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 Betreff des Beitrags: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 18.03.2013, 11:00 
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Moin Ihr Lieben,

ich schreib jetzt mal hier, derweil im betreffenden Unterforum so viele Fakes herum hirschen, das dort eh keiner mehr etwas findet.

Das meine Große sich vor einigen Jahren ja einer evangelikalen Kirchengemeinde angeschlossen hat, wissen ja die meisten von Euch noch. Das wir, als offene und tolerante Familie damit so unsere Probleme haben, ist sicher auch nicht neu? Es ist so furchtbar schwierig, mit ihr zusammen zu sein, weil sie alles, was uns ausmacht, irgendwie ablehnt und, da Reden nicht hilft, sie hat nun einmal ihre feste Meinung dazu und Toleranz ist kein hohes Gut sondern der Beginn vom Verfall. Wir können uns nicht einigen - was ich durchaus aushalten könnte, wenn wir uns verstehen würden - aber das lässt ihr Glaube nicht mehr zu. Es gibt kein Grau, nur schwarz und weiß. Es gibt kein Verständnis für etwas, das der Glaube anlehnt.

Als mein liebster Freund Frank also seinen Lebensgefährten geheiratet hat, hat sie nicht gratulieren können. Die Homosexuellenehe ist gegen Gott und dadurch verwerflich und falsch und daher könne sie nicht gratulieren. Ich war so was von sauer und hab mich in Grund und Boden geschämt. Ich mein, sie ist so aufgewachsen... Frank war immer da und als sie 16 war, war das für sie sowas von normal, das er einen gleichgeschlechtlichen Partner hatte - wie das ich mit dem Liebsten zusammen bin. Jetzt sagt die Bibel "und der Mann soll nicht beim Manne liegen" und sie entscheidet für sich "DAS ist Sünde und verwerflich...." Selbst damit kann ich leben, hab ich ihr gesagt, Du darfst das sch.... finden, aber dem Menschen dahinter, der immer für Dich da war und so sehr zur Familie gehört wie Du selbst, dem darfst Du doch wohl Glück wünschen? Nö - kein Stück, alles schlecht, auch das..... dabei hat es diese Hochzeit nun auch nur gegeben, weil Franks Liebster totkrank geworden ist und damit Frank die Dinge dann in seinem Sinne regeln könnte. Tja, alles die Strafe Gottes. Ich könnt k.....

Gut, das allein auszuhalten fällt mir entsetzlich schwer. So etwas hab ich ihr nicht beigebracht oder vorgelebt.

Wie geh ich nur damit weiterhin um? Freunde, die sich so verhalten würden wären meine Freunde gewesen, aber dieses hier ist mein Kind! Da kann ich nicht einfach sagen "wenn es Dir nicht gefällt, weißt ja, wo die Tür ist......" ihre Stellung ist einfach eine andere.

Nun besucht sie seit Herbst 2012 eine "freie" Bibelschule im Harz, die eigentlich den Adventsgemeinden gehört und so frei dann natürlich nicht ist. Während ich das nicht unterstützen wollte haben Papa und auch der Liebste anders entschieden und ihr dies Jahr ermöglicht. Papa erhoffte sich davon, das sie toleranter wird, während ich von Beginn an sagte "da lernt sie nur die besseren Argumente...." Zu meinem Entsetzen aber lernt sie noch mehr, nämlich, das Christen hier in Deutschland diskriminiert werden, verfolgt werden und unverstanden sind und daher redet man besser nicht mit den Unchristen (zu denen wir gehören..... :shock: ) und diskutiert nicht, derweil das so wäre, wie Perlen vor die Säue werfen. Oh, wenn ich zum Erweckungsgottesdienst käme, dann würde sie schon mit mir reden, vielleicht bin ich ja auch missionierbar? Und da mir allein das Wort "Erweckungsgottesdienst" und blindes Folgen und Glauben an etwas, das mir andere erzählen, die Fußnägel aufklappen lässt, fühlt sie sich abgewiesen und ungeliebt. Die meisten Mädchen an dieser Schule werden dort von ihren Eltern hin geschickt, liebevoll begleitet und die Eltern sind SOOOOO stolz auf ihre Kinder. Ich nicht..... wenn es für Dich wichtig ist, hab ich gesagt, dann unterstützen wir das, helfen Dir, weil DU uns wichtig bist, aber gut? Nö, gut finden wir das nicht. Da bleib ich auch bei.

Und so wird unsere Beziehung immer unehrlicher, auch Schweigen kann eine Lüge sein. Und sie beginnt zu lügen..... sei beginnt uns auszunutzen und aktiv und passiv zu belügen. Im Namen des Herren, weil wir nicht wissen, was sie weiß..... Oha, das sagte auch mein Exmann in seiner Esoterik, erinnert sich jemand? "Aber meine Seele ist viel älter als deine und deshalb verstehst Du mich nicht...." da kommen auch Dejavues zum Vorschein die mich gruseln lassen.

Was mich grad aktuell so anfasst, sie erzählt hier immer, sie habe kein Geld, und so gab es von ihr aus zu Weihnachten nur kleine Geschenke und die Aussagen, sie könne uns nicht besuchen, weil sie kein Geld habe und das Geburtstagsgeschenk für ihre Schwester habe sie a. in der Bibelschule vergessen und b. sie wolle es schicken, ihre Schwester meinte, "ach, bring es nächste Mal mit, das kann ja passieren" und dann "ich geb es Mama mit, wenn sie mich wieder heim bringt" und zu mir "ach, ich weiß grad nicht wo es ist - ich bring es nächstes Mal mit" und dann, vor 10 Tagen zu ihrer Schwester "stell Dur vor, die haben es mir gar nicht geschickt, die Bestellung ist dort nicht angekommen......" Ihre Schwester schäumt vor Wut und reagiert ganz großzügig "ach weißt Du, ich brauche auch nichts, lass mal, Du hast eh so wenig Geld..... kannst mir ja nächstes Jahr wieder etwas schenken....." Ich war sehr stolz auf mein Mittelchen.

Nun aber, fährt die Große nach Israel und irgendwer hat erzählt, das die Badesachen dom Wasser im toten Meer kaputt gehen, also fragt sie ihre Schwester, ob die noch einen Bikini hat, den sie nicht mehr braucht.... und lässt sich von Papa noch eine Zugfahrt nach Hause bezahlen, weil sie ja kein Geld dafür hat.... und geht dann hier Kontoauszüge holen und dabei sieht ihre Schwester das sie einen sehr sehr hohen Betrag auf dem Konto hat und auf Nachfrage erklärt sie "hab ich ir von meinem Taschengeld abgespart, weißt ja, ich will noch ein zweites Bibelschuljahr dran hängen....." Nun weint mein Mittelchen, weil es sich betrogen und belogen fühlt und ich denk "kann doch alles nicht wahr sein."

Natürlich, sie braucht all ihr Geld für ein zweites Bibelschuljahr, weil ich gesagt hab "DAS unterstütze ich nicht, never - geh ins Studium und alles ist schön, aber ein zweites Jahr? Ich nicht....." Das will natürlich Papa unterstützen (der mal wieder nicht mit uns spricht, weil er wieder mit seiner Harcoreesoterikerin zusammen ist), von daher wird sie es schon bekommen.... spart aber jeden Cent und aus ihrer Sicht heraus hat sie halt kein Geld, für andere Dinge....

