wieder vergingen etliche Tage und schließlich konnte der Junge seinem Vater berichten, dass er alle Nägel herausgezogen hatte.

Der Vater nahm seinen Jungen bei der Hand und ging mit ihm zum Zaun.
Er sagte: "Das hast du gut gemacht, mein Sohn. Ich bin sehr stolz auf dich. Aber schau dir all die Löcher im Zaun an. Der Zaun ist nicht mehr der, der er einmal war. Denke daran, wenn du das nächste Mal etwas im Ärger zu anderen sagen willst. Deine Worte könnten eine Narbe hinterlassen so wie die Nägel ihre Spuren im Zaun hinterlassen haben. Auch wenn du sagst, dass es dir Leid tut, die Wunde ist dennoch da".

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Die Geschichte vom Goldstück"

Ein Mann lebte seit vielen Jahren sein Leben und war nicht wirklich glücklich, aber doch in sich halbwegs zufrieden. Er hatte viel erreicht, Freunde, ein schönes Daheim und ein normales Leben, einzig, die wahre Liebe war ihm noch nicht begegnet. Seine Ansprüche waren hoch und seine Ziele an eine Partnerschaft auch. Und so lebte er vor sich hin, machte ab und an Anstalten, sich zu verlieben, aber er ließ sich, unbewusst, nicht auf die richtigen Frauen ein.

Und so kam es, das sich das Schicksal überlegte, ihm plötzlich und unerwartet, ein Goldstück in den Weg zu legen und ihm zu schenken.

Da hielt er inne und betrachtete es, es lag vor ihm und strahlte so hell und leuchtend und klar, das ihm ganz anders ums Herz wurde, ungeahnte Gefühle brachen hervor und er konnte nicht klar fassen, was alles auf ihn einströmte. Das Goldstück aber lag einfach vor ihm, er nahm es in die Hand und es überkamen ihn Gedanken von Liebe und grenzenlosem Glück.
Das machte ihm aber auch Angst, denn er spürte Veränderungen auf sich zu kommen, die so groß waren, das er sie nicht überblicken konnte, er spürte auch Zweifel, ob es nicht besser sei in Ruhe weiterzuleben, als sich auf all das, was dort so verheißungsvoll leuchtet einzulassen.
Er legte es wieder hin, aber er konnte seinen Blick nicht davon losreißen, zuviel versprach das flimmern und glänzen, vom Glück.

Nur, es sprach auch von Veränderungen, von Hingabe und Aufgabe, in einer Form, über die er noch nie nachgedacht hatte, auf eine Art und Weise, die ihn einfach überwältigte.

Er zweifelte, und dachte bei sich, er wolle sich das ganze überlegen, so ging er eine Weile fort, um in sich zu gehen. Und das Schicksal wollte ihn prüfen und legte ihm eine weitere Münze auf seinen Weg, diese war aus Messing und auch sie leuchtete hell und klar in der Sonne, er empfand auch diese als Geschenk.

Sie gefiel ihm, denn die Gefühle, die sie auslöste waren ihm bekannt und in dem Rahmen wie er sie gewohnt war. Er spürte sehr viel Liebe und Vertrauen, aber nicht den großen Weg des Risikos auf sich zukommen. Und so dachte er bei sich, ich möchte diese Münze erst einmal annehmen und prüfen, das Goldstück ist weit fort und in ein paar Wochen, werde ich sehen, wie ich mich entscheide.

Sein Verstand aber gewann langsam wieder die Oberhand und flüsterte ihm ein, nicht nach den Sternen zu greifen, wo doch die wunderbare Messingmünze ebenso golden und verführerisch glänzte und ihm alles gab, was er begehrte....... und er ließ sich darauf ein und vergaß das Goldstück.

Einige Zeit verging, das Goldstück wartete unbeachtet dort, wo er es abgelegt hatte, staubte ein wenig ein und das Messingstück tat das, was alle Messingstücke tun, der Glanz ging ab und das Leuchten hörte auf........ langsam aber stetig und eine Morgens wachte er auf und merkte, das sein Messingstück genauso war, wie all die anderen vor ihm......vorbei der Rausch der Gefühle und vorbei die Innigkeit, die er erträumte........ und die Differenzen wurden größer und seine Sehnsucht wuchs und seine Träume begannen wieder hervor zu brechen und dann nahm ihm das Schicksal sein Messingstück wieder fort, weil es ihn ja nur prüfen wollte.

Da stand er dann einsam und überlegte hin und her und er erinnerte sich, an das vergessene Goldstück und an die Gefühle und Träume und nun wusste er sicher, das er einen „großen Fehler“ gemacht hatte und er trauerte und suchte Rat bei einem weisen Mann.

Dieser hörte sich seine Geschichte an und sagte zu ihm, „ja, so ist das Leben, wenn Dir der wahre Schatz begegnet, dann bringt er große Veränderungen mit sich und erfordert manchmal weitaus mehr Mut, als Du Dir zutraust. Jeder, der dieses spürt, beginnt nachzudenken und es ist viel leichter, sich mit weniger zu begnügen, als alles zu nehmen, denn der Preis dafür, den kann man oft vorher nicht ermessen. Und Du hast gelernt, es ist nicht alles Gold was glänzt....
Nur, wenn Du Dein Gold hast, und es ist für Dich bestimmt, dann kannst Du damit tun, was immer Du willst....... es brennen, schwärzen, in den Staub treten, egal, lege es hundert Jahre in einen Herd oder auf die Tiefe des Ozeans, immer wenn Du es hervor holst, wird es glänzen, denn Gold bleibt Gold, durch alle Zeit hindurch.“

Er saß zu Füßen des Weisen und hörte seine Worte, lang dachte er nach und fragte „ja, Meister, ich habe dich verstanden, aber was, kann ich jetzt tun?“ „Nun“ sagte der Weise, „noch hast Du es ja nicht genommen und fortgeworfen, Du hast es nur einmal gehalten, wie willst Du wissen, ob es noch da ist, wenn Du nicht nachschaust? Wenn es Deines ist, wird es auf Dich warten.........“ Er zögerte „aber, ich habe Unrecht getan....“ „Nein, Du hattest Angst, die Angst desjenigen, der weiß, das sich sein ganzes Leben für immer ändert, wenn er nach den Sternen greift........... und er nicht glauben mag, das man sich mit diesem „Stern“ nicht die Finger verbrennt, sondern mit ihm ein unendliches Glück und die allertiefste Liebe und Erfüllung findet.“ Er zögerte immer noch „Höre,“ sagte der Weise “geh jetzt, willst Du lieber hier sitzen und davon träumen, was sein könnte, weil Du nicht wagst der Wahrheit ins Gesicht zu sehen? Oder willst Du lieber schauen, ob Dein Goldstück noch wartet? Es wird da sein und Dich verstehen, wenn nicht, war es auch nur Messing.........entscheide Dich, ob Du träumen willst oder leben. Geh nun und stiehl mir nicht meine Zeit.“ Er verbeugte sich tief vor dem Meister, dankte und ging.

