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 Betreff des Beitrags: Trauer
BeitragVerfasst: 14.06.2012, 08:10 
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Championtipper
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Guten Morgen Ihr Lieben,

Montagnacht ist, nach langer Krankheit aber dann doch überraschend schnell, meine Schwiegermutter verstorben. Wir waren in den letzten Tagen noch mehrfach bei ihr, der Liebste auch über Nacht alleine, um Abschied zu nehmen. Er ist gefasst und doch traurig.

Unvorstellbar, sagte er, das sie nie wieder aufwachen wird.....

Mein Schwiegervater hat sie aufbahren lassen, bei sich zu Hause und wir waren dort um Abschied zu nehmen. Das war sehr schön, weil es so würdevoll war und so ruhig -mit so viel Zeit, sich zu ihr setzen, das ein oder andere sagen oder auch nur denken und nachdenken.... sie waren weit über 40 Jahre zusammen, dafür, das es jeweils die 2. Ehe für beide war, eine unglaublich lange Zeit. Er mit zwei Kindern, sie mit 3, ein Patchworkabenteuer vor unserer Zeit. Ich erinnere mich, das sie, als ich sagte, ich habe drei Kinder, ganz zu Beginn sagte "oh wie schön..........." Das hat ihr damals mein Herz zufliegen lassen.

Am Ende kam es anders, und deshalb schreibe ich hier.... wir lebten in unterschiedlichen Welten und haben uns nicht verstanden. Ich weiß, das ich mich wirklich bemüht habe, sie zu lieben und ihr nahe zu sein, aber ich weiß auch, das mir das nicht gelungen ist. Auch weil ich nicht konnte und, bis zu einem bestimmten Grad nicht wollte. Ihrem Satz "warum redest Du denn dauernd so viel mit deinen Kindern und beantwortest ihre Fragen" begegnete ich ja noch relativ klug mit Gegenfrage "wie habt Ihr das denn gemacht?" Und ihre Antwort werde ich bis heute nicht vergessen "Wir haben einfach nicht geantwortet, irgendwann haben die Kinder aufgehört zu fragen und wir hatten unsere Ruhe." Noch heute macht mich das sprachlos....

So habe ich mit ihr eben über andere Dinge gesprochen, Kunst, Porzellan (sie sammelte altes Porzellan und war da sehr belesen), Glas - wir beide liebten schönes mundgeblasenes Glas. Es gab genug, was uns verbunden hat, nur ihren Wunsch nach Nähe dem konnte ich nicht folgen, denn Nähe stellt sich für mich ein, wenn man sein Gegenüber verstehen möchte. Das war etwas, das sie nicht wollte..... Ihre Meinung zählte und meine nicht. Auch bei gemeinsamen Übereinstimmungen war das so. Ich hab einmal eine wunderschöne Silveroverlay Vase ersteigert zu einem sagenhaften Preis und sie mitgenommen, um sie ihr zu zeigen. Sie schaute sie an, fast schon angeekelt und sagte "Na, wenn Du das magst, ich würde mir das nicht hinstellen." Da war ich traurig - ich hab nie verstanden, das man ein gemeinsames Interessengebiet haben kann und dann meint, nur das was ich sammle ist das non plus ultra, der Rest ist Schund.

Nun ist es ja so, das sie zu zwei, von den fünf gemeinsam aufgezogenen Kindern, keinen Kontakt mehr haben. Sie sind böse zerstritten, ein dritter Sohn kommt eigentlich nur, wenn er Unterstützung braucht... der vierte Sohn ist abhängig von Ihnen, und mein Liebster ist der Einzige, der seine Unabhängigkeit immer bewahren konnte. Das hat ihnen nie wirklich gefallen.... aber da will ich gar nicht drauf hinaus.

So weiß die Tochter, zu der es keinen Kontakt mehr gibt, das ihre Mutter gestorben ist, aber sie will nicht kommen, der eine Sohn weiß es nicht, keiner will es ihm sagen, er soll in keinem Fall kommen, Vater will ihn nicht sehen. Mein Liebster hat gesagt, das würde er respektieren, aber nach der Trauerfeier würde er zu ihm fahren und ihn in Kenntnis setzen, er sei der Meinung das müsse sein. Ich sehe das genauso - ich bin eigentlich der Meinung, dass das, was hier passiert irgendwo ein No GO ist. Grad vor ein paar Monaten habe ich es selbst erleben müssen, meine Exschwiegermutter ist gestorben und mir wurde verwehrt, Abschied zu nehmen, ich durfte nicht zur Trauerfeier kommen und ich sollte selbst die Karte mit der Post schicken und nicht meinen Töchtern mitgeben. Mich hat das wirklich schwer getroffen, und natülich wühlt die jetzige Situation wieder Emotionen in mir auf.

Also, zu ihren Kindern haben sie nie ein wirklich liebevolles und herzliches Verhältnis gehabt. Umso überraschter waren der Liebste und ich, das doch ein, zwei Bekannte von ihnen am Trauertag da waren und schrecklich weinten.... das mein Schwiegervater zu einer sagte "Mama hat sich immer so sehr eine Tochter gewünscht, und das bist Du für sie gewesen...." Sie hatte eine Tochter??? Und eine andere sagte, "mir ist irgendwann klar geworden, das ihr mir wie Eltern seid.... so nahe...."

Der Liebste sagte auf der Rückfahrt, "wie soll ich damit umgehen, das sie zu Fremden wie Eltern waren und zu uns.......... wie........." da fehlten die Worte. Das ist auch etwas, das unsagbar weh tun muss.... wie sehr wünscht man sich Anerkennung und Zuneigung als Kind, man erlebt, das man sie nicht bekommt und Fremde (ich nenn das mal so) bekommen das, was man sich so sehr wünscht, einfach nebenbei..... So wie an dem Tag habe ich meine Schwiegermutter nie wahr nehmen können.

Ich meinte auf der Rückfahrt "so habe ich Deine Mutter nie wahr genommen, irgendwie hab ich immer das Gefühl gehabt, sie mag keine Menschen...." "Ja" sagte er, "das ging mir auch so." Sie haben auch überhaupt keine Freunde, und selbst von den beiden Frauen, die sie heute als Familie bezeichneten, haben sie immer nur lapidar gesagt "och ja, die sind ganz nett....." Komische Wahrnehmung.

Er meinte dann, "vielleicht liegt es daran, das sie nie aufgehört haben, uns als unmündig zu betrachten...." und ich hab gemeint "vielleicht auch daran, das sie von den anderen etwas wollten........" (die eine war ihre Zugehfrau und die andere ihre Krankengymnastin) Wir wissen es nicht, es tut nur weh, mir nicht so sehr..... aber dem Liebsten natürlich. Ich weiß, aus vielen Gesprächen, das ihm das wirklich nahe geht und sehr trifft. Was hat er alles getan, um so ein Verhältnis zu ihnen zu bekommen und, es war alles umsonst. Was hab ich alles getan, um die Zuneigung meines Vaters zu bekommen? Und, es war alles umsonst. Wir waren nicht die Kinder, die sich unsere Eltern wünschten.....uns war am Ende auch der Preis zu hoch, so sein zu "müssen." Insoweit haben wir natürlich unseren Anteil daran. Und doch, sie sind bzw. waren die Eltern.

