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 Betreff des Beitrags: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 07.05.2012, 14:19 
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Championtipper
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Hej Ihr Lieben,

die meisten von Euch wissen ja, das meine Große sich damals einer Evangelikalen Kirchengemeinde angeschlossen hat, sich taufen ließ und das mir das große Probleme hinsichtlich Verständniss und Annahme bereitet hat. In dieser Gemeinde ist sie nun noch immer - aber - langsam gewinnt sie Abstand, zu manchen Dingen. Ihre Gemeinde ist stark hierarchisch, anfangs fand sie das toll - aber nun ist sie, durch eine Lehrerin in ihrer Ausbildung in eine ganz kleine andere Gemeinde gekommen und erlebt dort, dass das zwar sein kann, aber nicht muss. Die Menschen letzterer Gemeinde leben eng miteinander, jeden Abend treffen sie sich bei einem anderen Gemeindemitglied zum essen..... sie fühlt sich dort sehr wohl und würde am liebsten hin ziehen, was sie aber, weil sie für ihr Studium irgendwann nach Oldenburg muss, noch nicht tut.

Gestern kam sie und fragte so vorsichtig an, ob wir sie, würde sie ein Jahr die Bibelschule besuchen wollen, eine konfessionsübergreifende Bibelschule, unterstützen würden. Sie bekommt ja von Papa und uns Unterhalt und Kindergeld. Eigentlich war geplant, das sie aus ihrer Erzieherinnenausbildung sofort ins Studium übergeht, sie möchte gern Sonderpädagogik, Schwerpunkt geistige Entwicklung studieren und unser Zusage der Unterstützung ist da auch vollends gegeben.

So eine Bibelschule fällt für mich allerdings (so sehr mir der Gedanke gefällt, herausfinden zu wollen, was ich eigentlich glaube - Argument meiner Tochter) eher unter persönliche Entwicklung als unter Ausbildung und ich möchte das nicht tun. Schon allein deshalb nicht, weil ich anschließend zwei weitere Töchter in der gleichen Art unterstützen müsste, wollte sie sich selbst finden. Papa allerdings ist nicht abgeneigt..... hat sie mir zugetragen. Das wiederum erhöht zwar auf mich den Druck, aber den halte ich schon aus.

Zudem vermisse ich auch eigene Anteile am Ganzen.... ihre Vorstellung ist, wir zahlen ihr in diesem Jahr den Unterhalt und sie konzentriert sich auf die Bibelschule. Hinzu verdienen? Ne - jedenfalls lag das bisher nicht drin, musste sie auch nicht, ihr Geld reichte vollkommen aus. Kindergeld wird es wohl dafür auch nicht geben - denn die setzen ebenfalls Zielgerichtetheit voraus. Das könnte sie dann für die Zeit des Studiums neu beantragen. Würde sie nun sagen "ich gehe in der Zwischenzeit zwischen Studium und Bibelschule und danach arbeiten....." und sie würde so ein Maß an Eigenverantwortung zeigen, könnte ich mir vorstellen, darüber noch einmal nachzudenken - aber so? Finde ich, ist Schluß mit meinem Anteil an ihrem Leben, jedenfalls finanziell.

Vor dieser Idee wollte sie ein Auslandsjahr einlegen, um Englisch zu lernen, das sie für ihr Masterstudium brauchen würde - keine Rede mehr davon, ich persönlich fände es sinnvoller.

Ich fürchte mich, wie dauernd, vor dem familiären Konflikt mit Papa und dem Drumherum. Den haltlosen Anschuldigungen und dem Streit. Ich bin es so müde.....

Wie seht Ihr das?

Liebe Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 07.05.2012, 19:46 
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Championtipper
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Moin Ansa,

es ist gut, dass Du Deine Ausführungen noch ergänzt hast, denn es fällt eines doch auf...Deine Tochter sucht Wege, um nicht direkt ihr Studium zu beginnen, kann das sein?

Wenn sie sich ein Jahr "Auszeit" nehmen will, ja, dann sollte sie sich dafür engagieren und schon erklären wie sie sich das denkt. Denn, Du hast eindeutig noch zwei in der "Warteschleife". Auch ist das Kindergeld doch altersmäßig gedeckelt. Zur Finanzierung würde ich das also auch nicht für die Ewigkeit einplanen. Ich kenne auch einige, die ein Auslandsemester durchgezogen haben zwischendrin, auch so lernt man eine Fremdsprache. Wenn Papa das unterstützt ist das doch prima, dann nicke dazu. Aber, bei Euch ist da eben Schicht im Schacht. Ich würde mich da auch nicht ausspielen lassen. Rechtlich ist sie nur zu unterstützen, wenn sie konsequent und zielgerichtet ihren Bildungsweg verfolgt.

Zur Bibelschule, ich denke, sie kann ja mal auflisten, wie viel Geld sie meint, was sie so braucht, so eine Art Wirtschaftsplan, weißt Du? Also, was braucht sie, was kostet die Unterbringung, Essen, Trinken usw... und was hat sie an eigenem "Einkommen". Damit sie mal ne Vorstellung bekommt, was das Leben so kostet und wie sie es gestalten will. Das ist ja nicht böse gemeint.

Ich finde es aber auffallend, dass es zwei Ideen sind, die das Studium hinauszögern. Warum auch immer...

Viele Grüße
Nordlicht

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Menschen sind wie Musikinstrumente; ihre Resonanz hängt davon ab, wer sie berührt.
(C.C. Virgil)


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 07.05.2012, 22:15 
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Jahrhundertposter
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Liebe Ansa,

man sagt nicht gern Nein, nicht wahr? Sowieso nicht als Eltern, klar, und nun kommt auch noch Frau gegen Ex als Konfliktfeld hinzu. Nicht einfach das.

Eine Orientierungsphase oder eine Auslandszeit können die Ausbildung fördern. Bei einer Auszeit ohne Bezug auf Ausbildung wäre ich dagegen zurückhaltend. Sich persönlich weiterentwickeln zu wollen, das kann man sich schon wünschen, aber das dann doch nach Möglichkeit auf eigene Rechnung, z.B. parallel zu einer Berufstätigkeit. Würdest du denn dir vorstellen können, dass eins deiner Kinder später seine Berufstätigkeit unterbricht und auf Elternkosten ein Bibelstudium unternimmt?