Je näher er dem Ort kam, an dem er das Goldstück hatte liegen lassen, desto größer wurde seine Angst, aber siehe, er wurde erwartet und alles was er hörte, war.........“ich freue mich so sehr, das Du den Mut hast zu mir zu kommen, nun weiß ich, alles wird gut“ Und er sah in ihre Augen und sah das Spiegelbild seines Selbst und wusste, all sein Suchen und Sehnen würde für immer vorbei sein. Und er nahm sie in seine Arme und spürte ein so unendliches Glücksgefühl, das sie Beide umschlang und sich auf ihre Herzen legte, so dass sie noch im Alter von diesem Moment sprachen und sich erinnerten, was das Schicksal ihnen noch für Prüfungen in den Weg legte, um sie immer fester aneinander zu binden.

Nie mehr aber zweifelte er an ihr und niemals reuten ihn all die Veränderungen, die folgten, denn wem das Schicksal sein Goldstück schenkt, und wer dieses vorbehaltlos annehmen kann, der steht auch unter seinem Schutz und sollte wissen, egal was kommt, alles wird gut...........
Und kein Glück dieser Welt wird jemals größer sein.

Saja

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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:54 
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Vor einiger Zeit, hat ein Mann seine 5 Jahre alte Tochter für das
Vergeuden einer Rolle von kostspieligen Goldverpackungspapier
bestraft. Geld war knapp und er wurde wütend, als das Kind das ganze
Goldpapier verbraucht hat, um eine Schachtel zu verzieren, um sie unter den
Weihnachtsbaum zu legen.

Dennoch brachte das kleine Mädchen am folgenden Morgen die
Geschenksschachtel ihrem Vater und sagte: "Das ist für dich, Papa".
Der Vater war verlegen weil er am Vortag so überreagiert hatte. Er
öffnete die Geschenksschachtel und wurde wieder sehr zornig, als er sah,
dass diese leer war.

Wütend sagte er zu ihr: "Weißt du nicht, junge Dame, dass wenn man
jemand ein Geschenk gibt, auch etwas in der Verpackung sein soll"?
Das kleine Mädchen betrachtete ihn mit Tränen in den Augen und sagte:
"Papa, sie ist nicht leer, ich hab so viele Bussis hineingegeben, bis sie ganz
voll war".

Der Vater war ganz zerknirscht. Er fiel auf seine Knie und legte seine
Arme um sein kleines Mädchen, und bat sie, ihm seinen unnötigen Zorn zu
verzeihen.

Nur kurze Zeit später starb das kleine Mädchen bei einem Unfall.
Nach dem Tod seines kleinen Mädchens behielt der Vater sein ganzes Leben
lang die Goldschachtel neben seinem Bett. Immer wenn er durch schwierige
Probleme entmutigt wurde, öffnete er seine Goldschachtel und stellte sich
vor, einen Kuss von seinem kleinen Mädchen herauszunehmen und erinnerte
sich dabei an die Liebe des Kindes, die sie dort hineingegeben hatte.

Jeder von uns, hat so eine goldene Schachtel, die gefüllt ist mit
unbedingter Liebe und Küssen von unseren Kindern, von Familie und von
Freunden.

Das ist der kostbarste Besitz, den man haben kann.

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Menschen sind wie Musikinstrumente; ihre Resonanz hängt davon ab, wer sie berührt.
(C.C. Virgil)


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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:54 
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Das magische Bankkonto
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Stell' Dir vor, Du hast bei einem Wettbewerb den folgenden Preis
gewonnen: Jeden Morgen, stellt Dir die Bank 86.400 Euro auf Deinem
Bankkonto zur Verfuegung.

Doch dieses Spiel hat - genau wie jedes andere - auch
gewisse Regeln.


Die erste Regel lautet:

Alles was Du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wird
Dir wieder weggenommen, Du kannst das Geld nicht einfach auf ein anderes Konto
ueberweisen, Du kannst das Geld nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn Du erwachst, stellt Dir die Bank erneut 86.400 Euro fuer den kommenden Tag auf Deinem Konto zur Verfuegung.

Die zweite Regel ist:

Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden, zu jeder Zeit kann Sie sagen: Es ist vorbei das Spiel ist aus. Sie kann das Konto schliessen und Du bekommst kein neues mehr.

Was wuerdest Du tun?
Du wuerdest Dir alles kaufen, was Du moechtest?
Nicht nur fuer Dich selbst, auch fuer alle anderen Menschen, die Du liebst?
Vielleicht sogar fuer Menschen, die Du nicht einmal kennst, da
Du das nie alles fuer dich allein ausgeben koenntest? In jedem Fall
aber wuerdest Du versuchen, jeden Cent so auszugeben, dass Du ihn
bestmoeglichst nutzt, oder?

Weisst Du, eigentlich ist dieses Spiel die Realitaet.
Jeder von uns hat so eine "magische Bank". Wir sehen sie nur nicht,
denn die Bank ist die Zeit. Jeden Morgen wenn wir aufwachen, bekommen
wir 86.400 Sekunden Leben fuer den Tag geschenkt und wenn wir am Abend
einschlafen, wird uns die uebrige Zeit nicht gut geschrieben.
Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, fuer immer verloren.
Gestern ist vergangen. Jeden morgen beginnt sich das Konto neu zu
fuellen, aber die Bank kann das Konto jederzeit aufloesen, ohne
Vorwarnung.

Was machst Du also mit Deinen taeglichen 86.400 Sekunden?