Und mich trifft es natürlich in diesem Moment auch wieder, das ich keinen Kontakt zu meinem Vater habe, und auch nicht weiß, wie es ihm geht.... einen winzigen Moment habe ich überlegt, zu ihm zu fahren, aber ich werde es nicht tun. Zu groß ist meine Angst, das er mir wieder die Tür weist... er hat ja über meine Exschwiegermutter gesagt "ich habe keine große Tochter mehr", worauf sie meinen Töchtern gesagt hat "Eure Mutter ist so eine schlechte Person, sie muss ihrem Vater so verletzt haben, das ist abgrundtief böse." Immerhin, das hat sich relativiert, da mein Vater ja auch mit meinen Töchtern umgeht, kein Kontakt, keine Antworten auf Einladungen etc. regt sich jetzt mein Exschwiegervater darüber auf "wenn er mit Ansa nicht spricht ist das ja in Ordnung, aber mit seinen Enkelinnen, DAS geht gar nicht." Na ja, ist nicht ganz korrekt, aber ich lass das mal so stehen....

So, ich wollte mir das alles mal von der Seele schreiben, der Liebste und ich werden sicher einen Weg finden, damit umzugehen.... wir werden seinen Vater neu kennen lernen, er stand, so lange ich mich erinnern kann, eher in ihrem Schatten und nun wird alles anderes werden....

Traurige und nachdenkliche Grüße
Ansa

_________________
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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 15.06.2012, 10:01 
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Olympiareiftipper
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Liebe Ansa,

irgendwie bin ich überrascht und gleichzeitig auch wieder nicht überrascht, wie oft es generell Thema ist nicht den Erwartungen zu entsprechen und sich deswegen nicht geliebt zu fühlen, sich nicht gesehen und geschätzt zu empfinden. Meine "Schwiegermutter" lässt auch nur einen schmalen Grad zu auf dem wer wandern müsste, damit sie "lieb" zu einem ist. Kleidung muss gut und billig aber adrett sein (Diskonter, Tschibo, etc. obwohl sie alles andere als arm sind), Kinder weinen halt immer in den ersten Minuten wenn sie bei den Großeltern bleiben (das tun sie nicht bei meiner Mutter), dass wir uns ein Haus kaufen ist ein Blödsinn, weil wir auf Dauer "scheitern" werden (wir sind aber Erfolgreich und voll Freude), dass ich eine Ausbildung mache - ist ein Blödsinn weil gleich Geldverdienen wichtiger ist, ... wenn sie ihre Kritik inhaltlich einmal anbringen würde, täte es ja für mich passen aber sie wird da oft nicht müde sich zu wiederholen. Dann gehe ich eine Weile auf Abstand und es passt wieder eine Zeit lang. Sie ist kein schlechter Mensch, sie hat nur viel Angst, dass etwas daneben geht und sie kritisiert nunmal für ihr Leben gern. Ich würde sogar soweit gehen, dass ich sage, sie hat eine kleine sadistische Ader die aber noch im liebenswerten Bereich ist.
Ihrem Sohn, und damit meinem Lebensgefährten, ist das nicht egal und er würde sich glaube ich schon mehr emotionale Unterstützung in Form von Wertschätzung und zurück halten jeder zweiten Kritik wünschen. Gleichzeitig ist er zum Glück mit einer großen Mutterliebe, Humor und verbalen Schlagfertigkeit ausgerüstet. Er kommt damit zurecht. In sensiblen Phasen geht er ihr einfach aus dem Weg. So wie jetzt gerade, bis der Hauskaufvertrag unterzeichnet ist. Was ihn glaub ich schmerzt ist, dass seine Schwester sehr von seiner Mutter bewundert wird. Sie war mal magersüchtig und weint leicht, deswegen reißt sich seine Mutter da sehr zusammen. Hm, aber lieben tut sie beide. Ihn meint sie halt mit Kritik besser zu unterstützen ;-) Das hat ja auch was amüsantes. Aus einem Abstand heraus. Ich überlege allerdings manchmal sie darauf anzusprechen und sie zu fragen ob ihr eigentlich klar ist, dass ihre Kritik ihrem Sohn weh tut. Ich glaube nämlich, dass ihr der Preis den sie dafür bezahlt nicht klar ist.
Was mich betrifft, geht es mir ähnlich wie dir mit deiner verstorbenen Schwiegermutter. Wir sind nicht auf einer Wellenlänge, haben manchmal im Grundsatz konträre Meinungen aber wir nehmen es wohl beide gelassen und ärgern uns halt ab und zu. Das ich sie lieben sollte, auf diese Idee wäre ich erst gar nicht gekommen. Ich finde es schön, wenn es mal harmoniert und sonst finde ich es nicht so schön und suche das Weite.
Ich selbst habe mit meiner Mutter als Mutterfigur abgeschlossen. Sie hat sich oft nicht so verhalten wie ich es mir gewünscht hätte und umgekehrt ist es wohl ebenso. So ist das Leben manchmal. Sie hat nachgedacht und sich in mancher Hinsicht geändert. Jetzt nehme ich sie als Oma war, der ihre Enkelkinder mit großer Freude entgegen laufen. das finde ich schön. ich tat das als Kind nicht. Aber es war ein längerer Prozess für mich damit abzuschließen, dass ich nicht immer die Mutter hatte, die ich gebraucht hätte. Das tat schon weh und tut manchmal auch rückblickend weh. Meine Mutter gibt einerseits viel aber sie ist auch eine Dramaqueen und da lasse ich sie einfach nicht mehr so nah an mich ran. Ich habe sozusagen Frieden gefunden. Das war ein ganz klarer Moment vor einigen Jahren und seither bin ich innerlich abgenabelt. Das hilft auch in anderen ähnlichen Situationen. Ein wenig traurig bleibt der Umstand allerdings schon. Weil es einfach traurig ist, wenn sich einander eigentlich wichtige Menschen nicht so recht sehen und wahrnehmen, Wärme spüren. Hoffen wir, dass wir es besser machen.

Liebe Grüße
S.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 16.06.2012, 04:38 
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Mittagspausentipper

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Liebe Ansa,

Ich habe meine Mutter viel zu früh verloren, und das war schlimm.

Bei mir hat sich damals das Gefühl verfestigt, dass es immer schlimm ist, seine Mutter zu verlieren. Auch wenn das Verhältniss nicht schön war. Darüber bin ich mir nicht sicher und wüsste gern Eure Meinung.

Meinem Vater geht es nun sehr schlecht. Er wird nicht mehr lange da sein und weiss das auch. Er war immer gräusslich zu uns Kindern. Ich hatte das Glück, nicht mit ihm aufgewachsen zu sein. Er ist ein Finanzmensch, und Militär, Oberst. Militärschule von Kindheit an hier in Portugal. Sehr verschroben.

Ich wollte keinen Kontakt mehr, aber nun, seit einigen Monaten hat er ihn gesucht, und gibt mir in wenigen Momenten die Gelegenheit, mit ihm zu lachen und ein wenig hinter die Fassade zu schauen. Wir haben eine Art geheime Abmachung. Wenn er fies ist, sage ich ihm, das liegt bestimmt an Deinem Bluthochdruck. Und er sagt dann, ich staune, ja, Tochter, das mag so sein.

Ansa, dass niemand dem Sohn sagen mag, dass seine Mutter gestorben ist, finde ich ganz ganz grausam. Es ist nicht Dein battlefield, aber ich finde das schlimm. Vielleicht fühlt sich Dein Liebster auch nicht wohl bei dem Gedanken.

