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BeitragVerfasst: 14.06.2008, 20:48 
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So!

Heute derzeit mit VanilleTee und Books bewaffnet, es mir am Schreibtisch gemütlich gemacht habend............. hier noch eine Empfehlung aus dem Genre:


Gewalterfahrung - Traumatisierung - Anzeige gegen die Täter - Strafverfahren - Psychotherapie - psychisches Durchhaltevermögen


[buch=3794525671]


Rezension:


Ich war nun bereits auf 2 Veranstaltungen von Professor Sachsse (ein unglaublich charismatischer, attraktiver AnfangSechziger übrigens :wink: *hust*........... also wenn der fuffzehn Jahre jünger wäre und überhaupt ich würd ihn ja sofort nehmen, hüstel....).


Der Psychiater leitet die wohl renommierteste Klinik für Borderliner und Missbrauchsopfer in Deutschland in Göttingen (näheres auf seinen Websites dazu gleich!).


Besonders hervorheben möchte ich hier - aus berufsbezogenem Hintergrund und auch privatem Interesse heraus - diesen Ansprechpartner für Missbrauchsopfer, die in Erwägung ziehen, Strafanzeige gegen ihre Täter zu erstatten.


Psychologie und Justiz schmelzen immer mehr ineinander, zum Glück. Ich bezeichne es als Menschlichkeit und soziologische Logik.

Das gilt sowohl für Psychiater, Ärzte und Therapeuten als auch für Anwälte, Behörden, Staatsanwälte und Richter. Von Sozialarbeitern und Verbraucherzentralen ganz zu schweigen.


Diese Entwicklung ist neu, aktuell, avantgardistisch - gebe ich zu. Ich bin da sicher einer der Vorreiter und Verfechter - sehe aber die Sinnhaftigkeit in dem Ganzen begründet zum Wohle aller. Und eines weiß ich bereits aus Beobachtung in Politik und Jurisprudenz: Es setzt sich durch!!!!!!!!! Immer mehr!

Gut so.


Ich möchte dieses Buch - auch für Laien verständlich geschrieben - wärmstens nicht nur beruflich Interessierten (es richtet sich inhaltlich sowohl an Psychologen, um juristische Grundlagen zu vermitteln als auch an Juristen, um psychologische Grundlagen zu vermitteln) empfehlen, sondern insbesondere einer bestimmten Menschengruppe:


- ehemaligen Missbrauchsopfern
- sexueller, seelischer oder körperlicher Gewalt
- die mit Hilfe anwaltlicher Vertretung Anzeige gegen die Täter innerhalb der Verjährungsfristen erstatten
- und Angst haben, das oft jahrelange Verfahren psychisch durchzustehen


Mir ist als Opferanwältin bekannt, dass die meisten _WAHREN_ Missbrauchsopfer im Sinne von Vergewaltigung, Nötigung, Misshandlung usw. NICHT (!!!!) nach RACHE sehnen.

Das ist zumindest aus empirischer Untersuchung bekannt. Kann ich sogar selber aus meinem - bisher sehr dürftigen - Erfahrungsbereich bestätigen.

Die _ECHTEN_ Missbrauchsopfer wollen im Prinzip einfach nur Ruhe, Sicherheit, Kontaktabbruch zum Täter und vergessen, endlich _ein NORMALES LEBEN FÜHREN_.

Die "fingierten" "Pseudoopfer" hingegen - sowas muss auch ich wissen für meinen Werdegang: Stichwort "Glaubhaftigkeit" - planen Racheakte auf Jahre, Vergeltung, Ruinierung der "angeblichen Täter" usw. Das _muss_ nicht so sein (Ausnahmen bestätigen die Regel) aber ist tatsächlich meistens so. Als Indiz, wo die Wahrheit steht. Indiz - versteht sich. Alles ist sowieso immer tausendmal zu hinterfragen und weiterzuführen.


Nun sind viele ehemalige Missbrauchsopfer und Überlebende vor die Frage gestellt: "Erstatte ich Anzeige (auch um zukünftige potentielle Opfer zu schützen oder aber in einem strafrechtlichen Prozess die Grundlage für zivilrechtliche (finanzielle) Entschädigungsansprüche gegen den Täter zu schaffen - oder nicht? Weil ich meine "Ruhe" haben will!"). Ja oder Nein?"
Hat beides Vor- und Nachteile und als Jurist sage ich:

"Es kommt drauf an!" (tolle Antwort, ich weiß - iss aber so, lach!).



Genau für diesen - nicht zu unterschätzenden Konflikt bei ehemaligen Missbrauchsopfern - ist dieses Buch und v.a. die Klinik und Beratung des Professor Sachsse wie geschaffen.