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Das Rosenspiel (Süddeutsche Zeitung)



Im Computer ihres Mannes fand Susanne Kramer den Beweis: Er schlief mit einer anderen. Sie hätte töten können. Doch dann besann sie sich. Und begann mit beiden zu spielen.
von Susanne Kramer

Soll ich den Mann erschießen, mit dem ich im März noch silberne Hochzeit gefeiert habe? Oder lieber die Frau, die in unsere Ehe eingebrochen ist? Oder soll ich beide vergiften, so töten Frauen doch! Mein Mann hat eine Geliebte. Ich kann die Küsse zählen, die sie sich in ihren Mails zuwerfen. In den unzähligen Mails, die mein Mann, der fehlerfreie, der hochintelligente, in einem Ordner namens »dazu« gespeichert hat, zum Durchklicken und Lesen. Die Buchstaben ihrer Liebesschwüre tanzen vor meinen Augen über den Bildschirm. Seine »Baronin« nennt mein Mann die Geliebte oder »Darling«. Sie unterhalten sich über Golfabschläge, Saarländischen Rollbraten, die Arbeit und über Sex. So vertraut, dass es mir den Magen umdreht: »Viel knutscher, viel streichli, viel krauli« gehen von ihr an ihn. Ich kämpfe mich durch die Mails der letzten sieben Monate, fühle mich machtlos, schwach, aber auch zornig, und mit jeder Mail, die ich lese, wird meine Wut stärker. Es ist ein Freitag im November und seit heute weiß ich, dass mein Mann mich betrügt.

Ich laufe in unserer Wohnung auf und ab. Bleibe vor dem Spiegel stehen und sehe mich an. Natürlich: Ihre Figur ist straffer, sie hat nicht mit den Spuren dreier Schwangerschaften zu kämpfen. Ich habe sie kennen gelernt, im August hat mein Mann sie mir auf dem Golfplatz vorgestellt. In ihren engen Hosen stand sie vor uns, schon damals hatte ich das Gefühl, die Hormone der beiden riechen zu können. Wie er sie begrüßt hat, so verlegen und so charmant habe ich ihn seit Jahren nicht gesehen. Aber ich wollte es nicht wissen, nicht wahrhaben. Jetzt weiß ich, dass die beiden schon zu dieser Zeit etwas miteinander hatten. Es steht in den Mails, die ich lese. Als ich ein paar Tage zuvor in das Kellerbüro meines Mannes gekommen war, hatte er hektisch versucht, sein Mailprogramm zu schließen. Er hat etwas vor mir versteckt, ich habe es gesucht und gefunden. Kein Vertrauensbeweis, ich weiß. Aber das ist jetzt egal. Mein Mann betrügt mich. Keine meiner Freundinnen hätte ihm das zugetraut. Alle hielten ihn in dieser Beziehung für ein stilles Wasser, in dem jede Frau ungefährdet hätte nackt baden können. Nun zu ihr, seiner Geliebten. Ich nenne sie »Dazu«, wie den Ordner, in dem ich sie fand. Warum eigentlich »dazu«? Meinte er: dazu zu mir? Oder dazu zu anderen Affären? Jedenfalls ist Dazu verheiratet, lebt aber getrennt von ihrem Mann. Sie ist auf der Jagd. Okay, verstehe ich. Aber warum ausgerechnet er? Mein Mann hat in diesem Jahr die Fünfzig überschritten und er sieht nun wirklich nicht jünger aus. Seine Haare werden immer weniger und an manchen Stellen läuft er aus der Form. Sein Atem riecht übel, von den vielen Zigaretten. Dazu will, dass er aufhört zu rauchen, lese ich. Das wird er nicht, meine Liebe, das wird er nicht. Es gibt einige Dinge, die man an meinem Mann nicht mehr ändern wird. Vielleicht sollte ich ihn ihr lassen und froh sein, dass ich diesen Mann nicht mehr befriedigen muss.

Ich stehe vor den Fotos im Schlafzimmer: unser Familienglück, dokumentiert und gerahmt. Eine lange Zeit, mit Höhen und Tiefen: Wir haben gemeinsam zwei gesunde und ein behindertes Kind großgezogen. Aber nicht nur er hat unsere Ehe verlassen, sich von den Kindern entfernt, auch ich habe mich zurückgezogen in den letzten Monaten. Mein Mann lässt sich gehen, wenn er hier bei mir ist, schottet sich ab, rasiert und duscht sich nicht, wenn er nicht aus dem Haus muss, achtet nicht auf frische Wäsche, trägt kein Parfum. Er wirkt auf mich wie ein Penner. So habe ich ihn. Aber ich weiß auch: Zu ihr geht er als Schwan. Glatt rasiert und parfümiert, geschniegelt und gebürstet. Als Charmeur und gut gelaunt. Dieses Spiel ist nicht fair, ich wasche die Wäsche, in der er zu ihr fährt. Ich könnte die Fotos von der Wand schlagen und die Scherben unseres Glücks in seinem Kopfkissen verstecken. Ich könnte zur Anwältin gehen und ihn ruinieren. Ich könnte einen Rosenkrieg anfangen.

Aber ich will keinen Rosenkrieg, ein Rosenkrieg ist endgültig. Vielleicht können wir es noch einmal versuchen. Vielleicht nicht, ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Dazu bekommt ihn nicht. Nicht so, nicht kampflos. Ich heule nicht, ich schreie nicht. Ich bin nicht einmal verzweifelt. Ich bin fast ruhig. Nein, ich will keinen Rosenkrieg. Aber ich glaube, ich will ein Rosenspiel. Ja, ich werde mitspielen in dem Spiel, das ihr beide schon so lange spielt, schon seit sieben Monaten, wie ich jetzt weiß. Denn ich kenne eure Mails. Ich weiß, was ihr denkt und wann ihr euch trefft. Ihr lacht in euren Mails über meine Unwissenheit, darüber, wie ihr euch zusammennehmen musstet auf dem Golfplatz, damit ihr euch vor meinen Augen nicht küsst und nicht berührt und nicht unter Tannen übereinander herfallt. Ihr hattet kein Mitleid. Jetzt bin ich im Spiel und ihr wisst es nicht. Und ich habe auch kein Mitleid. Ich werde Dazu aus unserem Leben werfen, sie entfernen, und erst dann darüber nachdenken, ob ich meinen Mann überhaupt noch will.