So, da stehe ich nun, mein Kind ist gestern Nacht nach Israel geflogen und wir sitzen hier und glauben einfach nicht, wie sie handelt und mit uns umgeht. Sie besucht uns nicht, die Zugfahrkarte ist zu teuer - weil sie das Geld dafür lieber spart und fordert aber, das wir sie besuchen..... was wir auch brav getan haben - nun fühle ich mich einfach betrogen und ausgenutzt. Wir zahlen ihr monatlichen Unterhalt, damit sie nach Hause kommen kann, sich die notwendigen Dinge kaufen kann und ein Auskommen hat, aber nicht, das sie spart bis zum geizigen Erbrechen und uns belügt.

Nur befürchte ich, da sie ja aufgrund eines vermuteten Asperger Syndroms und mangelnden sozialen Fähigkeiten einfach auch nicht verstehen wird, was ich von ihr will - wenn ich sie darauf anspreche. Alles was passieren wird, ist "das sie noch versteckter lebt" und sich zurück zieht. "wenn Dich das so aufregt" sagte sie neulich zu mir "dann rede ich besser nicht mehr mit Dir darüber" - da ging es um etwas, das sie hier gemacht hat, als sie, krank, ein paar Tage zu Hause war. Etwas, das durchaus Klärungsbedürftig war.... aber das ist das, was sie in der Schule lernt, "ich rede mit Dir nicht mehr darüber....." hat es bei uns aber nie gegeben, angelogen werden übrigens auch nicht.

Ihre Schwester, die es auch nicht SO dicke hat, hat ihr großzügig mit ihrem Freund zusammen einen Beitrag zu ihrer Reise beigesteuert, Papa hat den Löwenanteil dazu bezahlt und sie hat nicht mal 5 Euro für ne Packung Pralinen zum Geburtstag, offen gesagt, ich schäme mich für mein Kind unglaublich.

Und, der Liebste und ich müssen einen Weg suchen, wie wir damit umgehen wollen oder sollen, im Augenblick sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht.... ich finde ihr Verhalten asozial und in keinem Fall auch nur ansatzweise christlich.

Helft mir, ich weiß einfach nicht weiter und finde keinen Weg, das auszuhalten..... hat jemand eine Portion Gelassenheit für mich?

Ansa *tieftraurig*

_________________
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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 18.03.2013, 12:34 
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doch, liebe ansa, Gelassenheit gibt es hier und nicht nur eine Portion, und du weißt das. Nur ob sich das so einfach übertragen lässt?

Du schilderst das schön anschaulich, wie es deiner Großen geht und wie es dir und euch damit geht. Schwer ist das zu tragen, wenn sich Kinder weit weg von einem entwickeln. Ich habe dazu auch Geschichten zu erzählen, aber das führt nicht weiter. Und schämen? Das musst du dich nun gar nicht. Du hast eine erwachsene Tochter, die eigene Wege geht. Sie ist nicht du und du nicht sie. Es ist nicht deine Verantwortung, was sie tut.

Das mit dem lügen, hm, nun ja... Menschen lügen aus allerlei Gründen, nichtigen und wichtigen. Sie lügen in aller Regel, wenn sie etwas bedroht sehen, was sie als ihr eigenes ansehen. Was soll ich sagen? Wenn sie ein Geschenk nicht machen möchte und dazu einmal lügt, ist es eine kleine Sache. Die Fortsetzung davon hat dann aber womöglich auch den Anteil derer, die auf dem Geschenk bestehen und immer wieder nachfragen. Gelassenheit, das bräuchte es hier...

Beim Geiz scheint es hier nicht um eine innere Haltung zu gegen, denn auch hier schützt sie, was sie als ihr wichtiges, berechtigtes, ja heiliges Anliegen sieht, eben den Bibelkurs. Man kann etwas schlimmes tun aus gefühlt guten Gründen.

Sie wird da durch müssen und ihr müsst das auch. Ich hielte die Verbindung über alle Schwierigkeiten hinweg. Es geht nicht um die Übereinstimmung von Meinungen, dir kann es nicht darum gehen. Frank wird vielleicht die innere Verfasstheit sehen können und nicht bloß die verweigerte ausgestreckte Hand.

Das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen, das wäre mein Trost. Es gibt womöglich keinen anderen und ein zahnloser Trost ist das keineswegs. Die Zeit kann ein mächtiger Verbündeter sein und auch ein mächtiger Sortierer der Dinge. Dir alles gute, schocky


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 18.03.2013, 14:56 
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Lieber Schocky,

wie schön, von Dir zu hören.....

Natürlich, andere Probleme von anderen Menschen helfen mir da eher wenig, außer vielleicht, als Orientierung für mich selbst. Ich hab ja das Problem, mein Kind? eher nicht.

Lügen? Hmh, das ist so eine schwierige Sache, grad bei uns. Da gab es ja diverse Aussagen von Oma etwa "Mama lügt Euch auch nur an, sie ist nur so geschickt, das ihr es nicht merkt" und dergleichen mehr, von daher spielte Wahrheit bei uns immer eine ganz besondere Rolle - und es gab einmal das Versprechen "ich verspreche Euch, immer die Wahrheit zu sagen - ich werde Euch nicht alles sagen, aber ich belüge Euch nicht." Und das gab es im Gegenzug dann von den Kindern auch. Deshalb schmerzt es mich persönlich - um so mehr. Nie gab es böse Worte für Verfehlungen, nur ein darüber reden, was es mit uns macht und das Suchen nach einem guten Weg für alle Beteiligten, aber Lügen? Nicht das ich mich erinnere, je meine Kinder belogen zu haben - außer in der Sache mit dem Weihnachtsmann. Aber die zählt wohl eher nicht.

Das Geschenk ist das Geburtstagsgeschenk für ihre Schwester, sie wollte es machen und sie war bislang auch immer diejenige die es ansprach.... Die Schwestern sehen sich nicht oft, seit sie zur Bibelschule geht. Dort gibt es eventuell alle 4 Wochen ein freies Wochenende, das ist schon wenig, so war sie dies Jahr erst zwei mal hier, auf dem Weg von einer Freundin zur Schule und dann ein paar Tage als sie krank war, und klar, wenn mein Mittelchen dann herein kommt, fragt es natürlich nach, das finde ich legitim und in Ordnung. Sie durfte sich ja etwas wünschen und freute sich entsprechend darauf. Wenn die Große nun kein Geschenk machen möchte - dann hätte sie das sagen müssen, aber nicht "hab ich vergessen" - "schicke ich Dir" - "kann Mama Dir ja mitbringen, wenn sie mich heim fährt" um dann, 8 Wochen später zu sagen "Stell Dir mal vor, die haben es mir gar nicht geschickt, ich bestelle es neu und lasse es gleich an Dich schicken...." Da ist aus einer Lüge, die vielleicht klein war "ich hab es vergessen" eine große und mehrfache geworden und nein, da fehlt mir das Verständnis - aber komplett.

Sie selbst nimmt ja gern an und hat da keine Bedenken..... und das Verhältnis zwischen der Gabe ihrer Schwester (der Beitag zur Israelreise) und ihrem Geschenk (das nun weg fällt, weil mein Mittelchen darauf verzichtet hat) lag etwa bei 10 / 1. Unschön..... finde ich das.

Menschen die lügen - derartig lügen, habe ich nicht in meinem Freundeskreis, möchte ich behaupten. Natürlich, irgendwie lügt vermutlich jeder mal, aber früher haben wir gezankt bis auf Tränen, weil sie sich geweigert hat, am Telefon zu sagen "Mama hat grad keine Zeit, sie ruft zurück" sondern meinte, ja, ich darf nicht lügen und sagte "Mama hat grad keine Lust auf Dich, versuchs doch später mal....." und dann so was? Das passt für mich gar nicht zusammen.