Jetzt ist eben Ausbildung dran. Wohlhabene Eltern schauen da vielleicht nicht streng auf die Zeit und auch weniger wohlhabene Eltern werden nicht selten mit Unbehagen ein zögerliches Angehen ihrer Kinder registrieren und wenig dagegen tun können. Eine offene Unterbrechung würde ich selber nicht unterstützen.

Ich kenne Leute, die gespart haben und dann haben sie gekündigt und sind ausgiebig verreist. Seinen Traum soll man verfolgen, aber wenn man als Erwachsener dafür die Eltern als Sponsoren ausmachen möchte, hat man etwas vom erwachsen Sein verpasst. schocky


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 07.05.2012, 22:42 
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Championtipper
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Moin Ihr Beiden,

was haben mir andere Gedanken oder Gespräche gefehlt, manchmal fühl ich mich doch einsam, wenn der Liebste so weit fort ist und momentan in einer echten Krise steckt - nur Arbeit - aber immerhin....

@ Liebe Nordlicht, das Auslandsjahr war dafür geplant, wenn es mit dem Studium nicht sofort klappt, also, um ein Wartesemester oder zwei zu überbrücken........ das fand ich, von der Idee her ganz cool. Oder zumindest logisch im Zusammenhang.

Das Bibelstudium wäre tatsächlich eine Unterbrechung des Weges.... der christliche Glaube bewegt sie eben sehr, durch das vermutete Asperger Syndrom tut sie sich auch schwer mit Menschen und Beziehungen, von daher kann ich das nachvollziehen und bedenke es auch. Muss ich bedenken, weil es ihr extrem schwer fällt, mehrere Dingen nebeneinander zu machen. Also Schule und Job überfordert sie auch, aber ich glaube mehr und mehr, das muss ihr Ding bleiben.

Eigenes Einkommen hat sie nicht, "nur" Unterhalt in nicht unerheblicher Höhe... das Schulgeld beträgt im Monat 560,- € all inclusive, käme noch persönlicher Bedarf hinzu.

Ihre letzte Praktikumsschule hat sie gebeten, sich bei Ihnen zu bewerben, sie würden sie gern einstellen, als sozialpädagogische Fachkraft. Das wäre für mich eine Option, für sie nicht, weil sie, wenn sie gearbeitet hat, den Anspruch auf ihr Kindergeld verliert. Letzteres Argument beeindruckt mich nicht so sehr, würde sie eben doch noch wertvolle Erfahrungen in dem von ihr gewünschten Beruf machen können. Und was in ein, zwei Jahren ist, wird man sehen.

@ Lieber Schocky,

ja, das ist wohl so, ich kann ihen Wunsch so gut verstehen, finde ich nachvollziehbar. Was haben wir gestritten, über Glaubensfragen - was hat sie sich empört über Trurls Aussage, Glaube sei ein lebenslanger Prozess und sie übertreibe es vielleicht, denn zu Beginn war sie überzeugt, mit der Taufe und Aufnahme in ihrer Gemeinde "fertig" zu sein. Und so sehen wir ihre Aussage "ich muss heraus finden, woran ich (ICH) glaube durchaus positiv. Da steht eben auch Kreationismus auf dem Themenplan, hoffe ich zumindest.

Auf meine Kosten seine Ausbildung unterbrechen? Also, ich glaub, das würde ich nur bei wirklich schwerwiegenden Gründen unterstützen, Krankheit oder ähnlich Schwerwiegendes. Aufgrund einer "normalen" Sinnsuche sicher nicht. Diese Schule ist für alle Altersstufen gedacht, auch noch für Ehepaare, da ist auch nichts zu spät.

Ein guter Freund von uns plant jetzt, in Zusammenarbeit mit seiner Firma ein Sabatical. Da will er eine lang erträumte Motorradtour mit seiner Frau machen, aber das unterstützt der Konzern, es gibt vorher weniger Geld und nachher auch, dafür dann aber durchgehend. So etwas finde ich cool. Travel und work auch - oder eben ein Auslandsjahr in einer Gemeinde, ihre Gemeinde sponsert das und sorgt für Betreuung und Unterbringung, selbst in den USA.

Wir haben da wohl noch Gesprächsbedarf, alle miteinander. Aber mehr und mehr festigt sich in mir, dass das, worum es ihr geht, Privatvergnügen ist und ich das nicht unterstützen werde. Und wenn Papa das Ganze allein unterstützt und mich als Buhmann hinstellt? Irgendwie hab ich in den letzten Jahren gelernt, darauf zu vertrauen, das sie das schon verstehen wird und das sie gelernt hat, was ich wie meine und wenn nicht, wird es andere Wege für uns geben, in unserer Eltern-Kind-Beziehung.

Ich scheue nur die Auseinandersetzung, die wird nicht fair, war sie nie, egal worum es ging und es gab schon recht lange keine mehr, außer beim Tod meiner ExSchwieMu - und da hab ich mich zurück gehalten und das nicht ausdisskutiert.

Dir und Euch liebe Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 08.05.2012, 07:56 
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Jahrhundertposter
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Liebe Ansa,

dies noch hinterher gesagt: Auseinandersetzungen scheue ich auch, dazu das "schlechte Gewissen", das sich beim Akt des etwas Versagens einstellt. Aber dann finde ich, dass dies richtig ist: alles zu geben, wenn die Kinder schwach und abhängig sind - und dann sind irgendwann auch die Eltern wieder "dran" und die Kinder müssen selbst fliegen. Mit moralischer Unterstützung und elterlichem Segen!

Ob man das immer hart durchhält, ist freilich nicht garantiert. Spätestens bei den Enkelkindern lebt das Versorgen wieder auf... schocky


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 08.05.2012, 09:41 
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Championtipper
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Lieber Schocky,

ja, das sehe ich auch so und das ist auchd as Problem am Ganzen,während mein Erziehungsziel immer unabhängige Kinder waren, die eigene Entscheidungen treffen und eigene Wege gehen, war Papas Ziel komplett entgegen gesetzt. Er wünscht sich Abhängigkeit, kleine Mädchen (immer noch), Bewunderung, Dankbarkeit natürlich und dadurch eine ungute Form von Macht - das hat sich nicht geändert. Außer im Umgang der Mädchen mit ihn selbst, aber sobald er Macht wittert ist er auch wach und bereit.