Wahrscheinlich bin ich verrückt, ja, ich muss wohl verrückt sein, aber ich freue mich auf das Rosenspiel, weil allein ich die Kontrolle habe. Zuerst speichere ich alle Mails aus dem Ordner »dazu«, die mir wichtig scheinen, auf meinen Laptop. Die Beweise sind gesichert, das Spiel kann beginnen.

Mir ist klar, dass Dazu mehr ist als nur eine Affäre, das macht es schwieriger. Aus ihren Mails weiß ich: Sie will, dass er endlich mit mir spricht. Ich weiß, dass Dazu nicht die Geliebte bleiben will. Ich weiß, dass mein Mann eine Scheidung von mir in Erwägung zieht. Aber ich weiß auch, dass er in seinen Antwort-Mails herumlaviert und tausend Ausreden erfindet, warum er gerade nicht mit mir sprechen könnte: Ich hätte so viel mit der Steuer zu tun, er wolle zuerst mit seiner Mutter sprechen, die Kinder täten ihm Leid. Er belügt nicht nur mich. Das werde ich nützen.

Ich will Dazu treffen, ihr in die Augen schauen. Zum Golfspielen ist es zu kalt, wir haben Mitte November. Außerdem will ich in meinem Revier kämpfen, weil mir die vertraute Umgebung hilft. Also lasse ich eine Einladungsliste für meinen traditionellen Adventskaffee auf dem Küchentisch liegen. Darauf: »die nette Frau vom Golfplatz«. Am nächsten Tag kontrolliere ich seine E-Mails, und tatsächlich: Er hat es schon weitergegeben an sie. Dazu weiß, dass sie eingeladen ist. Und: Sie hat die Dreistigkeit, ihm zu sagen, dass sie kommt: »Ich bin ja neugierig, wie du lebst«, schreibt sie. Das überrascht mich. Ich hatte gehofft, dass sie kommt, aber niemals damit gerechnet. Sie ist sich zu sicher in ihrer Rolle. Der Termin unserer zweiten Begegnung steht, aber dieses Mal, meine Liebe, dieses Mal führe ich Regie.

Dann greife ich auf einem anderen Feld an: Mein Mann hat schon vor Monaten das Bett verlassen. Kurz bevor er sich mit Dazu einließ, wie ich jetzt weiß. Ich muss sein Interesse wieder wecken. Also schreibe ich ihm eine Liebesmail (wir mailen uns öfter, meist aber nur kurze Nachrichten). Jetzt erzähle ich ihm in meiner Mail von uns und unserer Liebe, von der ich nicht weiß, ob es sie noch gibt. Ihm, dem eigenen Mann, der einer anderen »Ich liebe dich« unter die Mails tippt, mit einer ganzen Zeile voll Ausrufezeichen dahinter. Auch sage ich ihm, dass ich wieder mit ihm schlafen und seine Nähe spüren möchte. Er leitet den Liebesbrief direkt an Dazu weiter. Er macht sich über mich lustig. Das trifft. Ohne zu zögern, lädt er sie in unsere Ehe ein. Aber ich gebe nicht auf. Noch ein Liebesbrief per Mail. Neun von elf Absätzen beginnen mit »Ich werde dich immer lieben«.

Diese Mail leitet mein Mann nicht weiter. Aber er schreibt seiner Geliebten: »Hui, habe noch einen Brief meiner Angetrauten erhalten, ähnlichen Inhalts, den Rest will ich dir ersparen.« Vielleicht denkt er nach über uns. Zu Hause bemühe ich mich, zärtlicher zu sein. Eines Nachmittags, als er gerade aus der Dusche steigt, verführe ich ihn. Am helllichten Tag. Jetzt hat er erst recht ein Problem. Schließlich hat er seiner Geliebten die Treue geschworen, in so vielen Mails. Er betrügt nicht nur mich. Auch das werde ich nützen.

Aber zuerst steht der Adventskaffee an und ich muss Dazu noch persönlich einladen, telefonisch. Also frage ich meinen Mann nach der Nummer, er stottert, sagt, er wisse nicht, wen ich meine, kann dann die Nummer angeblich nicht finden. Dazu findet das Spiel lustig, »hihi und nun hat dein Frauchen meine TelNr.«, schreibt sie. Noch lachst du, meine Liebe. Als ich sie anrufe, klingt sie nett und frisch und sagt erfreut zu. Jetzt werde ich nervös. In der Stadt besorge ich mir eine »In-fünf-Minuten-zwanzig-Jahre-jünger«-Maske, neuen Nagellack und Lippenstift und ein anderes Make-up. Rosenspiel mit allen Mitteln. Soll ich die beiden vor all unseren Freunden auffliegen lassen, beim Adventskaffee? Nein, zu plump. Ich will Dazu und meinen Mann trennen, nicht im Kampf gegen die geifernde Gattin vereinen. Also spiele ich die perfekte Gastgeberin, alles ist bereit, es ist gesaugt, gewischt, geputzt und angerichtet. Sogar mein Mann hat geholfen. Dann ist Dazu da. Ich zerspringe fast vor Aufregung, mein Herz schlägt bis zum Hals, so laut, jeder muss es hören, denke ich. Aber ich lege meinem Mann hier liebevoll die Hände auf die Schultern, berührte ihn da zärtlich und bin vor aller Augen die Liebende. Vor allem vor ihren Augen. Mein Mann spielt mit, er kann ja schlecht anders. Und es funktioniert, Dazu ist wütend, auch auf meinen Mann, »es war mir eine EHRE, euer Eheglück erleben zu dürfen«, mailt sie am nächsten Tag. Schön. Das Rosengift beginnt zu wirken.