Die Verbindung um jeden Preis halten - wo beginne ich mich zu verbiegen und etwas zu unterstützen, an das ich nicht glaube und für das ich mich nicht hergeben werde? Wo ist der Punkt, an dem sie nicht mehr kommen wird, weil wir ein gottloses Haus sind? Natürlich ist das Spökenkiekerei, irgendwie, aber es ist doch meine Furcht. Spätestens wenn sie mal jemanden kennen lernt, aus diesen Kreisen, für den wir mit Sicherheit ein gottloses Haus sind - was dann? Sie wird ihrem Mann gehorsam sein wollen..... na gut, darum geht es heute nicht, von daher will ich auch nicht Panik schieben.

Frank ist traurig, aber er kennt natürlich mehr "einfältige" Menschen als ich und zuckt mit den Schultern, ich hingegen bin da eher außer mir..... niemand würde in mein Haus als Freund geladen werden, der nicht bereit ist, Frank die nötigste menschliche Höflichkeit entgegen zu bringen, und grade mein Kind verweigert dies und ich stehe dazwischen? Ja ja, sie wollte mich nicht verletzen, keine Frage, das tut ihr entsetzlich leid, aber deshalb reicht sie Frank noch lange nicht die Hand und er ist in ihrem Leben auch immer einer der Menschen gewesen, die für sie da waren, wann immer es nötig war. Wenn ich morgen überfahren werden sollte, stände er drei Stunden später hier und wäre für meine Töchter da - so einen behandelt man nicht so schlecht, nicht, wenn man Christ ist....

Uns fehlt Leichtigkeit, Lachen, zusammen Schönes zu erleben - weil sich bei ihr alles ums Christsein dreht und um einen christlichen Umgang miteinander und das sie nicht christlich handelt, so wie sie handelt - das sieht sie ganz anders. Da ist keine ausgestreckte Hand denjenigen gegenüber, die vielleicht Hilfe bräuchten, da ist nur die Strafe Gottes (HIV) für diejenigen die eben nicht gehört haben. Damit kann ich grad nicht umgehen......

Da ist ein AugenandieDeckeverdreh wenn der Liebste und ich etwas sagen, das ihr und ihren Gedanken und Glaubenssätzen widerspricht, Du glaubst gar nicht wie oft das im Alltag vorkommen kann.... und es tut jedes Mal weh. Wir kommen uns mehr und mehr einfältig vor und unzureichend.... mitleidig belächelt. Abgesehen davon, das ihre Schwestern damit auch ihre Probleme haben, finden der Liebste und ich immerhin bisher ein Auskommen damit. Aber mir fällt es zunehmend schwerer.

Um jeden Preis? Ich glaub, ich kann das nicht..... oder sagt mir jemand, wie ich es können kann?

seit vier Jahren tröstet man mich, ehrlich gemeint, das weiß ich, "das gibt sich vielleicht wieder" oder "ach warte mal, sie ist ja noch so jung" aber glaub mir, vier Jahre können sooooo lang sein und momentan sehe ich wenig Licht.

Ansa*traurig*

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 19.03.2013, 22:51 
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Liebe ansa,

jetzt will ich doch noch einmal meine Gedanken zu deinen dazu legen. Ganz leicht fällt das nicht. Wenn es um innere Überzeugungen geht, da werden wir leicht zu "Talibans", die streng nach richtig und falsch sortieren und ein wägendes Hinsehen ist schon fast Teufelswerk. Ich habe dafür übrigens Verständnis, ich bin selbst so sozialisiert worden. Aber gut, wir sind alle so, wie wir sind, und ich sage jetzt hier meins ganz ohne kämpferische Absicht.

Zum einen: ich finde, dass sich Kinder von den Eltern abwenden können und manchmal auch müssen, dass aber Eltern sich nicht von ihren Kindern abwenden sollten. Eltern und Kinder, das ist eine von Anfang an ganz unsymmetrische Angelegenheit. "Der Klügere gibt nach" und gibt dem anderen immer wieder eine Chance. Auf einen Platz im Haus der Eltern soll für die Kinder dauerhaft Verlass sein. Nicht, um dort die Eltern terrorisieren zu können, aber um dort einkehren zu können, ein zivilisiertes Verhalten mal voraus gesetzt. Unterschiedliche Meinungen sind kein Hindernis und etwa eine demonstrativ-bockige Haltung auch nicht.

Zum anderen und da sind wir an einem noch schwierigeren Punkt: auch bei Episoden des Lügens wie auch sonst gilt in liebevollen Verhältnissen primär nicht, was einer tut, sondern warum der es tut.

Ich habe ja schon gesagt, dass wichtige Lügen oft zum Schutz eines Anliegens geschehen und zwar eines wichtigen Anliegens. Klar ist dabei, dass normalerweise der "Schwächere" zu solchen Lügen greift, denn der weiß sich womöglich sonst nicht zu helfen. Kinder erleben die Eltern oft und zu Recht als weit Überlegene, die besser zu argumentieren wissen und auch die Regeln festlegen. Ist dann nicht ein strenges nicht-lügen-dürfen irgendwie auch ein Instrument der Macht des "Stärkeren"?

Beispiele für das, was ich meine, können einem viele einfallen. "Hast du mit X geschlafen", fragt vielleicht die Mutter ihre erwachsene Tochter und was kann sie antworten? "Das geht dich nichts an" ist so gut wie ein Ja, denn ein Nein, wenn es denn stimmte, wäre ja willkommen und könnte ohne weiteres gesagt werden. Und so wird passieren, dass Menschen, die ihr Wissen schützen und für sich behalten möchten, notfalls lügen, zumal wenn sie denken, dass sie ein Recht auf dieses Zurückhalten haben - ein Recht, was die andere Seite durch ein Lügen-Tabu faktisch zu durchbrechen versucht.

Im konkreten Fall dürfte das dominierende Element sein, dass deine Älteste eben die Verankerung in ihrer religiösen Gemeinschaft sucht, wovon sie weiß, dass du und andere vehement dagegen sind. Ich verstehe deine Gefühle dazu völlig, aber verstehe auch ihre Situation. Herunter gekocht auf das Geschenk heißt das, dass man das als eine vergleichsweise kleine Sache ansehen kann, die einer objektiv notwendigen Sparsamkeit im Wege steht und erst durch das "Insistieren" auf der einen Seite und durch das Ausspinnen von Entschuldigungen auf der anderen Seite an Gewicht gewinnt. Der Klügere gibt vielleicht doch besser nach...

Ich finde das gut und fast unvermeidlich, dass sich Menschen in guten Tagen und gerade am Anfang der Liebe die Zusage geben, sich "immer die Wahrheit" zu sagen. Es ist aber womöglich klug zu wissen, dass sich das nicht in voller Reinheit durchhalten lässt, außer die Liebe wäre nur von kurzer Dauer . Ich finde, dass wichtiger als alle Normen ist, was dahinter steht: eben Liebe, und dann vielleicht Rücksichtnahmen auf Empfindlichkeiten und auch auf eigene berechtigte Interessen. Am Ende käme ich dann immer wieder zu dem "warum sagt der das" und, wenn nicht alles schon kaputt ist, zu Verständnis und Barmherzigkeit.