Allein deshalb wird es nicht ohne Streit abgehen. Und ich werde das auch aushalten, wie immer - ist ja mittlerweile eher Gewöhnungssache, um nicht zu sagen, auch eine gewisse Form der Routine.

Und auch ja, wenn meine Tochter das unbedingt will, wenn es ihr wirklich wichtig ist, dann wird sie dort hingehen, auch ganz ohne meine Hilfe. Und es wird ihr kostbarer erscheinen, als würde ich es finanzieren. Das ist ein wichtiger Gedanke.

Und vor den Enkelkindern ist noch eine lange Weile Zeit - bei meinem Mittelchen gibt`s erst mal kleine Kätzchen - die sind mir vorerst sehr viel lieber.

Liebe Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 08.05.2012, 11:19 
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Jahrhundertposter
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Liebe Ansa,

mit den Enkelkindern kann das schneller kommen, als man glaubt. Das ist ja nicht die eigene Entscheidung. Nun ja, ein durchgeplantes eigenes Leben und alles unter Kontrolle ist nur unter Verzicht auf Liebe möglich und wer will das schon? Dann lieber der eine oder andere Kampf mit anderen und mit sich selbst, und die eine oder andere Herausforderung und Unsicherheit. schocky


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 08.05.2012, 13:01 
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Championtipper
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Lieber Schocky,

nein, das ist natürlich nicht meiner Entscheidung, die Sache mit den Enkeln - da bin auch wirklich froh darum. Nur ist es ja so, meine Große darf, lt. ihres Glaubens keine voreheliche Beziehung haben - das wird so schnell also nichts, kein netter junger Mann in Sicht... meine Jüngste ist noch zu jung und mein Mittelchen ist a. äußerst vernünftig und b. gut aufgeklärt. Ehrlich - da bin ich mittlerweile auch stolz auf sie, wenn sie mal ein Antibiotikum nimmt, verhütet sie zusätzlich, weil dies ja die Wirkung der Pille aufheben könnte. Daran denken nun wahrlich nicht viele junge Frauen. Das macht sie gut.

Und wenn eines käme? Enkelchen sind zum Spaß haben, Erziehung und Verantwortung wäre erst mal nicht mein Problem...... darüber haben wir tatsächlich auch schon intensiv gesprochen. Ich erziehe mein Enkelchen nicht, hab ich gesagt und das meine ich auch so. Es gibt Tagesmütter und Krippen und ansonsten finden sich Lösungen, da wissen meine Mädchen auch wirklich, das es ihr Ding wäre.

Immerhin, stellen sie ihre Ausbildung und ihren Schulabschluß nach vorne und so herum ist es ja auch richtig. Wenn es anders kommt, wird man sehen....

Da kann ich einen Bogen schlagen, auch persönliche Weiterentwicklung ist ihre Sache, für sich selbst, mitsamt allen Konsequenzen, womit wir wieder beim Thema sind :wink:

Dir liebe Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 09.05.2012, 14:18 
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Mittagspausentipper
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Liebe Ansa,
dass sind ja immer wieder ganz schöne Herausforderungen, die du mit deinen Mädchen zu lösen hast.
Meiner Meinung nach hast du zu Recht Bedenken. Wenn du auch gegen ihren Wunsch nicht wirklich was unternehmen kannst, so tust du recht daran, ihn nicht auch noch zu fördern.
Die Gefahr, dass sich deine Tochter in etwas nebelhaften, nichtgreifbaren Umwelten verfängt, ist schon gegeben. Hier fühlt sie sich offensichtlich sicher und mit anderen verbunden. Aber vielleicht ist dies auch nur ein Weg, um die weniger sicheren mit mehr Ungewissheit verbundene Zukunftsvorstellungen umgehen zu können. Ich finde Nordlichts Überlegungen total angebracht. Vielleicht ist es Angst, Unsicherheit, aber sie scheint sich wirklich vor aktiven Zugehen aufs Leben zu drücken.

Was mich wundert, ist, dass sie von dir eigentlich ganz schön viel verlangt. Prüft sie dich etwa? Obwohl sie weiss, dass du ihr Engagement in der Gemeinde eher skeptisch betrachtet hast, will es weiter ausbauen. Und erwartet von dir auch noch finanzielle Unterstützung für ein Jahr?
Ganz schön heftig. Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie von dir eine klare, ehrliche Botschaft (auch wenn diese negativ ist) erwartet.
Ich rate dir, liebe Ansa. Sei authentisch, sei ehrlich und stehe zu deiner Meinung. Ich bin mir nicht sicher, ob es deine Tochter nicht irgendwann bereut, dass sie in ihren besten Jahren ihre Zukunftsvorstellungen so schleppend verfolgt. Was ist mit ihren bisherigen Plänen, mit den Gedanken an die Erzieherausbildung?

Leider bin ich der Meinung, dass diese christlichen Gemeinschaften, egal welchen Namen sie haben, doch eine sektirerische Verführung haben. Was ist dies für eine Gemeinschaft, die einen jungen Menschen nicht in den realitätsfördernden Zukunftsplänen unterstützt, sondern soviel Zeit für die Auseinandersetzung mit ihrem Gott benötigt, sodass ein eigenes Jahr für eine Bibelschule veranschlagt wird.

Du hast irgendwann geschrieben, deine Tochter leidet vermutlich unter dem Asperger-Syndrom. Weiss nicht, woher du diese Infos hast, aber es ist sehr ungewöhnlich für einen Menschen mit autistischen Zügen viel Zeit in einer Gemeinschaft zuzubringen und die Gemeinschaft immer wieder aufzusuchen. Vielleicht ist es doch etwas anderes, worunter deine Tochter leidet. Vielleicht ist sie einfach unsicher in sozialen Situationen und deshalb ein wenig unbeholfen, was ihr wiederrum Angst machen kann, und sie die sozialen Situationen bei Menschen, die sie nicht kennt, zu vermeiden versucht....
Nur so eine Idee....

glg
Mariella


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 09.05.2012, 15:47 
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Championtipper
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Liebe Mariella,

Danke für Deine vielen Gedanken und Ansätze. Das Ganze ist nicht ganz so einfach, aber ich beginne mal von vorne.