Nach dem Adventskaffee wird es Zeit für einen nächsten Schritt. Ich besorge mir von meinem Mann ganz offiziell ihre E-Mail-Adresse. Ich muss mich ja bedanken, für die Pralinen, die sie zum Kaffee mitgebracht hat. Also schreibe ich ihr, unverfänglich, »Nett war es mit dir«, und erzähle von den Kindern, seinen Kindern. Sie antwortet, schreibt über ihre gescheiterte Ehe. Wahrscheinlich denkt sie, ich bräuchte jemanden zum Reden. Zwei oder drei Mal schreiben wir uns noch am selben Tag, der direkte Draht ist hergestellt. Denn dann beginnt mein Spiel: Wenn mein Mann ihr mailt, er wäre am Abend zuvor früh schlafen gegangen, schreibe ich ihr, dass ich so nett mit meinem Mann essen gewesen sei. Schreibt er ihr beiläufig, dass die Familie beisammen sei, erzähle ich, was wir gekocht haben, wie es den Kindern geht und was wir mit den Omas unternommen haben. Sie soll lesen, dass sie in eine Familie einbricht. Nebenbei erwähne ich, dass wir gerade eine kleine Ehekrise bewältigt hätten. Und dass wir wieder mehr Sex haben. »Schläfst Du wieder mit ihr???«, schreibt Dazu ihm. Sie ist wütend und fängt an, ihm zu misstrauen. Gut so. Er leugnet. Er lügt.

Den ganzen Dezember über sabotiere ich außerdem ihre Treffen. Ich lese ja, wann sie sich treffen wollen, fast alles läuft über Mail, und ab und zu kann ich auch Dazus Kurznachrichten lesen, auf dem Handy meines Mannes. Also erfinde ich einen Grund, warum er mich abends irgendwo abholen muss, oder sage ihm, ich käme nach in die Kneipe, wo er angeblich mit einem alten Freund hin will. Dazu sieht meinen Mann kaum noch. Sie beschwert sich, er reagiert nicht, »keine Antwort ist auch eine Antwort«, schreibt sie.

Dazu und ich schreiben uns derweil immer öfter, manchmal mehrmals am Tag. Vielleicht ahnt sie etwas, aber sie lässt es sich nicht anmerken. Irgendwann fängt Dazu an, meine Mails gegen ihn zu verwenden, immer wieder bezieht sie sich in ihren Mails auf mich. Er will das nicht hören, will, dass sie mir nicht mehr schreibt. Alles was ich ihr erzähle, nennt er nur »das Gequake meiner Frau«. Zwischenzeitlich haben sie Verdacht geschöpft, ich würde mitlesen, und mein Mann hat den Ordner »dazu« verschoben. Aber ich finde ihn wieder und auch die Mails. Der Tonfall der beiden wird barscher, die Mails werden kürzer. Ich habe Streit in ihre sorglose Ab-und-zu-Beziehung getragen. Ich habe die beiden da, wo ich wollte: Sie beschwert sich, er würde mir Hoffnungen machen, er sagt, er wisse nicht, wovon sie spreche. Sie will sich mit ihm treffen, um »vernünftig zu reden«, er drückt sich. So geht es Tage, Wochen. Schließlich beendet Dazu die Affäre. Sie will nicht die Geliebte bleiben und sie will keinen Feigling und Lügner haben. Dass mein Mann beides sein kann, habe ich ihr klar gemacht. Auch wenn sie das nicht weiß. Das Rosenspiel ist vorbei. Ich habe gewonnen.

Unsere Ehe ist damit noch lange nicht gerettet. Ich kann unmöglich diesen ganzen Müll in mir lassen, er muss raus. Ein paar Wochen später, an einem Sonntag, beim Ausräumen der Geschirrspülmaschine, frage ich meinen Mann fast beiläufig, seit wann ich seiner Meinung nach von der anderen wisse. Er ist sprachlos. Zündet eine Zigarette an. Leugnet alles. Am nächsten Tag schreibe ich Dazu, dass ich alles weiß. Sie gibt es sofort zu und mailt auch meinem Mann, dass sie mir die Affäre gestanden habe. Ich schicke meinem Mann Auszüge aus seinem Mail-Verkehr mit ihr, aber ich spreche ihn nicht mehr darauf an. Vielleicht weil ich feige bin. Vielleicht weil ich nicht vor ihm heulen will. Ich bin fertig mit ihm, in dieser Sache.

Aber ich bin noch bei ihm. Noch. Er bemüht sich wieder um mich, er pflegt sich auch zu Hause, er ist liebevoll zu mir. Vielleicht haben wir noch eine Chance, das werden wir sehen. Seine Auszeit aus unserer Ehe muss nicht das Ende bedeuten, wenn ich irgendwann wieder das Gefühl habe, ihm wieder vertrauen zu können. Während des Rosenspiels konnte ich über all das nicht nachdenken. Jetzt muss ich verarbeiten, was passiert ist, das Gelesene vergessen lernen. Ich schreibe das Rosenspiel auf, weil mir das Schreiben gut tut. Mein Mann weiß, dass ich viel schreibe, aber er fragt nicht nach. Ich würde es ihn lesen lassen. Das hier ist nicht Rache, ich habe nicht vor, meinem Mann mit diesen Zeilen wehzutun. Wenn ich es doch tue, ist mir das egal und das muss es auch sein. Er hat sich auch keine Gedanken gemacht, wie sehr er mich verletzen könnte. Eines ist jedoch gewiss: Ein Rosenspiel kann es für mich nur einmal geben. Das nächste Mal müsste ich gehen.

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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 09:59 
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Brief eines alten kalifornischen Mönches



Könnte ich mein Leben nochmals leben,
dann würde ich das nächste Mal versuchen,
mehr Fehler zu machen.
Ich würde mich entspannen,
lockerer und humorvoller sein als dieses Mal.

Ich kenne nur sehr wenige Dinge,
die ich ernst nehmen würde.
Ich würde mehr verreisen.
Und ein bißchen verrückter sein.
Ich würde mehr Berge erklimmen,
mehr Flüsse durchschwimmen
und mir mehr Sonnenuntergänge anschauen.
Ich würde mehr spazierengehen
und mir alles besser ansehen.
Ich würde öfter ein Eis essen und weniger Bohnen.
Ich hätte mehr echte Schwierigkeiten
und weniger eingebildete.

Müßte ich es noch einmal machen,
ich würde einfach versuchen,
immer nur einen Augenblick nach dem anderen zu leben,
anstatt jeden Tag schon viele Jahre im voraus.

Ich gehörte immer zu denen,
die nie ohne Thermometer, Wärmflasche, Gurgelwasser,
Regenmantel und Aspirin aus dem Haus gingen.
Könnte ich noch einmal von vorne anfangen,
würde ich viel herumkommen,
viele Dinge tun und mit wenig Gepäck reisen.