Oder um es kurz zu sagen: lügen ist immer problematisch und eine absolut verstandene Erwartung, dass es keine Lügen geben darf, ist es auch. Die zweite Hälfte dieser Erkenntnis ist allerdings weniger populär als die erste und auch das ist mehr als verständlich. Meine 2 Cent für heute. schocky


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 00:58 
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Olympiareiftipper

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Liebe Ansa, jetzt hab ich mich eigens hier angemeldet, um dir zu antworten. Ich hab zwar die letzten Tage immer mal hier gelesen, bin aber leider noch nicht darüber gestolpert, wie alt deine Töchter sind. Bestimmt steht's irgendwo, aber ich vermute, im höheren Teeniealter? Also ganz schnörkellos: Versetz dich mal in ihr Alter und frag dich, was, wenn überhaupt irgendwas, dich - von Knall auf Fall? - so dermaßen hätte verblenden können. Also, ich muss da nicht lange überlegen. Du?

Und wer so hundsmiserabel lügt, zeigt doch, dass er null Übung darin hat. Ist doch auch wieder sympathisch.

Na ja, ich wollte dich nur ermutigen, da mit ganz gesundem Menschenverstand - und Humor - ranzugehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 07:40 
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Championtipper
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Guten Morgen Schocky,

zugegeben, natürlich ist an dem, was Du schreibst, etwas Wahres..... klar, Eltern sollten sich nie von ihren Kindern abwenden - aber, vielleicht (und der Gedanke tut sehr weh) müssen auch Eltern einen Punkt haben dürfen, an dem sie etwas nicht aushalten können - oder wollen - oder müssen?
Ich muss mich nicht schlecht behandeln lassen, das steht niemandem zu - auch nicht im Namen des Herren, ich schaffe es nicht, zu dulden, das Gäste und Freunde meines Hauses schlecht behandelt werden.

Ich möchte es auch nicht auf die Lügen herab brechen, sondern das war einfach ein Beispiel - wie es sich entwickelt. Ich weiß warum Menschen lügen -und was sie dazu bringt. Ich weiß auch, das sei mit ihrem Geld machen kann was immer sie will (da haben wir ihr noch nie reingeredet) und das es etwas Positives ist, das sie ihr Geld für etwas zusammenhalten kann. Alle Dinge haben zwei Seiten, die ich durchaus wahr nehme. Es war auch nie eine absolute Forderung von mir "nicht zu lügen" sondern ein Versprechen meinerseits... und eine Bitte, das im Gegenzug genauso zu halten. Vertrauen ist uns schon wichtig, uns aufeinander verlassen zu können - grade bei dem Vater meiner Mädchen - war immer wichtig. Ich wollte nie aufbauschen - die Tatsachen sind schon schwer genug.

Natürlich geht es hier um mehr, vieles hätte ich ausgehalten, sämtliche Jugendkulturen die es da so gibt, hätten mich wissen lassen (nach allem was ich weiß) - das geht vorbei.... dies hier nicht. Dies hier ist eine Lebensphilosphie die mich ängstigt.

Weißt, ich hab meine Kinder humanistisch erzogen, so ist mein Weltbild, "der Mensch ist von Natur aus gut" und so arbeite ich - mein Leben lang. Wir haben Museen besucht und ich hab das Anliegen gehabt, meinen Kindern eine gute Allgemeinbildung zu ermöglichen. Ich hab`s Kindgerecht getan, also Steinzeitmuseen etwa dann aufgesucht, wenn dort Festivals waren und die Zeit, sozusagen durch Museumspersonal lebendig wurde. Wir haben viele Dokus gesehen, immer alle gern und freiwillig... und nun hab ich eine Tochter die da sitzt, die Welt wurde in 7 Tagen erschaffen, Evoulution ist Teufelswerk und die Dinosaurier sind die Tiere, die Noah nicht auf die Arche gefolgt sind - und das glaub ich, weil ich es glauben will - alle Wissenschaft irrt einfach - die sind nicht christlich. *seuftz* Das liest sich soooo leicht und ist so schwer.

Mein Kind findet die Geschichte mit der jungen Frau in Köln (das von zwei Kliniken abgelehnte Vergewaltigungsopfer) richtig, sie hätte auch so gehandelt, man müsse mal darüber nachdenken, ob sie überhaut anständig gekleidet gewesen ist. Verstehst Du, dass das schwer auszuhalten ist?

Klar, sie muss sich abgrenzen, das durfte sie auch immer - das darf sie auch jetzt. Der Liebste und ich finden auch, wenn sie dort glücklich ist, (und das ist sie, so sieht es für uns aus) dann ist das für sie gut und richtig, aber wir müssen es nicht mögen und wir werden uns nicht verstellen und ihr sagen, das wir das lieben - was sie einfordert..... selbst das kann ich verstehen - aber wenn es um eine Loslösung von uns geht - ist auch klar, dass das gegen uns ablaufen muss und nicht durch "Du machst das so toll" besser wird.


"hast Du mit x geschlafen...." *grins* hätte ich meine Tochter nie nicht gefragt, das sind Dinge, die mich nichts angehen..... Wir gehen hier schon sehr anders miteinander um, als viele Familien. Ich hab meine Kinder immer ermutigt, ihre Wege zu gehen und nie gemeckert oder gesagt "hab ich ja gleich gewusst" wenn sie zurück kamen.... Lebenserfahrungen kann ich ihnen nicht mitgeben, aber ich kann ihnen hinterher beim Betrachten helfen. Bei uns, erinnere Dich, ich "lebe" Rudolf Dreikurs gilt vor allem eines Gleichwertigkeit oder wie es Jesper Juul nennt "Gleichwürdigkeit" - keine Gleichheit, das geht natürlich nicht, aber die Belange des Einzelnen waren immer gleichwertig zu meinen.

Im konkreten Fall erleben der Liebste und ich das Gehabe von Menschen die sich einer elitären Gemeinschaft zugehörig fühlen und die dadurch glauben (und auch so handeln) das die anderen Menschen weniger wert sind.... wir sind Sünder und mit denen geht man anders um. Mein Kind hat ja durchaus Probleme mit Empahtie - das kann sie nicht, sich in andere einfühlen - und so bekommen wir ihre Überheblichkeit ganz ungeschminkt mit. Was es nicht leichter macht.

Es gab da den Fall das sie nach Hause kam und zu ihrer Schwester sagte "Du bist vielleicht ne Schlampe, ich schäme mich für Dich und SO kommst Du nie in den Himmerl!" Was war passiert? Mein Mittelchen hatte grade seit 4 Wochen einen neuen Freund (mit dem sie heute zusammen lebt) und natürlich ist in der Glaubensgemeinschaft meiner Tochter eine sex. Beziehung vor der Ehe verboten. Mittelchen tobte, weinte und litt (sie ist sehr sensibel und möchte eigentlich mehr die Anerkennung ihrer Schwester als sowas...) und meine Große sagte "wieso soll ich mich entschuldigen, DAS ist meine Meinung, die kann ich sagen und das muss ich auch, denn alles andere wäre Lüge und das darf ich nicht tun." Tja.... zwei Jahre später hat sie sich entschuldigt, so lange schwelte das.... unter den Schwestern. Aber nicht für ihre Worte - nur dafür, das sie ihre Schwester so verletzt hat, denn das, wollte sie nicht, drehte sich um und murmelte "und ich hab doch Recht damit." Das ist natürlich nicht so hilfreich..... und ehrlich in sehe mich nicht in der Lage solche Vorkommnisse immer zu verkleinern und zu erklären und nichtig zu machen, denn das sind sie nicht, nichtig. Sie meint das so und ihre Freundinnen auch...

Noch haben der Liebste und ich ja auch nicht vor, unser Kind zu verlassen, ich habe eher Furcht, das sie eines Tages gehen wird. Und bis dahin suche ich ja einen Weg, damit umzugehen, das auszuhalten und - na das suche ich hier, kluge Menschen, denen etwas dazu einfällt.