Ihre Erzieherinnenausbildung beendet sie im Sommer, mit einem, da arbeitet sie auch wirklich hart dran, wohl außerordentlich gutem Abschluß. Den will sie selbst erreichen um möglichst schnell einen Studienplatz zu bekommen. Die Ausbildung hat sie damals gemacht, weil sie keinen erweiterten Sek.-I Abschluß hatte und so entweder ein Jahr hätte wiederholen müssen oder zu beschließen, das ein Fachabi für ihren Studienwunsch reicht. Letzteres ist in Niedersachsen der Fall und so fand sie (wie wir auch) das Praxis und Orientierung einer Ausbildung mehr wert seien, als ein Jahr Wiederholung. Das war eine gute Entscheidung. Allein durch die Praktika hat sie fest gestellt, das klassischer Grundschulbetrieb nichts für sie ist, das sie aber außerordentlich gut mit geistig behinderten Kindern zurecht kommt. Allein dafür hat sich ihre Ausbildung gelohnt.

Natürlich muss man die Möglichkeit eines Wartesemesters bedenken, da schien ihre Idee, ein Jahr ins Ausland zu gehen, auch ins Konzept zu passen..... zumal sie ihren Master machen muss, um vollwertig unterrichten will. Dazu braucht sie Englischkenntnisse und Englisch war immer ihr Schwachpunkt. Nirgends lernt man es besser, als im Alltag. Finde ich.

Ihre Kirchengemeinde? Da findet sie, das wissen wir heute, das was Aspies schätzen. Orientierung und Leitung, etwas, das in meinem liberalen und offenen Haushalt; meine Güte was haben wir uns Toleranz und Freiheit erkämpft, nicht so ausgeprägt vorhanden ist. Bei uns gibt es zwar klare Vorstellungen hinsichtlich Ethik und Moral, aber warum sich jemand für etwas entscheidet, das ist seine persönliche Entscheidung. Damit konnte sie nicht gut umgehen. Sie drängte immer auf klare Antworten. Beispiel "Abtreibung" bist Du dafür oder dagegen? Und sie will nicht über Gründe reden oder disskutieren, sie will einfach eine Meinung dazu, schwarz oder weiß. Bist Du für oder gegen Scheidung? Zumindest war es so, als sie sich ihrer Gemeinde anschloß. Die sind alle gegen Abtreibung, egal was man da bekommt..... Gott hat es gegeben. Punkt. Ihr schien das klar und logisch zu sein. Und ich glaube, sie musste nicht mehr nachdenken. Scheidung ist verboten, das ist wider den göttlichen Plan. Um Dispens bei ihren Ältesten hat sie für mich gebeten - und bis heute erschließt sich ihr meine Wut darüber aber mal so gar nicht.

Was dem Liebsten und mir ein hohes Gut ist, hat sie zu früh erleben müssen. Entscheidungen, zumal solche, die nicht klar sind, oder anders ausgedrückt, die trotz allem einen Konflikt bedeuten, schätzt sie nicht. Das wird einem in solchen Gemeinden abgenommen. Da gibt`s klare Anweisungen und wenn Du selbst ein Bibelwort nicht verstehst, ist einer da, der Dir sagt, wie es gemeint ist. Punkt.

Das sie manches, was vor einiger Zeit noch unbeirrbarer Fakt war, jetzt überdenkt, ist dem Liebsten und mir eher eine Freude. Herausfinden wollen, woran ich glaube (ICH) ist mehr, als sich blindlings einer Gemeinde anzuschließen und "mitzulaufen". Sie hat, natürlich auch durch den Faktor Zeit gemerkt, das es selbst in ihrer Gemeinde, liberale und weniger liberale Ansichten gibt, nicht alle denken gleich. Z.B. in der Kleiderfrage, Du glaubst ja nicht, wie sehr man sich über die Länge von Röcken streiten kann.......... unglaublich. :?

Aber ich stimme Dir zu, ich werde klar sein und bei mir selbst bleiben. Das bin ich mir und ihr schuldig. Natürlich fragt sie, ob wir sie unterstützen..... das war schon immer so..... und in ihrer Gemeinde erlebt sie eben auch, das Eltern ihre Kinder total unterstützen, das diese dafür zu Hause leben müssen, soweit das möglich ist, sieht sie eher nicht. Und das ihre Gemeinde nicht erbaut davon sein wird, das sie eine solche Schule besucht, ist ihr auch noch nicht klar..... ihre Gemeinde meint ja, sie hänge dem echten Glauben an, alles andere ist unnütz oder wie sagte der Älteste? "Das darf man ja nicht mehr laut sagen, aber draußen wartet der Antichrist." Das allein lässt in mir schon Spaß an Unterstützung entstehen :twisted: Ha, rein emotional natürlich nur, nicht wirklich.

Die Sache mit dem Asperger.... sicher ist sie nicht schwer betroffen, sondern nur in leichter Form. Vieles, was in ihrer Kindheit passiert ist, lässt darauf schließen, das es passen könnte. Sie hat große Probleme soziale Interaktionen zu leben. Geben und nehmen z.B., das erschließt sich ihr nicht. Spontanität - no way.... geht gar nicht. Sie plant exakt ihren Tagesablauf und gerät vollends in Panik (wirkliche Panik) wenn sie verschläft. Ich hab in meinem Praktikum fürs Studium damit zu tun gehabt und ich sehe da durchaus Parallelen.