Das Buch erklärt Laien gut verständlich:

- Warum man denn vor Gericht nicht immer Recht bekommt, auch wenn einem die Richter und Staatsanwälte, ja auch die Anwälte GLAUBEN!!!!! (Sehr schwieriger Konflikt für die Opfer oft - wird hier sehr gut erklärt!!!)

- Warum das Verfahren so laaaaaaaaaaaaaaange dauert, obwohl die Bearbeitenden wissen, wie traumatisiert das Opfer ist

- Warum es Verjährungsfristen gibt (ein Trauma jedes Kindesmissbrauchsopfers - denn Geschlechtsverkehr wird im Sinne von in dubio pro reo nach all den Jahren kaum zu beweisen sein - und auch aufgrund von Zeugenaussagen und Gerichtsgutachten (psychologischen wegen der Auswirkungen) wird in der Regel in 95 % aller Fälle nur _sexueller Missbrauch_ feststellbar sein.

D.h. im Klartext: Verjährung ist ab 28 vorbei. Finito. Das war's. Und wenn Ihr Kinderprostituierte ward ............. aus. Vorbei. Verjährung. Aus Mangel an Beweisen. Einstellung des Verfahrens.

Dennoch ist mir klar, dass gerade Missbrauchte oft jahrelang, manchmal jahrzehntelang verdrängen - wenn nicht gar schweigen. Und sei es nur aus Angst. Und - schwupps - ist der 28. Geburtstag vorbei. Geht fix. Die Seele braucht ihre Zeit (sagte auch John Gray und stimmt auch). Gerade bei Dingen, die sich gegen die Eltern und Bezugspersonen aus frühester Kindheit richten. Natürlich. Komplettes Einverständnis.

Ironischerweise beginnt der psychische Abnabelungsprozess von den Eltern gerade erst in diesem Alter (Zwischen Ende 20 und 40 normalerweise). Das heißt - sobald diese Traumatisierten bereit sind, Anzeige zu erstatten - keine Chance mehr. Nicht über 28.

Zwar ist offiziell bis 38 bei "Kindersex" die Anzeige möglich - aber dazu wären bereits Fotos und Filme, bzw. mindestens drei Zeugen, die dasselbe hinsichtlich des Geschlechtsverkehrs und der "Penetration" aussagen, von nöten. Denn wie gesagt: "Im Zweifel für den Angeklagten". Und in der Regel "steht ja keiner daneben" wenn es passiert, nicht wahr.

Logische Folge: Solange kein Filmmaterial vorhanden ist - gilt praxisbezogen (nicht theoretisch sondern _vor Gericht im Alltag_) die 10-jährige Verjährungsfrist für sexuellen Kindesmissbrauch (d.h. von Gesetzes wegen: "Sexuelle massive Belästigung OHNE PENETRATION (anal oder vaginal"). -> denn mehr ist "aus *im Zweifel für den Angeklagten" oft wirklich nicht nachweisbar, leider) Da die Verjährung bis 18 gehemmt ist [aus nachvollziehbaren Abhängigkeitsgründen] plus 1o Jahre für sexuellen Kindesmissbrauch (bzw., 2o Jahre für Geschlechtsverkehr mit unter 14-jährigen, der aber - wie ich eben darlegte - so gut wie nie beweisbar ist und von daher "praktisch hinfällig") simma bei 28 Jahren bis zur Anzeige.

Danach iss Zamba. Daran orientiert Euch bitte!!!! Spätestens bis 27 Anzeige erstatten - danach ist der Ofen aus. Es sei denn, es existieren pornographische Bilder usw. ------------- was aber selten der Fall ist (wegen den Beweisen!).



Wie gesagt: Und das, obgleich ich WEISS (!!!!) dass die meisten Kidpornosopfer ERST AB DIESEM ALTER (Stichwort: Abnabelung, Selbstfindung, Autonomie, Ehrlichkeit zu sich selbst) überhaupt in der Lage sind, was zu unternehmen.



--------------------------------

Nun wie auch immer. Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben für Menschen wie mich, die damit sich von Berufs wegen rumschlagen müssen ohne eine entsprechende Ausbildung genossen zu haben, von denen erwartet man dann einfach, dass sie sich die Details selber beibringen. So werden wir ja ausgebildet "alles zu können, egal wie".

Für Psychologinnen, die Missbrauchsopfer betreuen, finde ich das Buch wiederum sehr gut, weil es gut (und wie gesagt, EXTRA verständlich für beide Seiten) beschreibt, WAS an STRAPAZEN AUF DAS MISSBRAUCHSOPFER ZUKOMMT, WENN ES ANZEIGE ERSTATTET!!!!

Es zeigt auch klar auf, wann

1.) eine Anzeige "heilsam" sein kann, um Selbstachtung zu demonstrieren (also auch psychologisch effektiv!)

und wann

2.) man von einer Anzeige ABRATEN sollte, weil die Aussicht auf Erfolg - selbst WENN MAN DEM OPFER GLAUBT - gegen Null gehen. Und das Gegenübersitzen neben dem eigentlich Schuldigen, der dann FREIGESPROCHEN WERDEN MUSS, einen psychologischen RÜCKFALL bedeuten kann.

