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BeitragVerfasst: 14.08.2015, 16:43 
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Hi, hier Greg,

bin gestern beim täglichen Surfen über eine Meldung bei www.wired.com gestolpert, wo es um die dilletantische Twitter-Reaktion seitens http://www.tinder.com auf einen Artikel in der Vanity Fair geht, in dem die Mobile-Dating-App "Tinder" als das "Herannahmen der Dating-Apokalypse" dargestellt wird.

Die Wellen rings um das PR-Desaster interessieren mich persönlich nicht, aber den Vanity-Fair-Artikel fand ich aus drei Gründen interessant zu lesen:

    Weil mich Marsvenus-Themen interessieren
    Weil er sich auf junge Marse und Venusse in den USA bezieht, wo sich Dating&Mating-Trends insbesondere in den Großstadt-Szenerien, etwas früher abzeichnen als bei uns. Dort herrscht ja auch auf dem Partnermarkt eine "noch freiere Marktwirtschaft" als bei uns.
    Weil ich auch an App-Entwicklungen mitarbeite und mich von daher Apps mit hoher Nutzerakzeptanz sowieso besonders interessieren.

Als Hintergrund-Info-Link also erst mal ein Link, wo man was auf Deutsch zum PR-Desaster lesen kann:

Tinder im Krieg mit Vanity Fair. Dating-App twittert sich in PR-Super-GAU

Und dann der Link zum eigentlichen Artikel, der halt auf Englisch ist.

Tinder and the "Dawn of the Dating Apocalypse"

Die Autorin beschreibt eine durch die Tinder-App befeuerte Situation des exzessiven, sexorientierten Datens unter jungen Leuten und versucht zu analysieren, warum das so ist und was es für Auswirkungen hat.

Tinder und ähnliche Apps bringen Angebot und Nachfrage nach menschlicher Nähe inkl. Sex nochmal um Größenordnungen schneller zusammen als es schon durch Dating-Portale wie FS24 der Fall war, wo man sich tagelang Sülz-Nachrichten am PC hin- und her schrieb, bis man endlich mal ein Date eingefädelt hatte. Auch sind die Infos zum potentiellen Partner auf´s offenbar Wesentliche reduziert, nämlich auf ein Foto.

Interessant zu lesen fand ich auch Beobachtungen zu Nebenwirkungen, die dieses ultraschnelle Abgleichen von Angebot und Nachfrage mit sich bringt. So haben einige Veni gegenüber der Autorin zugegeben, dass sie Tinder als Möglichkeit nutzen, um an kostenlose Mahlzeiten zu kommen, was eine davon als "Tinder-Food-Stamp" bezeichnet. Wenn man sowas mit FS24 probieren würde, wäre die Gefahr groß, dass eine Venus wegen Unterzucker umfällt, bevor sie das Date eingefädelt hat.

Unabhängig davon, wie korrekt ihre Sicht der Dinge im Detail ist, würde ich sagen, dass die Autorin mit ihrer Beschreibung und Analyse einigermaßen richtig liegt. Auch, wenn die Lage nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar ist, so ist der unterlagerte Trend ja auch in unserer Gesellschaft hier zu beobachten und über die Konsequenzen wurde auch hier im Forum schon vor zehn Jahren debattiert. Nur eben noch zu FS24- statt zu Tinder-Zeiten.

Also praktisch: Marse wollen Sex und einen möglichst niedrigen Preis dafür zahlen. Veni wollen auch Sex, aber einen möglichst hohen Preis dafür erzielen. Nicht, weil sie´s konkret wirtschaftlich brauchen, sondern weil sie´s für ihr Selbstwertgefühl brauchen, was darunter leidet, wenn sie sich zu "billig" für Sex hergeben.

Einen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und D sehe ich in unserer liberaleren Regelung der Prostitution bedingt, die in den USA weitgehend verboten und damit heikel und teuer ist, was Tinder natürlich in die Hände spielt. Während in Deutschland Millionen von Marse ein Mal in der Woche für 50-80EUR/30Min. und ansonsten völlig stressfrei Einen wegstecken, müssen die urbanen US-Marsis mit normal knappen Einkommen immer noch sowas wie ein "Umwerben" hinter sich bringen und ein Date startklar machen, bevor hoffenlich irgendwas geht. Das geht mit Tinder nun in Sekunden, birgt aber immer noch das Risiko, dass die "Tinderella" (wie Marse die Tinder-Veni nennen) doch zickt oder nur auf´s Essen aus war.

In Deutschland ist die Sache in so fern also auf andere Weise etwas fortschrittlicher, weil auf den zugehörigen Plattformen wie "Kaufmich", wo sich viele alleinerziehende Mutties, Hartz-4-lerinnen, Studentinnen, Azubis usw. tummeln, einfach gleich Tacheles geredet wird und konkrete Preise in EUR genannt werden.

Man braucht also kein Prophet zu sein, um zu erkennen, dass auch Nähe und Sex in Zukunft auf noch viel alltäglichere Weise kommerzialisiert werden als heute und Tinder nur ein Meilenstein auf dem Weg dorthin ist. Den Verbots- oder auch nur Tabu-Status der Prostitution aufrecht zu erhalten wird daher immer schwieriger. Siehe die aktuelle Richtungs-Entscheidung von Amnesty International, nicht mehr für ein Verbot der Prostitution zu kämpfen, sondern die damit einher gehenden Probleme wie Ausbeutung und Menschenhandel auf intelligentere Weise anzugehen, was ich persönlich für vollkommen sinnvoll und längst überfällig halte.

Also lest´s halt mal durch, wenn Euch sowas interessiert (und ihr gut genug Englisch könnt)!