Sie selbst sagt "ich weiß, wenn ein Mensch weint, ist er meistens sehr traurig. Aber das eine Mal wo er aus einem anderen Grund weint, das erkenne ich nicht..... mir erschließt sich der Sinn nicht." Sie hat sich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen und erkennt sich in dem, was die anderen erzählen wieder. Wir waren auf einem Vortrag eines Aspies und vieles war er erzählte, kam uns bekannt vor. Nach wie vor hoffe ich, das sie es nicht hat, aber nach wie vor erschließt sich mir dann nicht, was es sein könnte. Sie selbst fühlt sich darin getröstet, endlich zu wissen, warum sie so "anders" ist. Und meine Erziehungskonzepte, die ich damals gewählt habe, um eine Kinder anders zu erziehen, als man mit mir umgegangen ist, sind heute die, die man bei Aspergern anwendet. Von daher hab ich ihr viel mitgegeben und sie hat viel gelernt.

Aber das ist trotzdem ein Leben das mit Kraft geführt wird..... immer beobachten, immer überlegen, was erwarten die Anderen von mir, immer drüber nachdenken, wie reagiert man jetzt so, wie andere reagieren würden. Verhaltenstherapie? Sie selbst sagt, "Ich muss unter Menschen, sonst wird es schlimmer - brauchen - tue ich die nicht." Es passt schon vieles. Zumal auch nie in Frage gestellt worden ist, das sie irgendwann für sich selbst sorgen muss und will.

Und dann ist da ja noch Papa, der verlauten lässt, er sei nicht abgeneigt, sie zu unterstützen, wenn sie so ein Jahr Selbstfindung bräuchte..... also, klar, das lässt den Druck auf mich ansteigen, wenn ich also, wie immer, die Einzige bin, die dagegen ist, bin ich eben auch, wie immer, der Störfaktor. Aber damit weiß ich heute besser umzugehen, als noch vor ein paar Jahren. Soll Papa doch, ich bin die Erste die sich für sie freut. 8)

Und ich liebe mein großes Kind, sie hat es wahrlich nicht leicht - ich kann mir ihr Empfinden nicht einmal ansatzweise vorstellen.......... ich sehe sie "zusammenfallen" nach einem Tag in Gemeinschaft, ich sehe hier, wenn sie sich zurück zieht um Luft zu schnappen.... und ich sehe hier auch ihre Panik als Reaktion auf Veränderung der gewohnten Räume. Ich hab mir eine neue Sofagarnitur fürs Fernsehzimmer gekauft, was meinst Du was da los war..... angebrüllt hat sie mich, was mir einfallen würde, ihr zu Hause zu verändern. Mittlerweile können der Liebste und ich damit umgehen, das war auch nicht immer so. Und wehe auf ihrem Platz sitzt wer anders, wenn sie zu Besuch kommt..... ihr Platz - ach wart mal, wann ist sie ausgezogen? Letztes Jahr um diese Zeit etwa. :roll:

Und ja, ich werde man genauer hinsehen, ob Ihr Wunsch irgendetwas mit verdeckten Zielen zu tun haben könnte.

Danke und liebe Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 12.05.2012, 12:47 
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Championtipper
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Hm, Ansa,

ich denke immer wieder darüber nach, warum Deine Tochter sich gerade dieses Berufsfeld sucht. Zum Asperger kann ich nicht viel sagen aber das, was ich bei Dir heraus lese, sagt mir, dass Deine Tochter doch offenbar genau in einem Bereich Defizite hat, den sie selber "angelernt" statt intuitiv gefühlt ausgleichen muss, der ein Bereich ist, wo ich meine, jemand müsse gerade dort eine besondere Stärke haben, um in dieser Berufsecke zu bestehen.

Wenn gerade der zwischenmenschliche Bereich ihr so zu schaffen macht, warum sucht sie sich einen solchen Beruf? Da ist es nicht nur mit dem Ausgleich getan, da ist sie auch noch Vorbild und Orientierung für Menschen, die besonderer Zuwendung bedürfen- oder seh ich das falsch? Das birgt eine hohe Verantwortung. Sie selber braucht aber noch Orientierung (Bibelschule) und da ist evtl. ein zusätzlicher Druck vorhanden, der mit dem allgemeinen Leistungsdruck nichts gemein hat.

Es ist schön, wenn sie für ihren Abschluss so hart arbeitet. Warum will sie gerade auf diese "Schiene" gehen? Hat Dein Engagement / Studium sie so inspiriert? Verstehe mich bitte nicht falsch, ich mache mir aber Gedanken, was sie da bewegt. Ich würde erwarten, dass man sich bei der Berufswahl auch gerade an seinen persönlichen Stärken orientiert.

Liebe Grüße
Nordlicht

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 12.05.2012, 14:39 
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Championtipper
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Liebe Nordlicht,

darüber haben wir sehr lange nach gedacht..... am Ende hat es womöglich viele Gründe. Irgendwann, als wir an Asperger noch nicht dachten, sie auch nicht, wollte sie gern Grundschullehrerin werden, was zu Beginn eher so klang, wie es viele Mädchen werden wollen, wenn sie beginnen, darüber nachzudenken, was sie denn mal werden könnten....

Nun ist es so, das sie, wenn sie Pläne macht, eher sklavisch daran festhält, also, ein einmal gefasster Plan, da muss schon die Welt unter gehen, bevor sie ihn lässt oder viel Zeit ins Land streichen und Erfahrungen mit sich bringen, damit sie ihm umändern kann. Und sie hatte beschlossen Grundschulleherin zu werden, nichts anderes..... das muss man stehen lassen.

Als sie die 10. Klasse abschloß wollte sie eigentlich gern aufs Gymnasium übergehen, hatte aber den entsprechenden Abschluß nicht. Die Idee, das Fachabitur durch eine vorbereitende Ausbildung zu machen, lag nahe und wurde von uns auch bevorzugt. Wir rieten ihr dazu, auch unter der Prämisse, das sie durch Praktika und die daraus resultierenden Erfahrungen eher beurteilen könne, ob der Beruf einmal etwas für sie wäre?

Also, da ist sie gelandet und noch dabei, im Sommer wird sie fertig sein.