Einen ganz lieben Dank, dass Du Deine Erfahrungen geteilt hast. Einige von uns hier müssen sich mit dem Tod eines Elternteils oder des des Partners auseinandersetzen. Und es ist immer eine besondere, ungewohnte, lebensverändernde und meist traurige Zeit.

Alles Liebe,

Ana Maria


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 16.06.2012, 11:13 
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Championtipper
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Liebe S.,

ja, das ist wohl das große Thema und manchmal frage ich mich, ob es Familien gibt, in denen es so läuft, wie wir es uns wünschen oder ob das alles bloße Utopie ist?

Für mich selbst war es ja eine jahrelange Auseinandersetzung mit den Forderungen "entsprich meinen Erwartungen und ich hab Dich lieb" Ich entsprach nicht den Erwartungen meiner Eltern, ich sollte klug sein (sie haben mich als Kind testen lassen, weil sie glaubten, mit mir stimme etwas nicht und mit dem Ergebnis konnten sie noch weniger umgehen) und das hieß für meine Eltern, "kluge Menschen passen sich an und entsprechen den Erwartungen" - aber ich stellte alles in Frage. Kompetenzen, Hirarchien, Systeme - die Aussage meines Vaters "Du bist ein Mädchen, Du brauchst keine lange Ausbildung, Du heiratest eh und musst Deinen Mann unterstützen" konnte ich selbst mit 15 nicht annehmen und natürlich fühlten sich meine Eltern missverstanden und ich mich auch.

Als ich auszog musste ich meinen Schlüssel abgeben und durfte nicht mal mehr ein Glas aus dem Schrank nehmen, während der Freund meiner Schwester meinen Haustürschlüssel bekam und dort aus und einging.... ich fühlte mich so ausgestossen.

Das alles ist mir durchaus bewusst. Irgendwann war ich so erwachsen, das ich annehmen konnte, das sie es ncht böse gemeint haben, meine Eltern. Das waren ihre Möglichkeiten, ihr Weltbild, ihre Sicht und nach ihrem Ermessen haben sie es gut gemacht. Wir haben uns dann wieder angenähert. Aber dann begann das Gleiche bei und mit meinen Kindern. Da kam ich meine Tochter abholen, die bei Oma und Opa übernachet hatte, und mir wurde erzählt, das ich mal härter mit meinem Kind umgehen müsse, sie stehe ja Abends dauernd wieder auf und so habe man sie mal eben ein bisschen verhauen, das habe ich wohl versäumt, jedenfalls sei sie dann leigen geblieben. Geht doch.

Mein Kind war eineinhalb............ ich nahm sie, sagte, das könne ich verstehen, aber sie müssten verstehen, das ich es nicht dulden würde, das jemand, wer auch immer, mein Kind schlägt und entweder sie ließen das oder sie sie könne nicht wieder hier übernachten. Das nahmen sie mir übel. Und nach dem Tod meiner Mutter begann mein Vater eben auch meine Kinde schlecht zu behandeln. Wir riefen an, weil wir in der Nähe waren, ob wir auf einen Moment vorbei kommen könnten, die Mädchen würden gern Opa besuchen und er sagte "ne, ich hab keinen Bock auf Deine Kinder, komm mal besser nicht!" Das Ganze über Lautsprecher im Auto und dann hatte ich 60 km Fahrt vor mir, mit weinenden Kindern - denn die leibten ihren Opa so, wie ich damals meinen Vater. Und so begann das auseinander zu gehen.

Das er mich so behandelt hat, okay, aber meine Kinder nicht. Vielleicht war das im Nachhinein nicht richtig, aber es war der einzige Weg, damit umzugehen, für mich. Ich habe meinem Vater immer wieder die Hand gereicht, zum Geburtstag geschrieben, ihn zu allen wichtigen Ereignissen eingeladen, Konfirmationen, meine Hochzeit - ich hab nie eine Antwort bekommen, meine Kinder auch nicht, keine Karte, kein "ich komme nicht" nichts..... also, denke ich mir, wer mir so deutlich zeigt, das er von ir nichts wissen will - dem muss ich nicht nachlaufen. Und doch tut es weh. Jedes Jahr, Ende Mai, wenn mein Papa Geburtstag hat, denke ich an ihn - ich schreibe schon lange nicht mehr - aber ich denke immer an ihn. Und bis heute verstehe ich diese Art der Ablehnung nicht.

Auf all solche Aussagen "Blödsinn ist das, weil....." habe ich bei R. Dreikurs eine Antwort gefunden. "Ich mag Dich, aber ich mag nicht was Du tust." Und ich bin davon überzeugt, das man das seinen Kindern und seiner Umgebung vermitteln kann und solange das "ich mag Dich" dabei klar erkennbar ist, wird am Ende alles gut. Das spüre ich bei meinen Eltern nicht und das spürt auch der Liebste bei seinen Eltern nicht.

Er hat einmal zu mir gesagt (na eigentlich sagt er das öfter) "das ich heute so ein beruhigtes Verhältnis zu ihnen habe, das ist Dein Verdienst, bei uns gab es immer nur "wenn Du tust was ich will, dann mag ich Dich" und Dein "ich mag Dich aber nicht was Du tust" hat mir ermöglicht sie wieder aufrichtig lieb zu haben." Das berührt mich sehr, macht mich aber auch traurig.

Und ja, ich wünsche mir von Herzen, das wir es "besser" machen mit all unseren Fehlern und Schwächen. Mir hat Dreikurs dabei geholfen und seine Individualpsychologie, es gab kein Vorbild, nach dem ich mich richten konnte, ich hab das meiste allein erlernen müssen und umgesetzt. Heute stelle ich fest, das mir seine Sicht auf die Dinge auch beim Umgang mit Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen hilft, weil sie sich vor allem ernst und gleichwertig wahr genommen fühlen. Und das ist es, glaub ich, was wir als Kinder und Erwachsene immer vermisst haben.

Jesper Juul (den zitierst Du an anderer Stelle) hat viel mit Dreikurs gemeinsam. Ich mag seine Bücher, er nennt das Gleichwürdigkeit - und ich denke, das meint, jedenfalls für mich, das Selbe. Dreikurs und Juul widersprechen einander nicht, sie schreiben nur anders, es liegen ja auch gut 50 Jahre dazwischen. Da ändern sich Erziehungsziele und Sprache, aber der Inhalt bleibt gleich.

Was ich bei meinen Eltern aber nie wahr genommen habe, und womit der Liebste nun zu tun hat, ist, das sie das, was er sich selbst so wünscht, offensichtlich anderen Menschen gegeben haben. Bei mir waren es meine Geschwister, das ist ganz okay so, aber bei ihm sind es Außenstehende, ich glaube, das schmerzt noch mehr?

Liebe Grüße und Danke für Deine vielen Gedanken
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 16.06.2012, 11:26 
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Championtipper
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Liebe Ana Maria,

Du fragt ob es schlimm ist, seine Mutter zu verlieren? Meine Mutter ist ebenfalls früh gestorben, sie war 57, das ist, überhaupt kein Alter und sie fehlt mir manchmal sehr. Ich weiß, dass das Verhältnis zu meinem Vater ein ganz anderes wäre, würde sie noch leben. Sie fehlt meinen Töchtern, denn sie hätten so sehr eine Oma gebraucht, die sie unterstützt.

Aber eigentlich habe ich erst nach ihrem Tod verstanden, wieviel ich doch von ihr gelernt habe und was sie mir vermittelt hat. Neben all dem Unverständnis (das Wort ist für mich prägend für meine Kindheit und es beschreibt treffend, mein Gefühl das ich aus dieser zurück behalten habe) war da immer auch Liebe.... manchmal nicht deutlich, aber doch, sie war da.