Diskutieren geht nicht, weilsie halt irgendwann da steht, eine Bibelstelle zititert und sagt "ich weiß aber, das es so ist, es steht hier....." andere Bibelstellen, in denen etwa bestimmte Kleidung gefordert wird, werden dann aber glatt übersehen.... tja.

@ Miss Trixie,

danke für Deine Anmeldung, meine Töchter sins 16, 19 und 20, meine Große hat eine abgeschlossene Ausbildung zur Erzieherin. Sie ist eine junge Frau die uns in soweit nur Rechenschaft schuldig ist, da wir sie finanzieren.....d.h. sie bekommt von uns und Papa Unterhalt. Während Papa meint, sie könne damit tun und leben was sie wollte sehe ichd as durchaus anders. Selbstständigkeit ist mir immer ein hohes Gut gewesen und mein Ziel.

Was sie so verblenden konnte? Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft die sie nie in Frage gestellt hat, die sie mit offenen Armen aufgenommen hat und in der sie einen Platz hat, das Gefühl etwas Besonderes zu sein, eine elitäre Gruppe halt, die besser ist, als der Rest. Eine sehr intensive Einzelbetreuung die sie dort erfährt - bis hin zu Aufarbeitungen ihrer Kindheit und Traumata. Ich weiß, das es dort solche Gespräche gibt, sie mag nichts darüber erzählen, aber ich höre, das ihr das sehr wichtig ist. Sie glaubt ganz fest, wenn sie nur treu zu Jesus hält wird ihr nie etwas Böses geschehen. Ich wünsche ihr, wirklich von Herzen, das sie das auch so erleben darf.

Und natürlich die ausdrückliche Abwendung von Papa und seiner Esoterik (das ist ein Thema für sich) hin zu Gott. Ich schließe ein Abwendung von uns, aufgrund eigenen Erwachsenwerdens nicht aus....

Da Du nach mir gefragt hast.... eher nichts, ich bilde mir gern eine eigene Meinung und folge nicht blindlings irgenwelchen Aussagen, die mir schlüssig erscheinen. Das war schon immer so, ich gehörte eher zu denen, die fragten "warum?" und eine Antwort "das ist so!" hat mich nie fasziniert. Ich halte es da eher mit folgendem Satz "wir müssen uns nicht einigen, nur verstehen" und genaus dies Verstehen für uns und andere geht meiner Tochter grad völlig ab.

Humor? Wenn die eigene Tochter um Dispens in einer Gemeinde, zu der ich nicht gehöre, für mich bittet, weil ich ja geschieden bin? Das allein ist Gottlos und ich hab nur Glück gehabt, das mein Mann fremd gegangen ist, sonst wäre mein Verhalten auch gottlos gewesen. Oh mein Gott, da sträuben sich mir echt die Haare.... auch wenn sie nun beruhigt ist und meint, ich sei zwar Heidin aber eine Gute, immerhin hätte ich ja alles versucht, die Ehe aufrecht zu halten. Na bin ich aber froh... Und das ich evangelische Christin bin? Nö, die werden nicht anerkannt, die Evangelikalen wollen auch keine Ökumene haben. Null Toleranz. Nicht lustig....

Ne, ich finde daran nichts zu lachen, denn die Evangelikalen nehmen das Todernst. Und so wie ich mein Kind kenne, wird sie eher ihr Lügen vervollkommnen und sich dafür entschuldigen, das sie nicht wollte, das wir das so mitbekommen, als Einsicht zeigen. Hmh..... Ich werde ihr auch keine Vorwürfe machen sondern sie vermutlich einfach fragen, ob ihre Reise nach Israel es wert war, ihre Schwester und uns so zu verletzen? Dann kann sie überlegen, was sie dazu sagen will. Oder ich sage nichts dazu, noch hab ich mich nicht entschieden.

Mein Gesunder Menschenverstand sagt im Übrigen das genaue Gegenteil zu meinem Herz. Und genau darum geht es hier. Um meine Möglichkeiten das auszuhalten.... Verletzungen weg zu stecken und nicht ernst zu nehmen, wo ich doch meine Kinder immer SO ernst genommen habe soll ich das nicht tun? Das geht irgendwie nicht, oder weiß jemand von Euch wie man das macht? Für mich prallen hier grad Dinge aufeinander die ein Chaos in Ethik und Moral hervor rufen.

Liebe Grüße an Euch zwei und erst einmal Danke
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 08:30 
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Registriert: 30.07.2008, 20:40
Beiträge: 3164
liebe ansa,

also, ich bin über diese Verdachtsdiagnose "Asperger" gestolpert und denke mir, wenn es einen Verdacht gibt, und wer will das, solange es Zweifel gibt schon gerne diagnostisch festtackern mit so einem Wort, trotzdem gehört Einiges dazu, einen solchen Verdacht überhaupt auszusprechen wiederum....
Wenn es also aber offensichtlich Züge in ihr gibt, zumindest in ihrer psychischen Grundstruktur, dann fällt mir dazu ein, dass diese Menschen eine für uns eher überstrukturierte Welt brauchen, um sie auszuhalten.
Und was ist eine solche Gemeinde anderes, als eine vollkommen enge, klare Welt, in der eindeutige Regeln herrschen, die sie nutzen kann, um sich selbst zu strukturieren und das innere Fülle-Chaos, was man in diesen Menschen vermutet, wenn ich da richtig informiert bin, zu bändigen.

Das heisst, ich würde an deiner Stelle da psychologisch abstrahieren und das Ganze aus einer eher therapeutischen Sichtweise angehen.
Sie braucht dann dringend Ordnung.

Ich denke, du wist auf dich auf der inhaltlichen Ebene nur verschleissen, denn da wirst du im Moment nicht viel erreichen.

Aber wenn du es auf eine strukturelle psychologische Ebene "runterbrichst", dann kannst du sie zumindest besser verstehen und trotz allem <Mitgefeühl für sie entwickeln.

Ich weiß, jetzt kommen wahrscheinlich tausend abers von dir, aber ich denke, diese Distanz plus Mitgefühl ist das einzige, was die in der Situation innerlich im Augenblick bleibt.

liebe grüsse, pamina :)

_________________
Dann, ja dann müsste alles aus dem Gleichgewicht kommen und die Welt in ein Chaos sich verwandeln, wenn nicht der nämliche Geist der Harmonie und Liebe sie erhielte, der auch uns erhält.

(Susette Gontard)


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 09:28 
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Liebe Pami,

Danke - das Du michd aran erinnerst, und nein, es kommen keine 1000 abers sondern nicht mal eines...

Meine Große war schon immer sehr von ihrem Verstand geleitet, sie fiel tatsächlich in der Schule auf, konnte wenig bis keine Freundschaften halten, kam immer besser mit Älteren zu Recht. Ich mache mir den Vorwurf, es nicht "bemerkt" zu haben.

Zu Beginn suchten wir Hilfe in der MHH, dort fand man heraus, das sie übedurchschnittliche intelligent ist und erklärte uns, das wir uns auf soziale Defizite einstellen müssten - das war eine Erklärung, mit der ich heim ging, sozusagen..... später kam die Trennung von ihrem Vater und die Beratungsstelle, in der ich Hilfe suchte, sagte "oh - das ist ganz normales Verhalten von Trennungskindern in schweirigen Situationen" auch damit konnte ich gut heim gehen. Noch später war es dann die Pubertät, da weiß man je heut ganz gut, was bei den Jugendlichen so los ist und dann, dann sollte es eigentlich besser werden - wurde es aber nicht und als ich in meinem Praktikum mit Aspergern in Berührung kam und mehr darüber erfuhr, durch eine Freundin zu einem Vortrag eines Aspies ging (mit meiner Tochter) da erkannte ich vieles wieder, sie übrigenes auch.... was uns "merkwürdig" anmutete fand sie total logisch.... da wohnte sie aber bereits für sich allein.