Nun meinen Rudolf Dreikurs und andere, das Menschen, die Defizite haben, diese ausgleichen werden, ganz von alleine..... viele Psychologiestudenten suchen zu Beginn ihre eigenen Probleme, bevor sie auf anderes sehen. Ich will das nicht verallgemeinern, aber ich sehe das als Erklärung warum sie Erziehung und emotionale Entwicklung fasziniert, sie versteht durch ihre Ausbildung vieles auf eine sehr bestimmte sachliche Art, die ihr hilft, zu überspielen, das sie die Dinge emotional schwer versteht. Heute fragt sie nach, und durch Beispiele aus ihrem eigenen Leben, wird ihr verständlich (das finde ich so spannend, sie empfindet ganz normal - kann das aber nicht umsetzen und verstehen, das es ihrem Gegenüber auch so geht) wie andere Menschen denken, natürlich nicht im Einzelnen, aber eben durchaus so, das sie damit klar kommt.

Im Laufe der Ausbildung hat sie für sich festgestellt, das sie mit Kindergartenkindern total gut klar kommt, das wäre durchaus eine Option für sie - aber sie hat ja den Plan - auch ausgelöst durch eine Lehrerin, die meinte, das würde sie eh nie schaffen - also, noch ein Anreiz. Auf der Abschlußfeier meiner Jüngsten wollte sie zu dieser hingehen uns ihr, einfach mal so nebenbei, erklären, das sie Studentin ist.... jeder hat so seine eigenen Fackelzüge und die brauchts auch im Leben. Wir haben durchaus unsere eigenen, glaube ich.

Also, Kindergartenkinder und Lehramt - passt nicht so recht..... Grundschulkinder die zu Beginn in die Schule kommen, wollen noch gefallen, das ginge noch..... aber wenn sie älter werden, dann schafft sie das eher nicht. Und das hat sie für sich alleine so heraus gearbeitet. Also machte sie Praktika in Förderschulen und kam a. mit den Erwachsenen dort super aus und b. vor allem mit den Kindern. Und ihren Plan nun so zu ändern, das sie statt Grundschullehramt Sonderpädagogik studieren könnte, das war möglich und auch wirtschaftlich interessanter, "wird wesentlich besser bezahlt" sagte sie. Okay, das klingt nicht mal unvernünftig 8)

Dazu kommt, das sie, auch wenn sie emotionale Einschränkungen hat, dadurch andererseits auch Stärken entwickelt. Sie hat wenig Mitleid. Die Dinge sind so wie sie sind, also macht man das Beste daraus. Sie hat die Festigkeit, zu sagen "Da geht`s lang" und das Bedürfnis in Regeln und festen Strukturen zu leben, ds genau brauchen Kinder mit geistigen Defiziten auch. Vor allem feste Strukturen, damit sie ihre Sicherheit finden und zur Ruhe kommen. Das braucht sie auch und wenn es anders ist, macht es sie nicht nervös. Sie kann die Kinder so nehmen wie sie sind und sie liebt sie......vor allem das. Sie empfindet keine Scheu, sondern Zuneigung. Selbst die, von ihr liebevoll genannten "Schwebies" (Schwerbehinderte) nimmt sie so wie sie sind und scheut keine Arbeit mit ihnen, sei es wickeln oder füttern.... Ich denke, für sie ist das sicher eine Nische, aber eine, in der sie berufliche Erfüllung finden kann.

Aber vor allem ist es eine Nische, in der ihre woanders vermeintlichen Schwächen zu Stärken werden. Was sagte sie "Ne Mitleid ist nicht hilfreich, das schwächt nur - Mitgefühl ist okay, die Dinge sind wie sie sind, machen wir sie besser." Ich weiß nicht, ob ich mit noch nicht ganz 20 Jahren so eine Aussage hätte treffen können?

Und wenn sich das mit dem Asperger bestätigt, wer weiß, vielleicht vermittelt sie irgendwann zwischen betroffenen Kindern und Eltern und kann dort erklären, wie ihre Kinder die Welt wahr nehmen? Es gibt ja durchaus auch Ärzte mit Asperger..... wer könnte sich also besser einfühlen als Betroffene? Und besser erklären, wie man etwas lernen kann? Weil sie es wirklich fühlt, nicht nur versucht zu verstehen?

Und wenn nicht, dann hat sie vermutlich etwas anderes, das aber durchaus gleiche Züge aufweist und dadurch nicht falsch ist. Ihre letzte Schule jedenfalls hat sie gebeten sie möchte sich doch bei ihnen bewerben, sie suchen pädagogische Mitarbeiter. Sie hat sich dort sehr wohl gefühlt. Und bei mir gesessen und mich ausgefragt, nach Planungen, Strukturen und didaktischen Methoden. Und ich musste erkennen, das sie zumindest in dem Bereich, in dem es um geistige Behinderungen geht, viel mehr Ahnung hat, als ich sie je haben werde. Ich fand das war eine wunderrbare Erkenntnis.

Zudem, solle sie irgendwann jemals in ihrem Leben etwas gänzlich anderes machen wollen - so wäre das für mich kein Beinbruch. Da geht es dann nur darum, das solche Dinge nicht mehr in meiner Verantwortung liegen. Selbst ist Erwachsen - oder so.

Danke für Deine Frage, mir hiflt das ein wenig beim Nachdenken und abgesehen davon, muss sie ihren weg eben auch alleine gehen. Wenn er in die falsche Richtung (gibt`s die überhaupt, alles ist für etwas gut, am Ende) führt, sind wir die Letzten die ihr eine Umkehr schwer machen würden.

Liebe Grüße
Ansa

P.S. Papa hat angefragt, ob er sich demnächst mal melden könne, zwecks Termin. Also warte ich mal gelassen, was da kommt.....

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 18.05.2012, 17:20 
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So, wir treffen uns übermorgen Abend um das Ganze zu besprechen. Eben hab ich mit meinem Ex kurz gesprochen, er ist sehr zugeneigt und erhofft sich, das sie dort aus der freikirchlichen dogmatischen Schiene heraus findet. Und den Fundamentalismus hinter sich lässt.

Und meine Befürchtung geht genau in die andere Richtung, denn die neue Gemeinde der sie sich anschließt ist noch enger und familiärer als die Gemeinde in die sie sich taufen ließ. "Ich weiß, das ich viel kaputt gemacht habe, dadurch, das ich da blind geglaubt habe," sagte sie mir gestern am Telefon, "deshalb ist das für mich so wichtig, heraus finden, woran ich glaube." Tja, löblich ist das schon.