Ich hätte ihr gerne noch so manches gesagt.

Ich finde es wunderschön, das sich für Dich die Gelegenheit ergibt, ein Verhältnis zu Deinem Vater aufzubauen, wie nah oder fern das auch immer ist. Es ist eine Chance um Frieden zu finden und einander zu verstehen. Nicht einigen - aber verstehen und das macht, glaube ich, sehr viel aus.

Mein Liebster hat erlebt, wie sehr es mich getroffen hat, das ich nicht zur Beerdigung meiner Ex Schwiegermutter gehen durfte, ich habe 20 Jahre zu dieser Familie gehört und ich war noch sehr jung, als ich dazu kam. Sie war mir einmal sehr nahe.... ich denke, das hat seine Sichtweise auf die heutigen Ereignisse sicher beeinflusst.

Nein, er fühlt sich damit nicht wohl, deshalb vesucht er ja auch den Spagat zwischen dem Willen seiner Eltern und seiner Überzeugung zu finden. Er fährt zu ihm, nach der Trauerfeier und spricht mit ihm darüber. Und ich bin froh, das er das tut, ich finde es richtig. Ich finde, solche Dinge, wie der Tod der Mutter sind auch eine Chance auf einen Neubeginn, vermutlich hätte ich ihn an ihr Sterbebett gerufen, allein weil ich vermute, das sie auf ihn gewartet hat.... Aber solche Entscheidungen stehen mir hier auch nicht zu, mir muss nicht gefallen, was hier passiert, aber ich kann es, irgendwie, verstehen.

Danke für Deine Worte
Liebe Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 18.06.2012, 08:49 
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Olympiareiftipper
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Liebe Ansa,

du fragst dich ob es überhaupt Familien gibt, die sich gegenseitig bedingungslos geliebt fühlen? Hm. Ich glaube schon. Vielleicht nicht jede Sekunde aber doch mit einer kontinuierlich inneren Grundhaltung.
Ich finde es auch traurig, dass die Beziehung zwischen dir und deinem Vater so distanziert ist. Als ihr damals im Auto telefoniert habt, war ihm vielleicht in dem Moment auch nicht wirklich bewusst, dass auch die Kinder mithören können? Ich selbst denke auch fast nie an Freisprecheinrichtungen. Nun ja, das wird allerdings auch kein Knackpunkt gewesen sein. So wie du die Situation schilderst war das maximal eines von unzähligen Erlebnissen.
Ich habe schon öfter gehört, dass wer zu Lebzeiten ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern hatte und die Auseinandersetzung scheute, eher schlechter mit ihrem Tod zurecht kommt. Der Tod heißt ja, dass das Erlebte nun Geschichte ist und nur mehr im eigenen Kopf (vielleicht mit einem stellvertretendem Gegenüber) begriffen werden kann. Das ehemalige Gegenüber ist dann nicht mehr in der Lage zu reden oder einfach nur da zu sein und zuzuhören oder was auch immer.
Irgendwie ist sterben ja auch einfach natürlich und die Angst davor auch. Hast du eigentlich mit zunehmenden Lebensalter mehr oder weniger Angst davor die Welt einmal zu verlassen?
Ob es mehr schmerzt wenn möglicherweise Geschwister mehr von den Eltern geliebt oder ob es mehr schmerzt wenn außenstehende mehr geliebt zu werden scheinen? Wer weiß das schon. Warum stellst du die Frage?

Lg
S.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 18.06.2012, 13:28 
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Championtipper
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Liebe S.,

na ja, die Freisprecheinrichtung war eben auch an, weil die Kinder ihm, vor meiner Frage, alle "Hallo Opa..." gesagt hatten, er wusste genau, das sie zuhören. Seitdem telefoniere ich übrigens nicht mehr mit Freisprecheinrichtungen, was doch ab und an teuer ist.

Und ja, ich könnte Bände über unsere Beziehung schreiben, aber das will ich gar nicht tun, es geht und ging ja auch darum, das meine Eltern meinten, ich müsse gebrochen werden, um angepasst sein zu können und das versuchten sie psychisch und pysisch und ich weiß nur, das ich irgendwann still wurde, (das war auch einfach klüger) das es aber in mir brodelte und mein Entschluss "mit meinen Kindern gehe ich anders um" enstand etwa, als ich 9 Jahre alt war und mich vor einer anstehenden Tracht Prügel im Spielhäuschen meiner Schwester versteckt hatte... alte Erinnerungen.

Manchmal, wenn ich mich so umsehe und nach außen hin liebevolle Verhältnisse wahr nehme und dann irgendwann erfahre, das es hier ebenso knirscht, dann stelle ich mir durchaus die Frage, ob es auch andere, liebevolle Familien gibt. Manchmal nehme ich auch anderes wahr als die Betroffenen selbst und frage mich, ob meine eigene Wahrnehmung ebenso getrübt ist?

Die Sache mit de Lebzeiten und den schwierigen Verhältnissen macht mir mitunter ebenfalls Gedanken. Der Konsenz ist doch eher so "Du musst verzeihen können, mach den ersten Schritt, fahre hin, bevor es zu spät ist." Ich hab lange darüber nachgedacht. Verziehen habe ich ich, für mich, ich weiß, das sie nicht mehr vermochten, meine Eltern und das sie es nicht böse meinten. Aber dadurch wird es nicht richtiger.

Den ersten Schritt? Hab ich gefühlte 100 Mal gemacht, und ich will nicht mehr.... gedemütigt werden, abgewiesen werden.... mein Vater weiß, das meine Tür ihm offen steht und er jederzeit willkommen ist. Jeder Einladung an ihn, spricht das aus.

Bevor es zu spät ist....... hmh..... ich persönlich glaube, wenn es dannn zu spät ist, bleibt bei mir das was da ist. Liebe für ihn, ich stelle mir vor, an seinem Grab oder Sarg zu stehen und ihm eine gute Reise zu wünschen oder auch aussprechen zu können, das ich ihn lieb habe.... und an ihn denke. Und er wird mir zuhören müssen ohne mich rauszuwerfen. Vielleicht ist es dann, das ist meine stille Hoffung, vorbei? Oder zumindest zu Ende.

Du fragst mich, ob ich mehr oder weniger Angst vorm Sterben habe? Weniger - ich habe in meiner FH Zeit einige zusätzliche, sehr spannende und ergreifende Seminare mitmachen können, unter anderen auch zwei über Tod und Sterben, samt Sterbemeditation. Ich habe mich damit auseinander gesetzt. Hatte ich früher große Angst vor meinen Kindern zu sterben und den Wunsch, sie groß werden zu sehen, so ist das bereits geschehen, noch brauchen sie mich, keine Frage - aber ich habe ihnen mitgegeben, was mir möglich war und ich weiß, sie schaffen das.

Tatsächlich weniger, mehr und mehr rückt dagegen in den Blickpunkt, wie ich einmal sterben möchte. Klaren Herzens und bewusst..... das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Mehr und mehr lerne ich, das ich nicht für alles verantwortlich bin, früher wünschte ich mir "keinen lebenden Feind zu haben" heute weiß ich, das dazu zwei gehören und das ich keinen Einfluss darauf habe, was mein Gegenüber denken will. Also schließe ich die Sache von meiner Seite aus ab, ich frage mich, was hätte ich anders machen können und grad bei meinem Vater fällt mir dazu ein, ein anderer Mensch sein - aber der Preis ist mir zu hoch, ich darf ihn auch nicht nehmen, denn ich wäre nicht mehr ich. Also kann ich nichts tun, außer wissen, das ich ihn nach wie vor liebe, auch wenn ich mir das selten eingestehe.