Sie informierte sich, machte Testes in Selbsthilfegruppen, die allesamt als Ergebnis hatten "mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie betroffen, bitte wenden sie sich zur Abklärung an einen Facharzt", sie sprach mit mir über ihre Wahrnehmungen etwa, das sie nicht erkennen könne, warum jemand weint - das sie halt nur "wisse" das die meisten weinen, weil sie traurig sind. Sie begann über sich nachzudenken und las entsprechende Bücher uns sagte "endlich versteht mich jemand...... ich hab immer gedacht, mit mir stimmt etwas nicht."

Sie machte einen Termin in der MHH, Wartezeit über ein Jahr, woanders wollte sie nicht hin, das seien in Deutschland die Besten. Das haben wir akzeptiert und unser Verhalten ihr gegenüber umgestellt. Das Jahr war vorbei, sie sagte, "ich ruf mal an, müsst ja jetzt dran sein" und erfuhr, das sie immer noch über ein Dreivierteljahr warten müsse..... woanders? never und dann begann die Bibelschule.

Das sie in der Gemeinde die Enge schätzt, die strengen Vorgaben, das klare "gut" und "böse" und das sie Schweirigkeiten mit "grau" hat - das sehen der Liebste und ich ganz klar, für SIE ist das ein guter Weg, sie lebt im Bibelzentrum aber auch sowas von streng reglemeniert, wie es eine Familie nicht bieten kann, dort gibt`s feste Zeiten für alles und jedes und die Lehrer treffen für ihre Schüler Entscheidungen, die ich mit 20 niemals akzeptiert hätte. Sie fühlt sich dort wohl und hat plötzlich keine Probleme mehr. Ihre Aussage "ich bin nicht behindert, also geh normal mit mir um" und wenn wir das tun, kracht`s aber gewaltig, weil sie das nicht kann. Sie will keine Untesuchung mehr, alles wäre schön. Mein Wunsch, selbstständige Kinder aufzuziehen kollidiert mit ihrem "sag mir was ich tun soll und alles ist gut" - ich hab Probleme damit einer 20jähringe zu sagen, was sie tun soll.... es ist ihr Leben. Gut, nun erwarte ich Frank z.B. gegenüber Akzeptanz - was sie nicht will und sich heraus windet. Meine Bitte, doch die Untersuchung wahr zu nehmen (mehr als bitten vermag ich nicht mehr, sie ist erwachsen) weil ich mich so um sie sorge, weist sie ab.

Die Zusammenhänge sind mir, logisch betrachtet klar - emotional aber könnt ich sowas von weinen..... Verstand und Herz stehen einander gegenüber. Auch ich kann nicht alles hin nehmen, ich will es lernen, keine Frage, es geht um mein Kind, das ich wirklich sehr sehr liebe..... aber es geht auch um mich und den Rest der Familie, wir alle müssen lernen, mit ihr umzugehen. Das kann aber nur funktionieren, wenn sie es im Gegenzug auch tut, oder täusche ich mich da?

Wir, als ihre Familie sind die einzigen Menschen m it denen sie nun noch Kontakt hat, außerhalb der evangelikalen Glaubensrichtung. Das macht es schwer, seit ihre Ausbildung vorbei ist gibt es nur noch Gemeinde und Menschen aus dieser. Das wird anders werden, wenn sie ins Studium geht, aber noch will sie ein Jahr verlängern, was ich überhaupt nicht schätze, aber das ist ein anderes Thema.

Und nun merke ich, das ich nicht immer logisch heran gehen kann, psychologisch Abstand halten kann, weil ich auch nur ein Mensch bin, Mutter.... ich kann mein Verhalten verändern, im Umgang mit ihr und das tun wir auch und das tut uns sehr gut, aber alles kann ich einfach nicht weg stecken. Ich mein, zu Freunden und meinen anderen Kindern zu sagen "mach Dir nichts daraus, sie ist behindert" ist ja keine Hilfe, mag ich ohne Diagnose auch nicht tun und vielleicht ist das alles nur ein länger dauernder Prozess? Es gibt keine Diagnose nur einige begründete Verdachtsmomente.... und unseren veränderten Umgang, aber ansonsten stehe ich echt im Regen.

Tja und das Gemeine an der Sache, oder das Gute eben ist auch, das die Individualpsychologie der beste Umgang bei Aspies ist, ich komme mit denen im beruflichen Umfeld total gut klar... mein Kind hat viel Verhalten erlernt nur nicht verstanden, sie kommt daher ganz gut klar - im Allgemeinen und da ist so ein kirchlicher Raum und die Annahme jedes Einzelnen für sie auch hilfreich und gut.

Danke nochmal
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 09:55 
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@alle - das MHH-Wort in ansas Beitrag ist nicht überall ein Haushaltsbegriff, meint aber wohl die Medizinische Hochschule Hannover, eine sehr anerkannte Einrichtung.

@ansa - es fehlt mir in der Bibel eine Geschichte vom Verlorenen Sohn, der heimkommt und dort hochwillkommen ist ganz ohne Demutsgeste und Eingeständnis des vordem verlorenen Lebens. Manchmal muss es eben auch ohne Bibel gehen... Die böse Tat hassen, aber dem Täter nicht die Liebe entziehen, das ist immer wieder ein Thema. Ich bin dafür, dass Kindern ihr Elternhaus - das Haus ihrer Herkunft - sicher ist. Jedenfalls solange es irgendwie geht. Eltern sind auch nur Menschen, aber - wenn es gut geht - starke. An der Stärke würde ich immer wieder arbeiten und dann sind wir beim anderen Thema: dass man in aller Regel nur sich selbst ändern kann, nicht andere.

Für dein Bekenntnis, selbst ein Problem zu haben, hast du ansonsten meine Sympathie. Mehr noch als für deine gewiss richtige Beobachtung der Probleme deiner Ältesten. schocky


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 10:04 
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liebe ansa,

natürlich ist es verständlich, dass du emotional im regen stehst.
daher solltest du natürlich auch genauso für dich mitgefühl haben!
das eine schliesst das andere ja auf keinen fall aus.

nur, der inhaltliche kampf, das ringen mit dem "warum nur", das also letztlich NICHT-akzeptieren-können und die abwehr der situation gegenüber, die darin steckt, ich denke, das macht einen grossen teil deines leids aus.
auch das ist verständlich, aber letztlich eine frage des beharrenden verstandes (völlig egal, ob er humanistsich gesehen sogar recht hat, es geht um das leid, was der er auslöst), während die gefühlsmässig intuitive gesamtschau auf den menschen und seine beschaffenheit vllt doch mehr wege öffnen würde für verstehen und weniger leid.
und gar so wenige verdachtsmomente sind es glaube ich auch wieder nicht, wenn sie selbst sich darin so gut beschrieben sieht und eben auch diese form von lebensstruktur wählt?