Dass das aber im Gegenteil überhaupt nicht bedeutet, dass dem Opfer keiner glaubt oder es kein Mitgefühl oder Unterstützung verdient!!!! Sondern dass es eben das Rechtssystem ist, welches besagt, frei nach (mein Gott wer war das noch) ich glaube Rousseau:

"Eher noch ist es zu vertreten, dass ein SCHULDIGER FREIGESPROCHEN und NICHT BESTRAFT WIRD, ALS DASS EIN UNSCHULDIGER ZU UNRECHT BESTRAFT WIRD!"

(schau gleich mal noch mal nach, wer das war. Irgendwas mit "V".)


Aus diesen Gründen - oft Freispruch für die Täter. Aber! In keinem Fall heißt das: "Du bist kein Opfer!"


Sehr zu empfehlen. Für Juristen, Therapeuten und Missbrauchsopfer!

Das Buch hat mein -persönlicher *hust* - "Schwarm" Professor Sacchse zusammen mit der Oberstaatsanwältin Kirsten Stang geschrieben (mal jetzt privat okay: Die Tante ist genial aber kaum 10 Jahre
älter als ich. Jedesmal wenn ich den Sachsse mit der sehe, denke ich: "Kannst das Moorhuhn da oben mal wegkicken oder was - ich sehe doch tausendmal sexier aus und bin genauso intelligent - arbeite bloß noch dran).

Die beiden treten öfter zusammen auf den Symposien auf und bereichern sich gegenseitig mit ihrem Wissen.


LG,
Mathilde


P.S.:
So hier ist "Ihre Majestät" (unn watt für einaaaaaa herrrlich, *hust*) mit seiner Website:


http://www.ulrich-sachsse.de/


Neee, also der Mars ist echt bekannt und so (müsst Ihr mal googlen, also diese Klinik in Göttingen ist für jeden "anständigen Borderliner" nen Begriff, wirklich, das weiß ich). Ist er nicht sexey für seine retired position??????????????????



Der ist supergeil. Echt jetzt. Vertraut Euch ihm an.


LG,
Mathilde


P.S.: Aus der postalischen Korrespondenz........... *gg* der Sir nennt mich nicht " sehr geehrte frau Mathilde"------------------ nein. Er ist überaus charmant. Er schreibt immer.......


"Verehrte Mathilde" !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Ist das nicht süüüüüüüüüüüüüüüüß??????????
Hach wenn er nich' mein Vater sein könnte, seufz............. :wink:

_________________
"Shake your Moneymaker....." James Brown-"Sex Machine", 1974


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BeitragVerfasst: 15.06.2008, 01:08 
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Sodele,

hier ist der Link zu der "Residenz Ihrer Ritterschaft" - wie gesagt - für sexuelle Missbrauchsopfer und insbesondere Borderlinern oder solchen, die an Multipler Persönlichkeitsstörung erkrankt sind während eines Strafverfahrens gegen die Täter wohl das Beste, was es derzeit im nordeuropäischen Raum gibt: bezugnehmend auf die Wechselwirkung zwischen psychologischen Erkrankungen aufgrund der Taten (Traumata) und dem Strafverfahren als solches (türlich spielt das alles zusammen, das weiß ich auch. Und ja, natürlich weiß ich, dass die Prozesse für Betroffenen nicht gerade "nebenbei" laufen, sondern Ups and Downs bedeuten - egal wie "erschreckend abgebrüht ich das persönlich sehe" [an alle: hallo! Ich habe genauso viel Emotionen wie jeder andere auch, okay! Aber wenn Ihr zum Gynäkologen geht und er Eure Pussy untersucht usw- - der sieht das auch alles total "sachlich". Dazu werden wir nu' mal erzogen, okay?????????? Deswegen hab ich keine Störung oder so. Das soll so "abgebrüht" sein. Privat hab ich die natürlich schon, das ist aber was anderes! :wink: ).



http://www.asklepios.com/goettingen/Beh ... efault.asp


Zu meinem Zitat:

"Eher noch ist es zu vertreten, dass ein Schuldiger freigesprochen als dass ein Unschuldiger bestraft wird" - als DIE basisorientierende Wertvorstellung unseres Rechtssystems:






Der Gute mit den klugen Gedanken war kein Geringerer als:

Es ist eher hinzunehmen, dass ein Schuldiger freigesprochen,
als dass ein Unschuldiger verurteilt wird.



Voltaire
,
(1694-1778).









ich kann mir nich' alles merken, okay? :wink:


So!

Gute Nacht, Ihr alle!!!

Merci,
Mathilde

_________________
"Shake your Moneymaker....." James Brown-"Sex Machine", 1974


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