Und die Frage nach den Außenstehenden bzw. Geschwistern, ist ja grad bei meinem Liebsten akut und beschäftigt mich daher..... es gibt da Lieblingssöhne - nichts was ich persönlich schätze. Und es gab bei mir zu Hause auch ein Lieblingskind..... Gedanken, die irgendwie dazu gehören und die mal wieder Raum brauchen um neu sortiert zu werden.

Danke, das Du mir beim sortieren hilfst.

Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 19.06.2012, 10:54 
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Olympiareiftipper
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Liebe Ansa,

die Angst zu sterben ist bei mir eigentlich auch nur wegen der Kinder präsenter. Ich schaue viel mehr auf Arzttermine und hab das "ich will für meine Kinder da sein können" einfach im Hinterkopf. Ich bin erleichtert, dass sich das wieder mal ändern könnte. Den Kindern alles mitgegeben zu haben, was einem bestmöglich ist - ja das möchte ich dann auch mal so fühlen. Denken tue ich das jetzt auch schon, weil ja in gewisser Weise eh jeder sein Bestes gibt. Fühlen kann ich das glaub ich erst, wenn die Kinder erwachsen sind und hoffentlich gut auf eigenen Füßen stehen.

Ob es nur knirschende liebevolle Verhältnisse gibt? Naja, irgendwo knirschts wohl bei jedem ab und an. Ich kann das für mich so überdenken. Ich frage mich, in welche Familie ich mein Kind geben würde, täten ich und mein Lebensgefährte sterben. Und doch, da gibt es ein paar. Allerdings sind es alles Familien, deren Leben ich nicht genau so führen würde wollen. Und die denken sich das Gleiche sicher umgekehrt. Die eigene Wahrnehmung ist sicher bei einem jedem getrübt. Ein bisschen rosarote Brille bei einem selbst macht das Leben viel einfacher. Oder hast du eher davor Angst die Dinge einem eher schlechteren Licht zu sehen?

Neben einem Lieblingskind zu aufzuwachsen tut unter Umständen weh. Bei mir hatte ich den besseren Draht zu meinem Vater und meine Schwester hatte den besseren Draht zu meiner Mutter. Manchmal wechselte es kurz. Dennoch hat der Ausgleich dazu geführt, dass es mir eigentlich nicht wirklich viel ausgemacht hat. Irgendwer sollte halt schon da sein. Ich erinnere mich auch an eine sehr, sehr liebe Nachbarin. Bei der war nur ich und ich fühlte mich recht gut aufgehoben. Ich erinnere mich, dass du mal von einer alten Frau erzählt hast. Du hast sie glaub ich nach einem schweren Autounfall kennen gelernt und sie war sehr wichtig für dich. Dürften nur Blutsverwandte Eltern Elternfunktionen einnehmen, wie arm wäre dann unsere Welt?!?

Liebe Grüße
S.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 19.06.2012, 15:12 
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Championtipper
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Liebe S.,

das ist ja etwas, das ich bereits erleben darf und dies erleben macht mich mitunter sehr glücklich, sehen, was aus meinen Erziehungsansätzen wird, wie sich diese Ansätze - die am Anfang ja sehr theoretisch waren - entwickeln und erleben dürfen, das meine Töchter ihren Weg gehen.

Das sie den Mut haben, Dinge zu tun, die für sie wichtig sind, auch entgegen meinem Lebensziel. Ich find die Bibelschule für meine Große nicht optimal, aus vielen Gründen, aber wir können einander sagen "ich verstehe Dich" oder "find ich nicht gut, aber es ist okay, weil es für Dich wichtig ist." Das ist für mich ein tieferes Verständnis im Umgang miteinander.

Das sie Grenzen haben, im Umgang mit anderen Menschen und das diese gesund sind und sie auf sich achten - heute bin ich bereiter sie zu verlassen, als ich es war, als sie klein waren. Da hatte ich immer das Gefühl - ich muss ihnen unbedingt noch sagen......... das mag auch daher kommen, das ich sie weder der Familie meines Ex noch ihm selbst anvertrauen konnte, nachdem ich wusste, was da so alles passiert. Nichts desto trotz wünsche ich mir erst einmal noch viele viele Jahre im Kreise meiner Lieben, mit dem Liebsten alt werden und eines Tages im Wohnmobil Europa unsicher machen, wenn wir in Rente gehen und all die schönen Orte sehen, und vielleicht an ihnen verweilen, die ich so gern sehen möchte. Also, ich hab da noch Pläne.

Und ja, diese Frage hab ich mir auch irgendwann gestellt, wohin würde ich mein Kind geben, bzw. meine Kinder, denn sie sollten möglichst zusammen bleiben. Ich bin froh, dass das nie akut war. Und heute weiß ich, das meine Jüngste beim Liebsten bleiben würde...... und auch, das er es ihr ermöglichen würde.

Ich hab, glaub ich, keine Angst, die Dinge in schlechterem Licht zusehen. Heute weiß ich, dass das Wichtigste Kontinuität in einer Familie ist. Regeln sollten immer gleich sein oder zumindest im Dialog gebrochen werden, aber es darf kein Hin und Her sein, das tut Kindern nicht gut. Es muss nicht so sein, wie bei mir, wichtig ist, das sich die Kinder angenommen fühlen und geliebt werden. Alles andere sind am Ende nur Möglichkeiten.

Oh ja, das war Oma Steenken...... Du erinnerst Dich richtig, sie bedeutet mir immer noch sehr viel uns stand mir, auf eine unbeschreibliche Art näher als viele andere Menschen. Man muss nicht verwandt sein, um sich nahe zu fühlen - ich denke nur, die eigenen Kinder, sollten einem näher sein, als andere Menschen - das ist aber auch meine persönliche Vorstellung von Familie. Was nicht bedeutet, das es nicht auch bei mir Menschen gibt, die mir nahe sind und viel bedeuten.

Aber bei meiner Ausgangsfrage ging es ja auch eher darum, wie "Kind" sich fühlt, wenn es zusehen muss, das die so sehnlichst gewünschte Beziehung zu den Eltern ihm verwehrt und anderen geschenkt wird. Das birgt einfach Konfliktpotential und Schmerz.