Nun hab ich mir das mal ausgerechnet, da diese Bibelschule also im September beginnt und so im April/Mai zu Ende ist und die Uni dann im Oktober beginnt, reden wir ja auch nicht von 8 Monaten Unterstützung, sondern von 16. Mein Kind selbst will nicht zu uns kommen, um mit uns in Ruhe darüber zu reden, sie habe keine Zeit und müsse in der Gemeinde sein, da sei ihr der Weg zu weit, um das persönlich zu klären. Da denke ich doch, dann ist es ihr auch nicht wichtig?! Wenn ich etwas wollte, würde ich aber Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um mein Gegenüber zu überzeugen.

Ich kann ja so nicht fragen, wie sie zu Arbeiten in den freien Zeiten steht - und das würde eine Entscheidung schon verändern. Nach wie vor tendiere ich zu "nein, dafür bin ich nicht zuständig."

Und nun gibt`s gleich noch mehr Streit, mein Ex bringt seine neue Freundin mit, sie ist Diakonin und kennt eine Familie, die dort gewesen ist. Aber mein Liebster meint "was will die denn dabei, geht sie ja nichts an" und meine Kinder sind empört "geht doch die xxx nichts an, wofür Papa sein Geld ausgibt." Ich bin erst mal geplättet, fand ich die Idee, das sie mitkommt doch positiv. Endlich mal jemand, der zugehörig ist? Oder bin ich naiv? Also, ich fand die Idee, das sie mitkommt eher gut. Na ja, nun zank ich gleich an zwei Stellen - dabei bin ich es schlicht müde. "Also, wenn Papa und xxx zusammen ein Haus kaufen will, dann geht sie schon an, wo welches Geld bleibt und womit man rechnet und sie sollte da auch eine Meinung zu haben dürfen," hab ich gesagt. Da sehen mich die Kinder nun als Buhmann. Ich glaub ich spinne!

Und mein Kind lässt doch glatt durchklingen, das, wenn Papa dafür ist, man ja nur noch mich überzeugen müsse. "In Gemeinschaft leben" sagte mein Ex, "so wie die das tun, finde ich einfach nur schön........, davon träume ich, ein Mehrgenerationenhaus in dem Ort aus dem ich komme und wir alle leben dort, jeder für sich und alle gemeinsam.... mein Vater, meine Kinder, xxx Kinder und dann irgendwann die Enkel, christlich und mit Gott" Ja klar, klingt total schön. Ich bin begeistert.

Und ahne Stress hoch pur. Mir ist jetzt schon übel. Zu alledem haben wir noch Ärger mit meinen Schwiegereltern. Mal wieder - wie immer, wir melden uns zu wenig, wir fahren zu wenig hin (einmal im Monat - nur wenn jemand ansteckend krank ist, dann nicht, meine Schwiemu darf sich nicht erkälten, wegen ihrem kaputten Rücken) und ich sag meinem Liebsten zu selten, das er anrufen soll......... bin ich sein Kindermädchen oder was? Und so sitzen sie die ganzen Sonntage und warten auf unseren Anruf. Und ich finde, das ich echt nicht mein Problem. Aber Muttertag sollten wir nicht kommen, da dann auch nicht, aber Sonntag, man müsse mal ein ernstes Wort miteinander reden...... boah - it sucks.

missmutige Grüße
Ansa

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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 20.05.2012, 18:29 
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Championtipper
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Ach herrje, arme Ansa!!!

Da kommt aber alles geballt auf Dich runter, menno! Danke, für Deine ausführliche Antwort an mich, das macht es schon deutlich klarer. Okay, so kann man es auch angehen.

Das ist ja was, Deine Tochter hat also keine Zeit. Tja, seh ich genauso wie Du. Wenn ihre Prioritäten so anders sind dann ist es doch in Ordnung, wenn Du Deine Prioritäten auch für Dich behältst. Sollte sie doch was wollen, weiß sie ja, wo sie Euch finden kann. Ich denke, sie will was und ist in einem Alter wo sie auch weiß, dass sie sich dann "kümmern" muss. Mein Vater sagte dann immer "erwachsen sein und erwachsen spielen ist nicht das selbe" und meinte damit, dass man dann auch nach der Feststellung was man nun in dem Alter alles darf auch dafür einzustehen hat. Wenn ich also was will, dann bin ich verantwortlich und das kann sie ja nun üben. Sich Selbst weiter entwicken hört nie auf und wir alle können das tun, im Rahmen unserer - auch finanziellen - Möglichkeiten.

Bei Deinem Ex- wenn er ne Freundin hat und die wichtig ist, warum sollte die fehlen? Ob es nun gut oder schlecht ist, sie gehört nun zu Deinem Ex und die davor war doch schlimm, also, kann ja nur besser werden, oder? ich denke, das hat nichts mit Trauschein zu tun, Trurl gehört auch dazu, dann ist das doch in Ordnung. Das ist dann gleichberechtigt und ist aus meiner Sicht Sache Deines Ex ob er sie mitbringt oder nicht. Dein Gefühl ist doch gut, warum solltest Du Dich da streiten? Mit wem? Nö, Ansprechpartner wäre Dein Ex aber sicher nicht Du. Wenn Dein Ex ein Mehrgenerationenhaus haben will, dann soll er. Ansa, ziehe Dir nicht alle Schuhe immer gleich an mit dem "Apellohr", die irgendwer hinstellt. Lass es doch stehen. Keine Konesequenzen für Dich selber daraus ableiten. Diskussionen brauchst Du nicht führen, wenn Du es nicht willst, das hatten wir doch schon. Ein klares Nein und dann ist gut. Das ist keine Einladung zur Verhandlung, das ist eine Aussage. Punkt.

Deine Schwiegerma, das ist doch wie immer :lol: . Nein, ist auch nicht Dein Problem. Vielleicht können sie nichts anderes mit sich anfangen als vor dem Hörer zu sitzen und dass Trurl doch am Liebsten wieder einziehen könnte bei ihnen ist ja nicht neu... vielleicht solltest Du doch mal einen AB laufen lassen, wenn sie anrufen. Dann kannst Du es löschen und sparst Dir wenigstens die Diskussion. Schlimmer kann es doch heute mit denen auch nicht mehr werden, oder?