Könnte ich mein Leben nochmals leben,
würde ich im Frühjahr früher
und im Herbst länger barfuß gehen.
Und ich würde öfter die Schule schwänzen.
Ich würde mir nicht so hohe Stellungen erarbeiten,
es sei denn, ich käme zufällig daran.
Auf dem Rummelplatz würde ich viel mehr Fahrten machen,
und ich würde mehr Gänseblümchen pflücken.
Aber sehen Sie...
ich bin 85 Jahre alt und weiß, daß ich bald sterben werde....

**********************************************************************************
Der Autor des obigen Textes soll der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges (1899 - 1987) sein.

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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 11:15 
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Zwischendurchtipper
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Ich finde die Idee nett und mag was beisteuern (auch wenn ich nicht alle deine Geschichten lesen konnte :wink: ) Etwas pädagogisch angehauchtes von mir:


Die Geschichte vom Gartenzaun

Es war einmal ein Junge mit einem sehr schwierigen Charakter. Er stritt sehr viel mit seinen Freunden, raufte in den Pausen und störte seine Klassenkollegen im Unterricht. Sein Vater gab ihm einen Beutel voll mit Nägeln und bat ihn, jedes Mal einen Nagel in den Gartenzaun zu schlagen, wenn er seine Geduld verliert oder mit jemandem in Streit gerät.
Am ersten Tag schlug der Junge 37 Nägel in den Gartenzaun. In den folgenden Wochen lernte der Junge, sich zu beherrschen und die Zahl der Nägel, die er in den Zaun schlug, wurde immer weniger. Der Junge merkte, dass es einfacher ist, sich zu beherrschen, als dauernd Nägel in den Zaun zu hämmern.

Schließlich kam der Tag, an dem der Junge keinen Nagel mehr in den Gartenzaun schlagen musste.
Er ging stolz zu seinem Vater und erklärte ihm, dass er an diesem Tag keinen einzigen Nagel in den Gartenzaun geschlagen hat.
Da sagte sein Vater zu ihm, er solle jeden Tag wieder einen Nagel aus dem Zaun entfernen, an dem er sein Temperament erfolgreich unter Kontrolle halten kann, an dem er sich zu benehmen weiß und keinen anderen Menschen mit Taten oder Worten verletzt.
Viele Tage vergingen, bis der Junge seinem Vater erzählen konnte, alle Nägel aus dem Zaun gezogen zu haben.

Der Vater ging mit seinen Sohn zu dem Zaun und erklärte ihm: „Mein Sohn, du hast dich in letzter Zeit gut benommen, aber schau, wie viele Löcher du in dem Zaun hinterlassen hast! Es wird nie mehr das Gleiche sein. Der Zaun wird nie mehr so aussehen wie früher! Jedes Mal, wenn du Streit mit jemandem hast und ihn beleidigst, bleiben Wunden wie diese Löcher im Zaun. Ganz egal, wie oft du dich entschuldigst, die Wunde wird bleiben. Eine Wunde, die du durch Worte erzeugst, tut genauso weh, wie eine körperliche Wunde. Darum versuche es zu vermeiden, Menschen weh zu tun, denn du willst auch nicht, dass man dir weh tut.“
Der Vater war aber sehr stolz auf seinen Sohn, der es geschafft hat, alle Nägel aus dem Zaun zu entfernen und so ein guter Freund und Mensch zu sein.

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Wer Schmetterlinge lachen hört
der weiß, wie Wolken schmecken!


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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 11:50 
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Tja, dann hält hier doppelt einfach besser... :wink: ich hab die Geschichte in einer anderen "Variante" gepostet.

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BeitragVerfasst: 28.04.2006, 15:24 
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Liebe Nordlicht, du hast Saja gerettet?

Du erlaubst hoffentlich!


Eine Geschichte der Gefühle

Es war wirklich nicht mehr zu übersehen. Sie wurden weniger.. Zügig hatte ihre Zahl und gewaltig ihr Einfluss in den letzten Jahren abgenommen. So wurde beschlossen, eine Versammlung abzuhalten, um die Lage zu besprechen. Land aufwärts, Land abwärts verbreitete sich die Nachricht, dass es ein Treffen geben sollte, schnell. Und so strömte in jener Nacht ein ganzes Heer von Gefühlen zum Versammlungsort; ein ganzes Heer von Gefühlen, das sich unterdrückt, verdrängt, überspielt, versteckt, abgewiesen, ausgenutzt und diskriminiert fühlte.

Es sollte an dieser Stelle einmal erwähnt werden, dass es grundsätzlich zwei Arten von Gefühlen gibt. "Sicher", höre ich jetzt so manchen sagen, "gute und schlechte". So wird es auch oft dargestellt und ich meine, dass diese Bewertung und Einordnung einmal eines der Themen auf der Tagung der Gefühle sein sollte. Richtig ist, dass es zwei Arten gibt. Jedoch nicht "gut und schlecht" bilden den Unterschied, sondern "echt und unecht".

Die Versammlung, zu der in jener Nacht die Gefühle zusammenströmten, war ein Treffen der echten Gefühle, kurz "die echten" genannt. Ihre Aufgabe und Wirkung bestand darin, den Menschen wirklich lebendig sein zu lassen. Wenn ein Mensch seine echten Gefühle kennt, akzeptiert und den Mut hat, zu ihnen zu stehen, damit leben zu können, fühlt er sich stabil, wohl und gut.

Das ist nicht misszuverstehen. Es gibt durchaus Konflikte in einem solchen Leben.

In jüngster Vergangenheit breiteten sich ganz massiv "die unechten" aus und schienen immer mehr Anklang zu finden, also die Gefühle, die eigentlich nur Ersatz für die echten waren.

Natürlich waren an dem Abend der echten auch Spione von der anderen Seite

vertreten: sie sollten Informationen sammeln, um so gegebenenfalls Maßnahmen der Gesellschaft der echten rechtzeitig unterwandern zu können. Für einen unechten war es eine Leichtigkeit, sich unter die echten zu mischen, da die Ersatzgefühle Meister in der Fähigkeit sind, als echt daherzukommen.

Doch nun wollen wir einmal hören, was es auf der Versammlung zu besprechen gab.