Dir liebe Grüße
Ansa

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Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 20.06.2012, 09:24 
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Olympiareiftipper
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Hm, ja, sicher ist es immens schwierig für ein Kind ein solche Benachteiligung zu verkraften. Vor allem dann, wenn sonst niemand da ist der oder die für einen annähernden Ausgleich sorgt. Was sagt das innere Kind deines Liebsten und wie geht er nun als Erwachsender damit um? Generell kann man schon sagen, dass es schwierig, hart, etc. ist - wie wer aber individuell damit umgeht,- ist eben individuell. Manche kommen erstaunlich gut mit Schmerzhaftem zurecht.
Soweit ich es verstanden habe, sagte ja die eine Bekannte auf der Trauerfeier, sie! würde die Eltern des Liebsten als ihre eigenen wahrnehmen. Das würde ich einfach mal als großes Kompliment sehen und sagt ja nichts über die Elternliebe dem Liebsten gegenüber aus. Offenbar taten sie sich leicht miteinander.
Dein Schwiegervater sagte, dass die andere Bekannte wie eine Tochter für deine Schwiegermutter gewesen sei. Und zwar die, die sie sich immer gewünscht hätte. Ich weiß jetzt nicht ob sie auch tatsächlich eine Tochter hat, die sie sich so nicht gewünscht hat. Für die! wäre das dann sicher dramatisch. Einen Bezug zu dir würde ich nicht herstellen, da es nicht geheißen hat "Du bist die Schwiegertochter die ich mir immer gewünscht hätte". Einen Wink an deinen Liebsten sehe ich in dieser Situation gar nicht, weil er ja einer der Söhne ist.
Ich finde es generell schwierig heraus zu finden ob wer wen mehr geliebt hat. Deine Schwiegermutter kann man nicht mehr fragen. Vielleicht war da was schönes in der Nacht dabei, die dein Liebster noch bei ihr gewesen ist. Deinen Schwiegervater könnt ihr noch fragen. Oft ist es ja nicht so, dass ein Kind wirklich mehr geliebt wird sondern ein Elternteil tut sich einfach mit einem Kind leichter, weil es ihm im Wesen eher entspricht. Das sagt nichts über die Qualität des Menschen aus. Das heißt nur, mit dem einen Menschen tue ich! mir leichter. Andere finden andere leichter. Kinder haben auch eine angeborene Persönlichkeit - nicht gut, nicht schlecht sondern einfach da. Die eine Persönlichkeit kommt dem einen eher entgegen, die gleiche Persönlichkeit ist für wen anderen nicht so leicht zu nehmen. Manche Eltern leiden richtig darunter, wenn sie sich mit der Persönlichkeit ihres Kindes schwer tun. Und ja, sicher gibt es Eltern die ihre Kinder nicht so wahnsinnig lieben - das wäre glaub ich allerdings nur sehr selten der Fall. Und selbst wenn es so ist, ist es im Grunde ein Unvermögen des Elternteiles. Jeder hat noch sein eigenes Päckchen zu tragen und ich bin auch erstaunt darüber, wie wenig manche Eltern an ihrem Kind hängen. Die Welt ist halt nicht nur rosig aber so schlecht ist sie auch nicht. Dein Liebster hat zwar sein inneres Kind in sich aber er kann sich nun selbst beschützen. So wie du ihn beschreibst, ist er ein "patenter liebevoller Knabe" ;-) Vielleicht hat er genetisches Glück gehabt, mit seiner Umwelt liebevoll umgehen zu wollen. Auf jeden Fall scheint er mir durch deine Beschreibung sehr verständnisvoll zu sein. Wenn der Schmerz nachlässt, wird er glaube ich alles gut für sich einordnen können. Oft ist es ja nur eine Frage der Sichtweise.

Lg
S.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 20.06.2012, 13:21 
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Championtipper
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Liebe S.,

leider ist es, allein durch unsere Lebensart, so, das wenig Zeit für solche Dinge bleibt. Der Liebste ist von Montag bis einschließlich Freitagabend unterwegs und in seiner Firma ist es grad obermässig stressig..... die wirklich schlimmste Zeit seit wir zusammen sind, ohne Übertreibung. Er kommt unter der Woche kaum dazu, über etwas nachzudenken oder dazu, die Dinge an sich heran zu lassen.

Ich kann also, in unserer gemeinsamen Zeit einfach nur für ihn da sein und auf ihn eingehen. Manches kann ich durchaus ansprechen, manches eher nicht, weil es mir auch nicht zusteht, in seinem Inneren herum kramen zu wollen, weißt, was ich meine?

Ich weiß, dass das Verhältnis zu seinen Eltern bereits sehr angespannt war, als wir uns kennen lernten und das er, sagt er selbst, durch meine Sicht "ich liebe Dich, aber nicht was Du tust" wieder einen Weg zu ihnen gefunden hat. Unterscheiden zwischen "ich liebe meine Eltern, einfach weil sie meine Eltern sind" und "was sie tun mag ich nicht." Das unterscheiden zu "dürfen" habe ihm sehr geholfen, sich ihnen wieder nahe zu fühlen.

Ich hab es am Anfang nicht leicht gehabt, ich hab doch wirklich Geschenke bekommen, unter anderem eine wunderschöne handgewebte Schurwolldecke mit der Begleiterscheinung von : halt Dich fest. Ich hab mich für die Decke bedankt und hörte, aber in einem unvorstellbaren Ton "ach wirklich, Die gefällt Dir? Trurls Ex hat gesagt "die kratzt". *insKomasink* also wusste ich zwei Dinge, a. ich bekam das gleiche Geschenk wie die Exfrau meines Liebsten und b. ich hab anders reagiert und c. diese Reaktion der Ex hat sie sehr verletzt, so, das sie nie drüber weg kam..... ich hab das nicht persönlich genommen, weil ich schon spürte, das seine Mutter nicht besonders reflektionsfähig ist, sondern gemeint, "das sei bei Schurwolle eben so und ich würde diese Decke in meinen Lesesessel nehmen.... da passe sie super rein."

Meine Schwiegermutter saß am Kaffeetisch, sah mich an und sagte plötzlich, aus heiterem Himmel "Na, Du kannst mich ja auch nicht leiden." Ich wusste gar nicht wie mir geschah..... also hab ich, frei nach Dreikurs reagiert, nimm den Part den man Dir zuweist nicht an, wenn er nicht passt und lass die Gefühle beim Gegenüber. "Ach schade, das Du nicht merkst, wie gern ich Dich habe," hab ich gesagt und das wurde a. nicht verstanden und b. entsprach es nicht ihrer erwarteten Reaktion, sie wollte nämlich eine Beteuerung hören, das es so nicht ist. Aber jegliches dagegen reden wäre in meinen Augen eine Rechtfertigung gewesen und wer sich rechtfertigt, hat ein Problem.

Meine Schwiegermutter hatte ein Tochter, mit der gibt es keinen Kontakt mehr, die war nicht so, wie sie sich eine Tochter gewünscht hat - von daher war da auch keine Nähe zwischen den Beiden. Beurteilen kann ich das nicht wirklich, da ich diese Tochter nicht einmal kenne.... leider. Ich kenne nur ihre Töchter und die sind ausnehmend nett und deren Töchter, die meiner Schwiegermutter sehr nahe waren, als Enkelchen. Ich war als mögliche Tochter nicht gemeint, die Position wollte ich auch nicht in Anspruch nehmen.... denn die Anforderungen an eine "richtige" Tochter hätte ich nicht erfüllen können, dazu gehören doch tatsächlich Dinge, wie über den Mann schimpfen,wenn man mal Ärger hat und das ist etwas, das hätte ich im Leben nicht gebracht oder ihre Erziehungsziele als meine deklarieren und umsetzen, "Du musst das so machen wie ich, nur so ist es richtig" - solchen Ansprüchen konnte ich noch nie folgen.

Ich glaube auch gar nicht, das es darum geht, wer hier mehr geliebt wird, sondern um das überhaupt..... sich nach der Nähe seiner Eltern sehnen, diese nie erreichen zu können und zu erleben, das Andere sie, quasi, geschenkt bekommen ohne all die unsäglichen Forderungen, um die man selbst ja weiß, das ist schwer.