was würde es nützen, wenn sie den termin wahrnimmt, und die diagnose erhärtet würde oder auch nicht und sie weiterhin als subbetroffene gelten würde?
die diagnostiziererei ist etwas, womit sich fachleute besonders dann lange und ausgiebig beschäftigen, wenn ihnen therapeutisch im grunde nicht viel einfällt. wage ich zumindest in diesem bereich zu behaupten.
in vielen anderen aber auch.
eine diagnose zu haben bedeutet dann zumeist nur, dass die betroffenen eine struktur und identität darin finden (" die chef-professoren haben herausgefunden, ich BIN asperger"), was ihnen eine gewisse form von sicherheit und gesellschaftlichem gehaltensein bietet. das ist ich-stärkend in erster linie.
mit diesem etikett erhalten sie einen gewissen rückhalt, aber wenn man mal ganz stur nur auf therapieansätze schauen würde, die dann praktisch anlaufen würden, und was sie abseits der identitätssicherung wirklich bringen, ausser einem bewussteren umgang damit, bin ich nicht sicher, ob deine tochter in einem programm der medizinischen hochschule hannover mehr lebensqualität rausholt als in diesem anderen lebensraum.
dann ist es das krankensystem, was hinter und über ihr stehen wird, wie gesagt, manche finden alleine das schon gut, ja.
aber vllt ist das die form von abkoppelung und ihre suche nach selbständigkeit ausserhalb der medizin-konzepte und -räume, was sie da tut.
vllt ist das ihre form von selbständigkeit, und vllt hat sie den impuls von dir gelernt? :wink:
könnte doch sein, dann erscheint ihre wahl vllt in einem anderen licht..

es gibt auch depressive, die sich allzugern in krankenhaus-und -krankenkassengestütze konzepte werfen und mit diesem etikett vor der brust herumlaufen, weil es ihnen sicherheit gibt.
frage ist, ob sie die diagnose so je loswerden...oder das vllt sogar in manchen fällen überhaupt wollen?
und dann gibt es andere, die beschaffen sich einen kleingarten oder werden öko-fanatiker, weil ihnen das besser hilft.
oder stricken und sammeln zwanghaft aber effektiv... :wink:


liebe grüsse, friederike

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 10:24 
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Lieber Schocky,

da sind wir uns, glaub ich, einig, der verlorene Sohn (oder die verlorene Tochter) gehört zu und in meine Familie, ohne Zweifel und ohne Frage und auch, ohne Vorwürfe.... aber durchaus auch mit einer Reflektion. Ich muss ihr sagen dürfen, was micht verletzt.... wenn mich früher eine meiner Töchter verletzt hat, haben wir darüber geredet, gleich, ob es "Du bist ne dumme Kuh" war (als sie klein waren) oder später, wenn sie sich im Ton vergriffen haben, ist das anders, wenn Kinder erwachsen sind? Um des lieben Friedens willen.

Und, der Gedanke kommt mir immer wieder, wann schlägt das um und wird unehrlich in allen Bereichen? Ich hab das so oft beobachtet das einer im Familiengefüge sagte "ach, der ist halt so, weißte doch, nimms nicht ernst" und ich fand das immer schlimm, Achtlos demjenigen gegenüber, den ich da nicht ernst nehmen sollte...... wie siehst Du das? Ist das eine Normalität an die ich mich doch gewöhnen muss?

Wie sollen wir sonst im Alltag miteinander umgehen? Ich kann natürlich (und ich beobachte uns dabei auch) Themen vermeiden, ich kann mit ihr umgehen wie mit einer Fremden - aber das tut so weh..... ich kann ihr keine Zustimmung geben wenn ich eine andere Meinung habe, für mich ist Homosexualität etwas ganz Normales, auch von Gott geschaffenes..... (sonst gäbe es keine Entsprechungen in der Natur) und auch das Verhalten ihrer Schwester (ohne Hochzeit mit dem Freund zusammen leben) ist für mich Normalität. Wie aber vermeide ich so etwas?

Klar, mein altbekanntes "das ist okay, wenn Du das so siehst, aber ich sehe es anders" hilft hier schon, nur mein "ich verstehe nicht, wie jemand blindlings etwas glauben will - das vorher immer ein Teil der Normalität war und das nun ohne vernünftigen Grund Gottlos ist" steht mir im Weg. Ich mir, mit allem was ich gelernt habe, finde keinen Umgang wie ich das im Alltag handhaben kann....

Sie ist einfach SO überzeugt von sich und ihrer Meinung (was ansich etwas Gutes ist) das sie sich über Andere erhebt und sie ihre Verachtung spüren lässt - sie kann das nicht ändern, ich mich aber auch nicht derartig, als das ich das reglos hinnehmen würde.... ich bin mitunter so froh, wenn sie wieder heimfährt, das ich es nicht mal mehr aushalte, sie zum Bahnhof zu fahren. Das macht mir Angst.....

Wir fahren mittlerweile zu ihr, weil wir dann absehen können,wie lange wir bleiben und mitunter sind diese Treffen auch sehr schön und harmomisch. Ich will gar nicht ständig über Glauben reden, mit wem tut man das gewöhnlich schon - aber sie will, es gibt nichts anderes, außer "mir zu nahe gehende Fragen nach meinem Inneren" die ich aber nicht mit ihr erläutern will, weil sie meine Tochter ist und nicht meine Freundin.

Du hilfst mir schon, weiter meinen Punkt zu finden. Danke
Ansa

P.S. und das hat uns ja auch immer als Familie getragen "ich liebe Dich, aber ich mag nicht was Du tust" heute ermöglicht es meinen Kindern ihren Vater weiterhin zu lieben, obwohl sie ihn ansonsten nicht besonders schätzen. Das ist auch etwas, das bleiben wird.... sie als Mensch ist okay, richtig und liebenswert. Ihr Tun hingegen..... nur trennt sich das nicht so einfach wie es sich anhört, ich kann`s weil ich das seit Jahren übe... ich halt dadurch auch einfach mehr aus. Aber ich spüre, das ich an eine Grenze komme, von der ich nicht wusste, das ich sie habe - und nein, ich freue mich nicht, sie zu finden. Weißt Du was ich meine?

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 10:37 
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Liebe Pami,

eine Diagnose würde davor schützen, das sie heute sagt "ich hab nix...." würde uns helfen, die Dinge zu erklären und anzunehmen. Es ist immer schwierig wenn eine Seite sagt "Du hast ein Problem" und die andere erklärt "Ne - ich nicht, ihr seit doof zu mir." Ich rede da auch nicht gern drüber, weil es eben, solange es keine gesicherte Diagnose ist, nur eine Vermutung von uns ist und von ihr war. ich mag Selbstdiagnosen nicht so gern, ich bin kein Arzt. Weißt, was ich meine? Also betrachten es der Liebste und ich bisher als Arbeitshypothese und damit kommen wir schon ein ganzes Stück weiter.

Weißt, wenn einer nur ein Hand hätte, würde niemand von ihm fordern, "jetzt iss aber mal anständig mit Messer und Gabel", wenn einer einer emotionale Behinderung hat, wie mein Kind, fordert jeder von ihr "jetzt versetz Dich mal in meine Situation!" Ich glaube, DAS würde aufhören, gäbe es eine Diagnose. Sicherheit für alle Beteiligten, tiefes Wissen um "Das ist so" anstatt "wieso merkt sie einfach nicht, was sie tut" zumal sie selbst momentan nichts davon wissen will.

Sie selbst sagte "ich bin ja froh, das Du das nicht gewusst hast, vielleicht hätte ich nicht so viel gelernt, weil Du das nicht von mir erwartest hättest" - das ist schon sehr reflektiert und ja, ich denke auch, da ist sicher was dran. Wenn einer emotional nicht nachfühlen kann, würde man das nicht einfordern.... jede Sache hat ihre zwei Seiten. Aber das ist ein gutes Jahr her. Das kommt, wenn die wieder in "Freiheit" lebt, vielleicht als Ansatz oder Gedanke auch wieder, aber das ist reine Spekulation.