Gruß,
Greg

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Be quick, be quiet, and be on time! Clarence “Kelly” Johnson


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BeitragVerfasst: 15.08.2015, 23:09 
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............hmm. Jein.
Also die Theorie "dass Marse möglichst wenig in Sex mit soviel Frauen wie möglich" investieren wollen und Frauen "soviel wie nur möglich in Sex nur mit ihnen investiert haben wollen", halte ich für bedingt richtig.

Und zwar hinsichtlich sehr verletzter junger Menschen, so um die 20. Beide "um ihren Selbstwert" zu steigern, wie Du schon schreibst (anders als Prostitution als Gewerbe, wo es immer um Preise geht). Männer auf Wettbewerb aus, Frauen zur Selbstwertsteigerung.
Bei der Selbstwertsteigerung geht es immer um NARZISSMUS. Wie viele SocialMedia ja narzisstisch missbraucht werden können und oft auch werden.

Das zielt ein bisschen auf "Unreife" ab, sage ich mal. Also verhältnismäßig geistfreies, oberflächliches Dasein. Ein Psychoheini hatte GENAU diesen Umstand übrigens mal genannt, "warum Männer und Frauen keine Freunde" sein könnten - zumindest in jungen Jahren. Kann ich übrigens - ziemlich enttäuscht damals - aus eigener Erfahrung bestätigen, wenn ich mir den Mann NEBEN mir, den ich aktuell habe so anschaue. Wie kennen uns ja schon länger. Damals hatte er mich ziemlich enttäuscht....... ("tolle Freunde habe ich", dachte ich).

Bei Marsen
drehe sich dann eben alles darum, so wenig Zeit wie möglich mit soviel Frauen wie möglich zu verbringen, um den evolutionären Auftrag der Samenverbreitung effektiv wahrzunehmen. Kein Mann würde, so sagt er, freiwillig seine Zeit (oder anderes) in eine Frau investieren, mit der er KEINEN Sex erwarten kann.
Und wenn er diesem doch Folge leisten würde, würde er von seinen männlichen Geschlechtsgenossen in DIESEM Alter (und auf dieser Reifestufe) zumindest ausgelacht werden, als "chancenlos".


Also dass die Youngsters so mit Tinder umgehen, das überrascht mich nicht.
Bleibt zu hoffen, dass sie trotzdem nochmal zu einer echten Beziehung finden. Wahre Liebe soll ja angeblich zu Gott führen, habe ich gehört. Und damit vom Narzissmus befreien.


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BeitragVerfasst: 15.08.2015, 23:20 
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Gebe Dir aber Recht darin, dass meine Freundinnen und ich früher so bis etwa Ende 20 damit voreinander angegeben haben, welcher Typ an unserer Seit für wen von uns wieviel bezahlt hatte beim Zusammensein... (also zu meinen Horst-Zeiten, der war ja recht betucht, den habe ich damals - also da war ich noch Atheist - übrigens sogar DESWEGEN ausgesucht :oops:, traurig aber wahr).

Also Jein, ist nicht der Weisheit letzter Schluss bei den meisten Leuten.


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BeitragVerfasst: 15.08.2015, 23:30 
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"Apps like Tinder and OkCupid give people the impression that there are thousands or millions of potential mates out there,” Buss says."

also mal ganz ehrlich, ja:
Wer sooooooo doof ist, dass man sich das gar nicht vorstellen kann, dass man überhaupt so doof sein KANN, der gehört auch auf die Schnauze zu fallen, also sorry. :shock: Also wer überhaupt nicht mehr denken kann. Das sind doch keine Pornofilme, die man auswählt ("virtueller Harem")ohne eigenen Willen oder Ansprüche :pillepalle:

Internet, Medien oder auch Apps führen nicht zur Verblödung aller Menschen. Vielleicht der Masse, leider.
Denn Medien machen, wie das Fernsehen, Kluge klüger. Und Dumme dümmer, das stimmt. Kann man nix machen.


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BeitragVerfasst: 16.08.2015, 01:08 
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Übrigens ziemlich unsympathisch, als ob das beim Vögeln interessieren würde - seit April 2015 zwingt Tinder die Nutzer dazu, auch persönliche Informationen über politische und religiöse Einstellungen sowie die aktuellen und ehemaligen Arbeitgeber über Facebook freizugeben. Ohne Zugriff auf diese Informationen kann man Tinder seit der Version 4.4.3 nicht mehr nutzen.

Außerdem sind neuerdings altersabhängige Nutzungspreise eingeführt - je älter die Nutzer, desto mehr Geld sollen sie pro Monat zahlen.
Naja, so 'n alter Sack schleppt nicht so schnell eine ab wie nen 23-jähriger Student...da muss eben mehr gezahlt werden.... :mrgreen:


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BeitragVerfasst: 04.04.2016, 09:21 
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Sonntagsschreiber
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Beiträge: 11
Dass jetzt nach Alter Gebühren erhoben werden, habe ich auch mitbekommen. Schätze, es werden in Zukunft ohnehin viele abspringen und zu Lovoo wechseln, das soll ja jetzt das neue, "bessere" Tinder sein.

Auch wenn ich denke, dass ohnehin alle Informationen auf Facebook nicht sicher sind - das mit den persönlichen Informationen über politische und religiöse Einstellungen oder den Arbeitgeber bei Tinder ist mir neu. Wo hast du das denn gelesen, Tilde?

_________________
Leben ist das, was dir passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.


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BeitragVerfasst: 15.04.2016, 14:18 
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Beiträge: 4357
Arbeitgeber, hier:
https://www.google.de/#q=Tinder+Arbeitsgeber&gws_rd=cr
diverse, eigentlich alle.

Religion und Politische Einstellungen
hier
https://www.zu-zweit.de/artikel/tinder- ... atastrophe
https://de.wikipedia.org/wiki/Tinder


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