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BeitragVerfasst: 03.05.2009, 13:21 
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Jahrhundertposter
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Registriert: 21.03.2009, 18:06
Beiträge: 4357
S. hat geschrieben:

Zitat:
Gewaltfreie Kommunikation ist dann eine Äußerung innerer Freiheit, wenn man auch anders kann. Wenn man aus innerer Freiheit dahin kommt.


Ganz ehrlich, ich glaube ein jeder Mensch kann auch anders.



In dem Punkt täuscht Du Doch, S. Eben nicht. Schocky hat das oben schon gut beschrieben, genau das ist der Weg.


Es ist tatsächlich nicht jedem ein Elternhaus vergönnt, wo den Kindern von anfang an vorgelebt wird oder beigebracht wird, Grenzen zu ziehen. Ja, es gibt tatsächlich Elternhäuser, wo die Kinder keine Grenzen ziehen dürfen. Für mich war das früher "normal". Ich wusste gar nicht was das ist. Ich musste tatsächlich erst Jura studieren, um zu erkennen, dass ich nicht nur Pflichten, sondern sogar "Rechte" habe. Darauf wäre ich von selbst niemals gekommen. Insofern "passte ich" damals auch perfekt zu Horst:

Ich wusste nicht, was Grenzen ziehen ist.
Er wusste nicht, was Grenzen einhalten ist.

Komplementärstörungen: Co-Abhängige und Psychopath. Das ist klassisch.

Das machte ich bis zur totalen Selbstverleugnung mit, bis es wirklich um das blanke Überleben ging bei mir: Und da drehte ich auf. Das war der Punkt wo ich begriff, dass es nicht immer nur um den anderen geht. Seitdem arbeite ich an mir.


Wut ist immer ein Indiz, dass Grenzen überschritten werden. Viele aber können ihre eigenen Grenzen überhaupt nicht wahrnehmen und kennen diese gar nicht. Schon gar nicht wissen sie, dass ihre Wut ein Indikator ist, dass sie eine Grenzen ziehen müssen.

Ich zum Beispiel konnte meine "Grenzen" wenn überhaupt früher erst DANN wahrnehmen, ja meine WUT erst dann wahrnehmen, wenn massivste Grenzüberschreitungen vorkamen. Das heißt, wenn man (und das wäre jeder) bereits "außer sich vor Wut ist".

Ich musste erstmal über Jahre hinweg lernen, "die leisen Töne zu fühlen".
Mich selbst zu fühlen. Meine Bedürfnisse zu erkunden. Früher "nein" zu sagen oder zu gehen, bevor ich "durchdrehe".

Und dann mit der Grenzziehung gleich ausgereift umgehen - nope. Ist zuviel verlangt. Das ist dann wie bei einem Kleinkind, das erstmals seine Grenzen absteckt, indem es seiner Wut freien Lauf lässt.


Das ist nicht immer zumutbar für die Mitmenschen, da gebe ich Dir recht.
Das soll auch keine Entschuldigung sein, aber eine Sichtweise.

Aber dass das "jeder könne" - nö. Absolut nicht. Es ist ein Glück, das zu können. Ein ziemliches Privileg.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.05.2009, 22:24 
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Olympiareiftipper
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Registriert: 28.04.2006, 00:25
Beiträge: 926
Wohnort: Österreich
Liebe Tilde

ich glaub da liegt ein Missverständnis vor. Was ich meinte
ist, dass ein jeder Mensch der sich um gewaltfreies Handeln
bemüht auch anders - im Sinne von gewaltvoll - Handeln
kann. Den Umkehrschluß .... ?!? .... traue ich mir nicht so
sicher zu schreiben. Obwohl selbst ein Mensch der mitunter
grausamste Sachen tut, wird vielleicht in manchen Situationen sozial handeln.

Zitat:
Ich musste erstmal über Jahre hinweg lernen, "die
leisen Töne zu fühlen".
Mich selbst zu fühlen. Meine Bedürfnisse zu erkunden. Früher "nein" zu sagen oder zu gehen, bevor ich "durchdrehe".


Das mit den leisen Tönen ist finde ich schön
ausgedrückt, da habe ich eine Vorstellung dazu. Ich dachte
selber mal Grenzen sind zum überschreiten da.
Damit Weiterentwicklung überhaupt erst statt finden kann.
Nicht das ich diesen Ansatz heute als völlig falsch
empfinden täte, ich habe ihn damals nur zu universell
betrachtet.
Ich mußte selbst erst mal diese leisen Töne in mir spüren
und immer noch gibt es für mich Situationen, wie ein
Paukenschlag. Da brauch ich echt lang, bis ich mich da
selber entwirrt habe bzw. ist es mir manchmal zu mühsam und
ich lass den Paukenschlag so wie er ist.