Ich weiß auch um die Phasen, wenn einer erfährt, das er unheilbar krank oder behindert ist, die dazu gehören. Unglaube, Ablehnung, Wut und so...ist ähnlich wie bei den Sterbephasen. Aber ich möchte das nicht vermuten - lieber wissen.

Und, das ist durchaus auch etwas, das Sie entscheiden muss, ich kann wohl meinen Wunsch äußern, aber ihn nicht durchsetzen. Und wenn sie sich dagegen entscheidet müssen wir lernen, damit umzugehen, okay, da sind wir ja bei.

Ich hab`s schon bei Schocky geschrieben, es fällt mir einfach schwer, gelassen damit umzugehen und meinen Weg im Alltag zu finden. Schultern zucken und denken "mei is halt so" war nie so mein Ding, vor allem wenn es mit Verletzungen einher geht wie hier.

Danke auch Dir
Ansa

P.S.Du hast aber einen wundervollen Vornamen - vielleicht änderst das noch mal? :wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 11:16 
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kann ich nun nicht mehr ändern,ist aber auch egal. :wink:

ja, eine diagnose würde euch helfen, sicher, aber ihr vllt nicht.
sie müsste damit ein leben führen, müsste, abgesehen von eurer hilfe, die sicher da wäre,blabla, ein im alltag doch eigenes leben in dieser gesellschaft aufbauen.
und vllt ist das genau der punkt, vor dem sie evtl.sogar berechtigerweise zurückschreckt.

wenn man in der folge einer solchen diagnose oder auch subdiagnose in einem gesellschaftlichen rahmen therapie und hilfe sucht, dann läuft das meistens auf 2-3 termine, wenn es richtig gut läuft, sonst ist es auf dauer nicht mehr als einer, pro woche raus.
den rest der zeit wäre sie aufgefordert, nach den ganz normalen regeln und wirren und vor allem mitmenschlicher mega-komplexität beziehungen zu schaffen und ein leben, in dem sie im alltag möglichst nicht alleine ist.

vllt spürt sie aber, daß sie das nicht schaffen könnte.
sein wir mal ehrlich, es schaffen viele nicht und leben damit mehr schlecht als recht.
weil wir in einer gesellschaft des einzelkämpfertums leben.
wie soll sie denn eine familie gründen auf der freien wildbahn mit diesen, nennen wir es mal noch eigenarten, als frau??
wie soll das alles gehen, an einem normalen arbeitsplatz mit kolleginnen, die emotionale doppelbotschaften schicken, der übliche emotionale wahnsinn halt, der nicht vorkommen muss, aber eben doch oft vorkommt.

was sie aber nun gewählt hat, ist ein rahmen von, nehme ich zumindest an, absolut zuverläsiger gemeinschaft.
die nach klaren regeln von rücksichtnahme und verlässlichem "gutsein" funktioniert.
das ist eine lebensgrundlage und bietet auch perspektive.
das darf man ncht unterschätzen, wieviel halt solche gruppierungen gerade die mit christlichem hintergrund bieten.
und wenn man wie du in deinem alter mit partner und kindern und job in einem sozial gesicherten lebensumfeld lebt, dann kann man sich vllt immer schwerer vorstellen, wie schwer alles alleine wäre.
ganz sicher ist das so.

vllt ist sie klüger als du denkst, ich meine, bauchmässig klüger, bedürfnisorientiert klüger.

however, ich wünsche dir viel kraft,
pamina

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 13:03 
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Liebe ansa,

wir haben sicher alle verschiedene Päckchen, die wir mit uns herum tragen, im guten wie im bösen. Wo ich aufgewachsen bin, wurde ganz leicht und ganz selbstverständlich geschwiegen, wenn ein Thema verletzend hätte sein können. Ob mir das nun leicht fällt? Darauf kannst du wetten!

Ich verstehe, dass man auch anders sozialisiert sein kann, wobei "anders" keine höfliche Form von "schlechter" meint. Nur würde ich zögern, ein alles immerzu ansprechen mit offen und ehrlich gleich zu setzen. Rücksichtsvoll sein und barmherzig, das ist mir eine wichtige Größe. In deren Windschatten dann freilich auch weniger hehre Motive mitsegeln mögen. So ist das nun mal, wenn man genau hinschaut... Man tut es besser nicht, wenn man es mit der Rücksicht nicht so hat. Psychologie als Waffe eingesetzt, brr...

Aber ich schweife ab. Ich könnte mir eine Grenze vorstellen, die auch für mich erreicht würde: wenn ein erwachsenes Kind nach Hause käme und es brächte immer nur Konflikte mit, die es mit denen zu Hause in immerfort bohrender Weise austragen möchte.

Bloß so kenne ich das nicht. Es gibt eine Welt jenseits der Überzeugungen, der geteilten und der ungeteilten. Einer mag etwa über Homosexualität denken, was er will: man kann immer noch darüber reden, wie er sich fühlt in der aktuellen Debatte. Was richtig ist und was falsch, es geht doch auch immer darum, Menschen zu haben, mit denen man im Gleichklang schwingt, damit man sich als Mensch nicht einsam fühlt.

Und das ist es eben, warum ich meine, dass erwachsene Kinder ihr altes Zuhause offen zur Einkehr finden sollten: es gibt die gemeinsame lange Vergangenheit, die man mit niemanden sonst haben kann, es gibt das sich Kennen, es gibt die alten Geschichten, die sonst niemand hören möchte. Sich gut kennen, da kann man schon mal denken oder sagen, jemand sei "komisch", nur abwertend soll das nicht sein. Niemand ist überall auf der Höhe und mancher hat mehr Begabungen als andere: ihren Platz dürfen alle haben und, wenn nicht im alten Zuhause, wo denn dann?

Vielleicht gibt es dann doch einen Trost für dich. Wenn du und ihr es gar nicht mehr anders könnt, dann könnt ihr immer noch auseinander gehen. Niemand muss und manchmal ist ein ungewöhnlicher Weg der richtige ("Gott schreibt auf krummen Linien gerade"). Wenn es so sein sollte, dann wird es so sein, darum musst du dich jetzt nicht sorgen und dir schon im Vorfeld Vorwürfe machen.

Eine Karte habe ich noch im Ärmel, aber die muss nicht stechen. Ich denke halt und bin damit in einer krassen Minderheitenposition, dass die wahre Liebe in Wirklichkeit die zu den Kindern ist. Oder, mit anderen Worten: das ist die, die zuletzt geht und die am ehesten eine Einseitigkeit verträgt.

Danke für die Diskussion, mir gefallen auch die anderen Beiträgen und besonders die von denen mit den erstaunlichen Vornamen. schocky


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine Tochter.........
BeitragVerfasst: 20.03.2013, 14:27 
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Olympiareiftipper

Registriert: 19.03.2013, 23:13
Beiträge: 955
Also, ich verstehe ja, dass das Thema dazu einlädt, sich wahnsinnig gedanklich anzustrengen - ist ja auch eine blöde Situation und nicht alltäglich. Daher mein Versuch, die Sache erst mal ganz unaufgeregt anzugehen. Nee, Ansa, ich hatte da an was ganz anderes, viel Simpleres gedacht! An überschwappende Hormone. Oder anders ausgedrückt: Sie hat sich dort heftig in jemanden verguckt. Wenn sie in Kauf nimmt, ihrer - liebevollen - Sippe so zu missfallen, muss da jemand sein, dem sie hofft, mit ihrem Verhalten zu gefallen. Oder kannst du das ausschließen?

Zehr dich nicht auf mit deinen Gedanken. Deine Qualität als Mutter bemisst sich nicht an der Anzahl deiner schlaflosen Nächte. Ruhig Blut.

LG Miss Trixie


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