Eines der echten eröffneten den Abend:

"Liebe Mitgefühle! Kaum einem von uns ist entgangen, dass wir, die echten Gefühle, immer weniger mit den Menschen zusammenkommen, angenommen werden und wirken können. Die unechten, dieses scheinheilige Gesindel, dagegen sind gut im Geschäft. Sie mussten sich sogar dringend vermehren, um den Bedarf decken zu können. Auch haben's sie äußerst erfolgreich eine Kampagne gegen diejenigen von uns durchgebracht, die nicht angenehm erscheinen und deshalb oft als negativ abgetan werden. Da werden mir die Geschwister Wut und Ärger, das Selbstvertrauen, der Ehrgeiz, ebenso wie die Trauer, die Angst und Furcht und viele andere zustimmen; eben all jene, die angeblich nicht mehr gesellschaftsfähig und angebracht sind. Lasst uns gemeinsam überlegen, ob wir etwas tun können, damit die Menschen tiefer fühlen, uns akzeptieren und dadurch auch selbst echter werden."

Es wurde eine lange Nacht.

Nach diesen einleitenden Worten meldete sich ein Gefühl zu Wort, groß und mächtig von Statur, jedoch verhärmt und verunsichert in der Ausstrahlung.

"Ich bin Stellvertreter für die Wut. Wie unser liebes Mitgefühl einleitend ganz richtig sagte, haben wir Wutgefühle immer weniger Gelegenheit zum Ausbruch zu kommen. Wir können, ebenso wie der Ärger, den Menschen noch so sehr quälen, bedrängen, oftmals kommen wir damit nicht durch. Überall hört man auch, der Mensch soll sich im Griff haben, sich zusammenreißen, nur keine Blöße zeigen usw."

Hier gab es zustimmendes Gemurmel und Applaus, denn die Wut hatte einen sehr wichtigen Punkt angesprochen, der fast allen Schwierigkeiten machte. Durch die allgemeine Zustimmung setzte die Wut ihre Rede fort.

"Meine Konkurrenten Zerstreuung, Unehrlichkeit, Heuchelei und wie sie alle heißen, machen mir schwer zu schaffen. Aber besonders besorgt bin ich darüber, dass ich unsere allerhärtesten Gegner immer häufiger antreffe...."

Hier machte die Wut, deren Rede immer flammender wurde, eine bedeutungsvolle Pause.

"Immer mehr begegne ich bei den Menschen der Angst mit all ihren Variationen im Schlepptau; von der Feigheit über die Ungerechtigkeit bis hin zur Selbstaufgabe und Resignation. Wenn ich auch noch so heftig tobe, so gelingt es den Menschen doch erstaunlich oft, mich zu unterdrücken und wegzustecken. Und es würde euch schaudern, wüsstet ihr, wie viele darauf auch noch sooo stolz sind...."

"Stolz sind!? Meine liebe Wut, das glaubst du doch nicht wirklich! Wenn ich auch all deinen Ausführungen bis jetzt zustimmen kann, hier muss ich einhaken", meldete sich hocherhoben ein Vertreter des Stolzes. "Wir wissen wohl alle, dass es sich hier um falschen Stolz handelt, der von den unechten so eifrig angepriesen wird. Wirklichen Stolz kennen doch nur die wenigstens."

"Sicher, da muss ich dir zustimmen", räumte die Wut ein. "Ich habe mich etwas ungenau ausgedrückt. Auch mir ist lange kein Mensch mehr begegnet, der wirklich stolz war. Wie ich schon sagte, sind die meisten sehr angepasst. Und", so fuhr die Wut fort, "das Ärgste ist, ich bin sicher, dass die meisten Menschen, die so weit von ihren echten Gefühlen entfernt sind, sich gar nicht wohl fühlen."

"Da kann ich nur zustimmen, leider", meldete sich ein sehr zart und gebrechlich anmutendes Gemüt zu Wort. "Ich bin die Liebe", sprach es, "und wenn ich euch erzähle, was die Menschen mir und damit sich selbst antun, wird noch deutlicher, wie schlimm und bedenklich die Situation ist. Fast immer, wenn ich auftauche, ist das ja - das wird hier niemand abstreiten - ein erfreuliches Erlebnis. Wie oft werde ich herbeigesehnt, gewünscht oder sogar besungen. Aber bald schon - und oft stehe ich fassungslos davor - gibt es Probleme; Probleme, die daraus entstehen, dass die meisten Menschen mich gar nicht richtig verstehen. Liebe verspüren heißt für viele, Ansprüche stellen zu können, den anderen formen und lenken zu wollen, ihm Vorschriften machen zu können usw. Na ja, ihr kennt das ja alle. Es gibt tausende von Varianten, die die Menschen erfinden, sich zu quälen. Und so fühle ich mich manchmal machtlos und gerupft durch die Eifersucht und die daraus entspringende Unehrlichkeit und Intrige. Diese Scheingefühle haben die unechten ja nur zu gut eingeführt."

Die Stellvertreterin der Liebe machte eine Pause und tat einen tiefen Seufzer.

"Ihr könnt bestimmt nachfühlen, wir mir zumute ist, wenn ich bei zwei Menschen erwacht bin und wenn sie mich dann sehen - nach all den Phasen der Eifersucht, der Gewöhnung, der Unehrlichkeit und Feigheit - zerstören. Und sollten sich abfinden, dann fristen sie ihr Leben in Anpassung und Selbstaufgabe nebeneinander her vor dem Fernsehgerät, oft angefüllt mit Alkohol und Tabletten oder anderen Drogen."

"Meine liebe Liebe", sagte da eine leise, aber doch auffallend feste Stimme. "du sprichst bei diesen Menschen von "sich abgefunden haben"" und "Selbstaufgabe". Wenn dem wirklich so wäre, dann wäre es ja nicht schlimm, aber im allgemeinen herrschen auch hier die unechten. Es handelt sich um Resignation und auch die Lüge, was den Alkohol, die Tabletten und all den anderen Ersatz betrifft, gebe ich dir natürlich recht", seufzte die Demut.

"Wie sollten sie es denn auch sonst anders aushalten", warf die Enttäuschung ein. "Ihr glaubt gar nicht, wie oft wir, gerade wir, die Enttäuschung, der Schmerz, die Trauer und die Wut, durch diese Mittel verdrängt werden sollen."