Mein Liebster wird das schon schaffen, einfach auch, weil er es will..... er selbst sagt immer "von meinen Eltern habe ich nicht viel gelernt, wir waren einander zu fremd." Und sein inneres Kind, ist wie meines, "was würde ich dafür geben, von meinen Eltern mal zu hören "wir sind stolz auf Dich", aber sie verstehen ja nicht mal, was ich beruflich mache....." Er ist Projektmanager, intenational, Pim Spezialist, aber wenn er mal Projektpause hat, schneiden sie ihm Bewerbungen aus der Zeitung aus, als Programmierer für die hiesige Tageszeitung und schreiben darauf "bewirb Dich da mal, ist was von Dauer....." *seuftz* er lächelt darüber, aber ich glaube, innerlich schmerzt es ihn. Aber an solchen Schmerz hat er sich im Alltag gewöhnt, nur jetzt, zwischen Aufbahrung und Trauerfeier, wo alles so nah ist, so frisch, da ist es wieder präsent und offen....

Ich weiß wohl, das einem die eigenen Kinder nicht alle gleich lieb sind, es gibt Zeiten in denen steht mir die eine Tochter näher als die andere, das kann durchaus wechseln. Aber das ich sie liebe - alle drei - so wie sie sind (und sie sind sehr unterschiedlich) das stelle ich niemals in Frage. Gleich behandeln heißt für mich auch nicht das selbe wie für Papa (gleich im Sinne von gleich.....) sondern eine jede so behandeln, wie sie es benötigt, eine helfende Hand hier oder da, ein liebes Wort mehr oder weniger.... Rücksicht auf die Unterschiedlichkeit der Charaktere. Aber niemand könnte von mir behaupten, ich hätte da ein Lieblingskind. Aber mit einer meiner Töchter tue ich mich schwerer als mit den anderen, den Grund hast Du genannt, sie ist mir vom Wesen her ferner als die anderen Beiden...... manchmal ist sie wie ihr Vater und hab ich so meine eigenen Kämpfe mit mir gehabt. Aber ich könnte nie sagen, das ich die anderen lieber hätte.

Würde ich meinen Schwiegervater fragen, würde ich hören "wir haben immer alle gleich geliebt," und doch, aus vielen vielen Nebensätzen weiß ich, dass das eine Illusion ist. Es ist vielleicht auch ein früheres Elternbild, "man hat seine Kinder alle gleich lieb, immer" sagte meine Mutter und ich wusste, das stimmt so nicht. So war ich als junge Mutter durchaus geschockt von der Erkenntnis, das dem gar nicht so ist. Wie geht es Dir damit? Differenzierst Du da?

Der Liebste? Er ist ein wunderbarer Mensch, mit dem ich jeden Tag meines Lebens verbringen möchte.........

Ich Danke Dir für Deine Gedanken
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 22.06.2012, 08:14 
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Olympiareiftipper
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Registriert: 28.04.2006, 00:25
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Zitat:
Würde ich meinen Schwiegervater fragen, würde ich hören "wir haben immer alle gleich geliebt," und doch, aus vielen vielen Nebensätzen weiß ich, dass das eine Illusion ist. Es ist vielleicht auch ein früheres Elternbild, "man hat seine Kinder alle gleich lieb, immer" sagte meine Mutter und ich wusste, das stimmt so nicht. So war ich als junge Mutter durchaus geschockt von der Erkenntnis, das dem gar nicht so ist. Wie geht es Dir damit? Differenzierst Du da?


Als ich mit meiner Tochter schwanger war, hatte ich Angst davor kein anderes Kind so derartig lieb haben zu können wie meinen bereits geborenen Sohn. Dann war sie da und ich hab sie nun ebenso innig lieb wie ihren Bruder. Die beiden sind noch recht jung. Unterschiede sind klar erkennbar aber brauchen tun sie eigentlich vor allem Wärme, Geborgenheit, Nähe und im Wechsel das Zulassen von Selbstständigkeit.
Die Interessen des Älteren treten mit seinen 3 Jahren wesentlich klarer hervor. Malen, Musik, Pflanzen, Eisenbahn. Die Jüngere ist ja erst ein Jahr alt und interessiert sich unspezifischer also irgendwie für alles. Holzringe aufstecken, Seiten umblättern, umfüllen, verstecken, und so. Vom Temperament her ist er im Umgang mit anderen manchmal wilder und sie ist im Vergleich auffällig sanft. Weiteres wird sich mit zunehmenden Alter und heranreifender Persönlichkeit zeigen.

Lg
S.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 23.06.2012, 09:51 
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Jahrhundertposter

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Ich finde, mit Eltern ist es wie mit anderen Menschen auch, wenn man erwachsen ist: Entweder sind sie (inzwischen 8) ) nett, oder man reduziert den Kontakt mit ihnen auf das nötigste.
Wegen der Kinder und so..

Ab einem gewissen Alter sollte man entsprechend seiner geistigen Möglichkeiten begriffen haben, dass man sich selbst die Eltern sein muss, erst recht, wenn es keine guten Eltern waren.
Wenn man den Schmerz immer noch fühlt, ist das in Ordnung, die Prägungen sitzen eben sehr tief manmchal und es ist schwer, an ihnen zu rütteln.
Aber die bewusste Distanz dazu muss da sein, finde ich.
Wer mit knapp 50 immer noch direkt drüber trauert, dass seine Eltern ihm aktuell dies und jenes noch immer nicht geben, der hat was nicht begriffen.
Es ist keine gute Idee, historischen Schmerzen immer wieder Futter durch aktuelles Verhalten zu liefern, und den Schmerz so am Leben zu halten.

Viele neigen dazu in meinen Augen, wichtige Dinge durcheinanderzubringen.
Nämlich von der Bedeutsamkeit und Aktualität der jetzt noch erlebten Prägungen, die in der Kindheit stattgefunden haben und die immer noch wehtun können, auf die aktuelle Bedeutung der Eltern zu schliessen.
Das ist falsch. Die Eltern hatten früher die Bedeutung, und daher haben sie die Pägungen setzen können, die man teilweise immer noch hat und die einem auf die Nerven gehen.

Aber inzwischen sind sie in einer Position, in der ich ihnen die Gefühle entgegenbringe, die sie durch ihr aktuelles Verhalten in mir auslösen oder eben nicht.
Sprich, wie andere Leute auch.
Sind sie nett, mag ich sie, sind sie nicht nett, meide ich sie eher.
Es gibt eine gewisse familiäre Hilfsbereitschaft und ich werd mich im mir möglichen Rahmen kümmern, wenn sie noch älter werden, aber das hinterfrage ich nicht gefühlsmässig.
Das mache ich einfach innerhalb meiner Grenzen und fertig.

Mein Vater, der bis vor ein paar Jahren der Obertyrann war, der mich als Kind und Jugendliche geprügelt hat und gedemütigt bis zur späteren wirklich veritablen PTBS, mit der ich dann jahrelang zu kämpfen hatte, versucht mir nun heute teilweise seine väterliche Liebe nahezubringen, die er angeblich immer schon gehabt hat....."oh, du bist krank, und wir können dich nicht besuchen, das tut mir im Herzen weh.." :roll:

Ich freu mich schon ein wenig über solche Ansagen, denn ich habe keine Lust mehr auf Stress.
Es bewirkt auch ein wenig was, schon.
Aber es gelingt ihm nicht, das Kind in mir wieder zu ihm zu bringen.
Die Kleene bleibt bei mir, das Thema ist durch.
Ich sitze nicht da und bin schrecklich gerührt, dass er nun "doch, endlich" oder irgendwas..
Obwohl das bis vor 10-15 Jahren ungefähr noch anders war.
Also, bis Mitte 30 ungefähr hatte ich das nur im Kopf, aber so ganz im Gefühl, das gelang mir damals nicht.
Aber die Zeit ist jetzt rum und abgelaufen, und gewisse Dinge haben zu unwiderbringlicher Distanz geführt. Die kann auch nicht wieder reapiert werden, nur, weil ihnen jetzt die Angst vorm Verlassensein im Alter im Nacken sitzt.