Fühl Dich geknuddelt,
Nordlicht

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Menschen sind wie Musikinstrumente; ihre Resonanz hängt davon ab, wer sie berührt.
(C.C. Virgil)


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 Betreff des Beitrags: Re: Kinder unterstützen..........
BeitragVerfasst: 21.05.2012, 09:40 
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Championtipper
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Liebe Nordlicht,

danke für Deine aufmunternden Worte. Manchmal ist das einfach nur schwer auszuhalten, aber zum Glück kommt das immer seltener vor.

Meine Schwiegermutter - wir haben da, befürchte ich, ein ganz anderes Problem. Das dadurch, das mein Schwiegervater es nicht schafft, sich abzugrenzen und mal allein zu telefonieren, ganz anders war als gedacht. Sie wird zunehmend dement, mal weiß sie gar nicht wo sie ist, mal ist sie ganz klar, aber das merkt man einfach nicht und wenn man telefonisch nicht vorgewarnt wird und sie einen anbrüllt, was man denn wolle, weil man sich ja jahrelang nicht gemeldet habe - dann wird das Ganze tragisch, traurig und seltsam.

Wir hatten so eine Phase schon einmal, die war dann aber von heute auf morgen vorbei und sie war total bei sich und jetzt geht es wieder in die andere Richtung. Für meinen Schwiegervater ist es sehr schwer, weil er nicht mehr aus dem Haus kann und natürlich, wenn einem die eigene Frau so aus der Realität rinnt, das muss schwer auszuhalten sein. Und leider wird sie nicht nur tüdelig, sondern sie entwickelt Ängste, bis hin zu Notrufen bei der Polizei, sie werde hier gefangen gehalten und dann kommt die Angste meines Schwiegervaters hinzu, das jemand auf die Idee käme, er könne das allein nicht managen - wo durchaus etwas dran ist, wenn man sieht, wie er sich "gefangen" halten lässt.

Das ist einfach schwer mit anzusehen und auszuhalten und ich bin auf der einens Seite heilfroh, das wir weit weg wohnen und auf der anderen Seite bedauere ich das..... man könnte eben mal eben kurz vorbei sehen, das würde alle entlasten, aber das geht einfach nicht.

Das Gespräch mit meinem Ex war überraschend - für mich war es, seit der Trennung, eigentlich das erste vernünftige Gespräch überhaupt. Er hat mir zugehört, meine Bedenken angenommen und obgleich er hofft, das sie dadurch den engen Kontakt zur fundamentalistischen Szene verliert, was selbst seine Lebensgefährtin bezweifelt und das auch in Worte gefasst hat (ich auch) blieb alles gelassen. Bibeltreu ist Bibeltreu, egal ob Konfessionsübergreifend oder nicht - und konfessionsübergreifend heißt ja auch nur, das es evangelikal übergreifend ist. Ich glaube dort bekommen die Schüler nur bessere Argumente an die Hand, um für alle Eventualitäten gerüstet und gefestigt zu sein - keine Freiheit. Aber gut.

Seine LG finde ich übrigens sehr nett, sehr realistisch, auf dem Boden geblieben (sie hat zwei Kinder und bekommt für sie keinen Unterhalt) sieht die Dinge dadurch ganz anders (ähnlich wie ich) und sie sagt das auch klar. Damit kann ich gut umgehen, der Liebste auch. Insoweit war ich am Ende froh, das sie dabei gewesen ist.

Er ist in jedem Fall dafür, würde aber Bedingungen daran knüpfen wollen, die ich vernünftig finde. So würde sie in den Zwischenzeiten die entstehen arbeiten müssen, entweder in einem von ihm besorgten Job (da hat er durch seine Arbeit genug Möglichkeiten) oder in einem selbst gesuchten, und das zügig.... das finde ich durchaus angemessen.

Mein Kind war am Samstag dann doch bei uns und hat uns alles erklärt und es war auch deutlich, das sie sich um das Drumherum keine Gedanken gemacht hatte - aber von sich aus anbot, auf die Hälfte unseres Unterhaltes verzichten zu wollen, was in etwa dem ausfallenden Kindergeld entspricht. Okay, auch das verändert das ein oder andere. Deutlich wurde nur, wie sehr ihr daran gelegen ist, dort hin zu dürfen bzw. zu können. Ich hab sehr deutlich gemacht, das ich jedwede Art der Selbstverwirklichung oder Selbstfindung echt nicht als meine Aufgabe ansehe und auch, dass das natürlich auch etwas sei, das ich nicht nur für sie sondern auch für ihre Schwestern realisieren müsste. Da wurde sie schon etwas nachdenklicher. Und auch, das es eben nicht nur 8 Monate Bibelschule sondern insgesamt 16 Monate samt Überbrückungszeiten sind, war ihr nicht so ganz klar.

Da stellt sich nun auch die Frage - wo wird sie in der Zwischenzeit wohnen? Da sie ihre Wohung ja auflösen muss - ist das ein wichtiger Aspekt. Und ich hab deutlich gemacht, dass das bei uns, so sehr ich sie liebe - nicht gehen wird. Meine Jüngste steht, wenn die Bibelschule vorbei ist, vor den Abschlußprüfungen, da zählt jede Note und vor allem Ruhe und Frieden und das will ich ihr nicht antun, denn friedlich ist Zusammenleben mit Aspies eben ganz sicher nicht. Aber Papa hat sich ja grad ein großes Haus gekauft und dort wäre ein Zimmer mit Bad für sie.... oder aber sie bringt sich eben selbst unter. Klingt alles gut und richtig. Sie selbst will in keinem Fall zu Papa und insoweit ist das dann ihr Problem. Zeit zum Lösen dieser Dinge hat sie ja genug.

So, nun müssen wir noch einmal mit ihr gemeinsam reden, aber erst zum Wochenende, weil sie in dieser Woche all ihre Prüfungen schreibt. Ich lass mich überraschen.

Damit geht es mir viel besser

Ansa

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