"Und dann glauben die Menschen auch noch, sie hätten mich erreicht", maulte die Zufriedenheit. "Nichts haben sie erreicht, außer billigem Ersatz und Selbstbetrug", fügte sie unzufrieden hinzu.

So ging es die ganze Nacht hindurch. Die Spitzel von der Gegenseite machten sich eifrig Notizen. Der Egoismus beschwerte sich lang und eindringlich über die Diskriminierung, die ihm seit langem widerfuhr: "Wenn die Menschen aus lauter Angst vor mir nur noch sich anpassen, gegen sich leben und dann zwangsweise hinterhältig und intrigant werden, kann ihnen das ja letztendlich einfach nicht gut tun. Wie oft stehe ich dem hilflos gegenüber", endete er schließlich leise.

Die Zuneigung, die Verantwortung, die Geborgenheit, der Hass, die Neugier und der Ekel, sie alle meldeten sich zu Wort. Nur noch die lange Rede des Selbstvertrauens will ich wiedergeben. Was die anderen zu berichten hatten, wissen wir eigentlich alle selbst: Wir wissen es, wenn wir ganz ehrlich zu uns sind.

Der Stellvertreter für das Selbstvertrauen war der vorletzte Redner.

"Liebe Versammelten der Gefühlswelt", begann er vorsichtig. " Es soll keine Protzerei sein, aber ihr wisst alle, welchen Stellenwert ich in unserer Welt und bei den Menschen habe. Oftmals bedarf es erst meiner, damit andere Gefühle eine rechte Basis, eine Chance haben - und der Mensch auch."

Hier gab es wieder einmal Zustimmung. Das Selbstvertrauen, seines Standes gerecht werdend, brauchte diese zwar nicht, freute sich aber doch und fuhr fort:

"Weil ich und alle meine Kollegen, aber so wichtig sind, begegnet uns ein relativ neues Problem: Die Gegenseite hat uns zu einem Modewort kreiert. Das hat ausgesprochen fatale Folgen. Wir wissen alle, dass viele Menschen, um uns als Gefühl aufzubauen, manchmal Hilfe von anderen brauchen. Das ist sehr ernst zu nehmen. Seit aber die unechten es geradezu modern gemacht haben Selbstvertrauen zu üben, Selbstverwirklichung zu suchen, Selbstbehauptung zu trainieren oder wie immer sie das nennen und verpacken, gibt es ein solches Überangebot an angeblichen Wegen zum Seelenheil und ein solches Durcheinander, dass die Menschen überhaupt nicht mehr Bescheid wissen und vom echten Selbstvertrauen sehr weit entfernt sind oder ihnen manchmal der letzte Rest geraubt wird. Die unechten verdienen daran sehr gut und stellen einfach alle wirklich echten Bemühungen, Selbstvertrauen zu erlangen, als veraltet hin. Es ist ja soweit gekommen, dass Menschen, die wirklich Hilfe suchen (Hilfe brauchen ja noch viel mehr), sich verunsichern lassen und nun auch bald meinen, Selbstvertrauen könnte man ihnen einsetzen wie einen Herzschrittmacher oder aufkleben wie ein ABC-Pflaster. Und schon sind diese Menschen wieder da, wo sie schon einmal gescheitert sind, sie legen die Verantwortung für ihr Wohlbefinden in andere Hände...", schloss das Selbstvertrauen.

Wie schon gesagt, es wurde eine lange Nacht.

Die Gefühle so unterschiedlich sie auch sind, kamen am Ende überein, dass sie es auf keinen Fall noch einmal riskieren wollen, die Menschen für eine Nacht zu verlassen, um weitere Versammlungen abzuhalten.

Wie Beobachter berichten, war zuviel in dieser Nacht passiert, als die Menschen einmal ohne echte Gefühle waren. Gott sei dank war es nur eine Nacht, aber die Verantwortung trat ganz entschieden dafür ein, dass ein weiteres Treffen ein zu großes Risiko sei, weil die Menschen damit völlig von den Gefühlen verlassen seien. Angst und Furcht malten daraufhin beeindruckend aus, was hätte geschehen können, hätte dieses Treffen tagsüber stattgefunden.

Somit hatte die Hoffnung das Schlusswort:

"Wenn wir echten uns nur in der Nacht wegstehlen können und uns sicher sind, es gäbe eine Katastrophe, wären wir einen Tag nicht da, dann können wir sicher davon ausgehen, dass die unechten uns zwar kurzfristig ersetzen können, auf Dauer aber nie. Dazu sind wir zu tief im Menschen verwurzelt. Wir echten gehören einfach zum Menschen und in diese Welt. Wir sind nicht unter den Tisch zu diskutieren, und wir müssen uns verstärkt durchsetzen, bei den Menschen konsequent bemerkbar machen, damit sie aufwachen und ihre Chance wahrnehmen. Manchmal wird es ihnen wehtun, und sie werden lange brauchen, bis sie uns wieder zulassen und unseren Wert erkennen, und sie werden zu kämpfen haben mit denen, die längst schlafen und sich den unechten hingeben. Aber ich bin sicher, dass wir letztendlich den Sieg davontragen....", so endete die Hoffnung.

Sie erhielt Beifall, wenn auch nur geteilten. Und ebenso geteilt war die Stimmung, als sie langsam auseinanderströmten.

Der Morgen graute.

Viele waren sich nicht sicher, ob sie sich durchsetzen können, weil die Konkurrenz durch die unechten sehr groß war. Andere vertrauten auf ihre Ursprünglichkeit, die einfach Gültigkeit hat. Einig jedoch waren sie sich, dass sie als Gefühle dem Menschen zwar beistehen, dass sie aber nicht allein für ihn und sein Wohlbefinden verantwortlich sind. Das ist der Mensch mit seinem Verstand zu einem gleich großen Teil. Und gerade auch dieser Verstand ist ein ernstzunehmender Gegner, wenngleich er ursprünglich als Partner der Gefühle gedacht ist. Die unechten gehen jedoch in der Regel über den Verstand. Sie hatten das Denken des Menschen schon zum Teil erobert; was ein weiteres Hindernis für die Gefühlswelt darstellt.

Die Gefühle trennten sich mit dem festen Vorsatz, sich weiterhin in den Menschen bemerkbar zu machen und niemals aufzugeben. Hast du es auch schon gespürt?

Autor unbekannt


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