Zitat:
Und dann mit der Grenzziehung gleich ausgereift
umgehen - nope. Ist zuviel verlangt. Das ist dann wie bei
einem Kleinkind, das erstmals seine Grenzen absteckt, indem
es seiner Wut freien Lauf lässt.

Das ist nicht immer zumutbar für die Mitmenschen, da gebe
ich Dir recht.
Das soll auch keine Entschuldigung sein, aber eine Sichtweise.


Mit der Wut und dem freien Lauf, meinst du wohl nicht, dass
du wie Kinder im Sandkasten das manchmal tun, deinem
Gegenüber deinen Rechen oder deinen Kübel über die Ohren
ziehst, oder? ;-)
Der Horst kommt glaub ich bei dir nicht mehr so oft vor als
wie zu Beginn deiner Forumszeit. Hast du ihn hier
angeführt, weil dich dieser Lebensabschnitt auf eine
gewisse Weise immer noch sehr wütend macht?

Und ja,ich sehe es auch als Glück, Erfolg oder Privileg an,
wenn wer wo deeskalierend wirken kann. Situationsbedingt.
Manchen gelingt es öfter als anderen und viele Situationen
lassen sich üben.
Jedenfalls ist das meine Sichtweise und eines Tages schaffe
ich es vielleicht auch selbst bei mich standardmässig
wütend machenden, bestimmten Aussagen meiner Mutter,
ihre wahren Bedürfnisse dahinter wahr zu nehmen und
meine ebenso - ohne wütend zu werden.
Ich war schon mal nahe dran, und es war eine sehr traurige Situation.
Meine Mutter würde sich gerne mit einer Umarmung von mir
verabschieden. Mir stellen sich allerdings schon alleine
beim Gedanken daran sämtliche Nackenhaare auf.
Und so habe ich immer wieder mal ein schlechtes Gewissen,
wenn ich ihren Umarmungsversuch mal besser, mal schlechter
abwehre. Und sie trollt sich wie ein geschlagener Hund
davon, weil sie wieder nicht die Brücke schlagen konnte,
die ihr am Herzen liegt. Bei ihr liegt dieser Hund schon in
der Kindheit begraben. Mein Opa hatte einen Gehirntumor und
war sehr gewalttätig zu seinen Kindern. Sie hat da einiges
mitgemacht und ist was Körperkontakt betrifft,
eine Mischung aus roh und schüchtern. Ich habe ihr schon
sehr direkt gesagt, dass ich diese Umarmungen nicht will,
weil ich es aus der Kindheit nicht von ihr gewöhnt bin und
ich mich extrem unwohl dabei fühle. Ich fürchte, sie glaubt
immer noch es in gewissen Abständen versuchen zu müssen und
ich werde bei diesen Versuchen in regelmässigen Abständen wütend.
Sie überprüft ob sich was geändert hat, in der Hoffnung es
könnte so sein. Ich bin jedes mal wütender, weil ich es als
respektlos mir gegenüber empfinde. Sie tut mir dann zwar
auch leid, aber mehr noch bin ich in so einer Situation wütend. Schon allein der Gedanke ...
.. und laut Rosenberg´s Theorie, sind es die Gedanken über
etwas die uns wütend machen. Das Urteil über die Person.
Ich denke dann ganz stark, meine Mutter hat wirklich einen
Vogel und kein Gefühl für Grenzen, wenn ich ihr eh schon
x-mal gesagt habe, ich will das nicht.
Dabei ist sie wohl auch ein gehöriges Mass verzweifelt weil
ihre Tochter so gar nicht von ihr umarmt werden möchte.
Und so ist diese Sitiuation eigentlich ein sehr, sehr
trauriges Dilemma.

Ich möchte damit verdeutlichen, dass ich bei aller
Begeisterung für die Gewaltfreiheit durchaus meine Schwachstellen sehr gut sehe.

Das soll auch keine Entschuldigung sein sondern meine
Sichtweise.
Ich denk` da gerne an den Filmtitel "Besser geht´s nicht",
die Unvollkommenheit kommt für mich in dem Film so
liebevoll herüber.


Liebe Grüße
S.


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BeitragVerfasst: 04.05.2009, 17:46 
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Jahrhundertposter
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Registriert: 21.03.2009, 18:06
Beiträge: 4357
S. hat geschrieben:

ich glaub da liegt ein Missverständnis vor. Was ich meinte
ist, dass ein jeder Mensch der sich um gewaltfreies Handeln
bemüht auch anders - im Sinne von gewaltvoll - Handeln
kann.


Oh! Das hatte ich in der Tat missverstanden.
Alles klar! :wink:


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