Man darf nicht den Fehler machen, das eigene innere Kind so wenig zu nähren, dass Eltern in diesem Alter noch einen Ansatzpunkt finden, das führt in jedem Fall immer weg von der Eigen-macht.
Man muss da wachsam sein.

Sogar Jesus hat gesagt "Wer ist meine Mutter, wer ist meine Schwester?", das bedeutete, das alle Menschen einander verwandt sind und nicht nur die Familie..

Ich denke, man sollte nicht so ein Gewese und Theater um die Verwandtschaft machen. :wink:

lg pamina

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Dann, ja dann müsste alles aus dem Gleichgewicht kommen und die Welt in ein Chaos sich verwandeln, wenn nicht der nämliche Geist der Harmonie und Liebe sie erhielte, der auch uns erhält.

(Susette Gontard)


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 23.06.2012, 12:06 
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Championtipper
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Registriert: 28.04.2006, 07:57
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Liebe Pamina,

natürlich hast Du Recht, wenn eine Beziehung, eben auch die zu den Eltern geklärt ist - geht man eigene Wege und muss nicht immer wieder darauf herum kauen....

Und doch, wenn, durch den Tod der Mutter das ein oder andere wieder hoch kommt, durch Trauerreden, die einen Menschen zeichnen, den man so nicht gekannt hat, durch Aussagen die man selbst nie mit der Person hätte in Verbindung bringen können, dann darf und muss das sein.

Eltern-Kind-Beziehungen gehören zu den nie endenen Beziehungen, egal wie man selbst das sieht. Ich kann mich scheiden lassen, von meinem Ehemann, aber meinen Eltern entkomme ich nicht wirklich. Dazu kommt für mich der Druck vom Außen. Was glaubst Du, wie oft ich z.B. höre, DU musst aber Deinem Vater verzeihen, fahr hin - richte das - er könnte sterben - sieh zu das Du das klärst. Und wenn ich dann nachfrage, warum ich etwas klären sollte, das ich gar nicht verursacht habe - dann kommt eben immer, ja weil Du das Kind bist und Kinder geben nach. Aha oder ach ja? Also, ich stehe da nicht für mich alleine, sondern auch unter einem Druck meines Umfeldes. Bei mir zu bleiben ist da manchmal sehr schwer.

Zudem, mit zunehmendem Alter oder nenn ich das mal zunehmender Reife, betrachte auch ich manche Dinge hin und wieder anders. War meine Reaktion angemessen? Hab ich etwas übersehen? Manches verändert sich im Laufe der Jahre - da finde ich es nur richtig, auch meine Gedanken neu zu überdenken. Bislang bin ich für mich zum selben Ergebnis gekommen, mir geht es, dauerhaft, ohne Kontakt besser und das entscheide ich für mich. Das ich mir wünschte, unser Verhältnis (zwischen Papa und mir) wäre anders - ist auch legitim. Ich weiß inzwischen auch, das ich nicht alles haben kann, was ich mir wünsche. Und, vor allem, es beschäftigt mich ab und zu mal, aus gegebenem Anlass, aber es beeinträchtigt nicht dauerhaft mein Leben oder gar meinen Alltag.

Das halte ich durchaus für richtig. Trauere ich? Vielleicht, an manchen Tagen. Aber auch das beeinflusst nicht dauerhaft mein Leben. Von daher sehe ich nach vorn und ja, ich denke auch darüber nach, was verpasst mein Vater? Er hat seine Enkel nicht aufwachsen sehen, er könnte sein Wissen weiter geben, mit ihnen das ein oder andere noch einmal erleben..... sie sind ein Stück von ihm. Und was verpassen meine Kinder, eine Bezugsperson, einen Opa, Großväter sind so wundervoll (meiner war es.... ) dem trauere ich ein wenig nach, doch, aber das finde ich auch okay so.

Die bewusste Distanz ist da, meistens jedenfalls..... und nein, reparieren kann man so etwas nie, aber man könnte eine "neue" Beziehung aufbauen? Nur müsste ich mich dann fragen, wofür und warum und aus welchem Grund.... aber diese Fragen stelle ich mir, wenn es an notwendig wäre, nicht vorher.

Dir liebe Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer
BeitragVerfasst: 23.06.2012, 14:46 
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Jahrhundertposter

Registriert: 30.07.2008, 20:40
Beiträge: 3164
Eltern-Kind Beziehungen gehören zu den nie endenden Beziehungen?
Naja, wenn man das so entscheidet...kommt auch drauf an, was man unter Beziehung hier versteht, innere oder äussere.

Für mich sieht das so aus:
Ich habe getan, was ich konnte, um die Auswirkungen zu verarbeiten.
Ansonsten waren diese Herrschaften in diesem einen Leben meine Eltern, das ist nicht gerade viel..
( und jetzt lass bloss keine Ex-Ehemann-Übertragung auf mich ab, bitte! Dankeschöön!! :D )

Ich sehe das so, und ich empfinde das wirklich so. Ich habe über diese Wichtigkeit meine eigene Entscheidungsfreiheit.
Ich muss mit denen persönlich auch nichts klären, ich habe das früher altersmässig entsprechend versucht, was ging ging, und was nicht, ging nicht.
Man muss das aber auch nicht einmal versuchen, wenn es nicht geht,weil es zu anstrengend wäre für alle oder nur einen selbst..
Wenn die Eltern sterben, spielt das für die Klärung des Verhältnisses in meinen Augen nicht die geringste Rolle, kein bisschen!
Wenn ich das Mögliche für mich mit mir oder therap.Hilfe kläre, und das andere wirklich nicht will oder kann oder auf keine Resonanz stosse, dann habe ich mein Bestes getan. Und das reicht, immer, das ist meine Überzeugung.
Man muss vor allem sein Eigenes klären. Und klären heisst klären und nicht in Vorwürfen steckenbleiben.
Auch das wird den Eltern helfen, auch wenn man rein gar nichts mit ihnen bespricht. Es teilt sich mit.
(Sogar, wenn sie gestorben sind).
Wenn man sein Eigenes klärt, hilft das immer allen Beteiligten, vor allem, wenn die Beziehungsebene kaum belastbar ist und man zudem kein echtes Interesse mehr an Vertiefung der Ebene hat.
Und:
Meine Eltern werden wie ich nach dem Ableben freundlich in Empfang genommen und dürfen sich ihre Lebenslektionen angucken, so wie ich es auch tun werde.
Was da dann noch als Rest ist, wird jeder für sich bearbeiten und wenn man dann nochmal was miteinander klären muss, gibts die nächste Runde, vllt als Geschwister oder sonstwas. Ich hoffe allerdings nicht.. :roll:
Also, das Sterben spielt absolut keine Rolle, in jedem Fall nicht. :meinung:
Damit muss man sich null Stress machen. Was man will/ kann, kann man, was nicht, eben nicht.

Bis sie sterben finde ich so eine Familie ganz praktisch als Rahmen manchmal.
Ansonsten....zuviel Theater. Der gesellschaftliche Druck ist auch eine persönliche Entscheidungsfrage.
Das echte Drama passiert als Kind, das spätere ist selbstgemacht.

lg pamina

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